Vier Monate nach dem TryOut jagen 90 Männer bei den Minden Wolves dem Ei hinterher
»Vom ersten Moment an eine Familie«

Minden/Lübbecke (WB). 22 harte Männer, ein Ball. Die Rede ist aber nicht von Fußball. Es geht vielmehr um American Football, von dem die Quarterback-Ikone von SuperBowl-Sieger New England Patriots, Tom Brady sagt: »Er ist bedingungslose Liebe!« Dessen Faszination packt seit Jahren die Massen in Deutschland. Seit Anfang des Jahres gibt es nun auch im Mühlenkreis einen Verein, der dem Ei nachjagt: die Minden Wolves. Headcoach Timo Drinkhut klärt im Gespräch mit Volker Krusche auf, wie es nach den TryOuts Anfang Februar weiterging.

Dienstag, 04.06.2019, 13:24 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 14:16 Uhr
Die Gemeinschaft ist alles. Vom ersten Moment an sind die Wolves eine große Fanilie gewesen. Foto: Volker Krusche

Seit dem TryOut sind fast vier Monate vergangen. Die Resonanz war damals überwältigend. Hat sich das auch auf das kurz darauf begonnene Training übertragen?

Timo Drinkhuth: Ja, das TryOut war in der Tat super. Inzwischen hat sich ein Gesamtteam von 90 Aktiven gebildet. Die große Resonanz spiegelt sich auch in unseren Trainingseinheiten wieder, an denen immer zwischen 50 und 65 Spieler teilnehmen. Natürlich hatten wir uns bei der Gründung der Wolves einen guten Zuspruch erhofft, von der jetzigen Beteiligung konnte man aber wirklich nur träumen.

 

Football ist Familie. Aber eine Familie muss sich auch erst einmal finden. Bei den Wolves hatte man aber nicht den Eindruck, als wenn die neue Gemeinschaft viel Zeit dazu benötigte?

Drinkhut: Das war in der Tat so. Bereits nach den TryOuts war der Zusammenhalt beim Training deutlich zu spüren. Wir waren vom ersten Moment an eine große Familie. Darauf legen wir Coaches aber auch sehr viel Wert. Das ist eine gute Basis, schnell zu dem Team zu werden, das wir werden wollen.

Headcoach Timo Drinkhut gibt Anweisungen.

Headcoach Timo Drinkhut gibt Anweisungen. Foto: Volker Krusche

»Man fängt bei Null an«

Von den über 90 angemeldeten Spieler ist der überwiegende Teil zwar Football-Fan gewesen, hat aber selbst vorher nie gespielt. Wie führt man unbedarfte Willige an eine Sportart mit so hohen Anforderungen heran?

Drinkhut: Ganz einfach, in dem man bei Null anfängt und zunächst die Grundlagen legt, also die Basics in den Vordergrund rückt. Den Neulingen wird wirklich Schritt für Schritt die Sportart American Football beigebracht. Woche für Woche lernen sie sie besser kennen.

 

Anfänglich wurde ohne Helm und Pad trainiert. Inzwischen sind die Spieler entsprechend ausgerüstet. Kommen denn alle mit dem stärkeren Körperkontakt klar?

Drinkhut: Größeren Körperkontakt gibt es bislang nicht. Das werden wir ganz langsam und behutsam bis hin zum Vollkontakt in die Übungen einbauen und dann steigern. Denn gerade hier gilt: Step by Step!

 

Neben den Praxiseinheiten spielt auch die Theorie im Football eine wesentliche Rolle. Wo liegen da die Schwerpunkte?

Drinkhut: Hier geht es in erster Linie um Regelkunde und grundlegende Dinge, ähnlich wie in den Praxisübungen. Hinzu kommen Vorträge von Fachleuten, die ihr Wissen an die Neulinge weitergeben. Außerdem befassen sich die Spieler auch daheim mit dem Playbook, das heißt mit Spielzügen und den dazugehörigen Bewegungen in jedem Mannschaftsteil.

 

Ihr Ziel ist es, schon im kommenden Jahr am Spielbetrieb teilzunehmen. Wie realistisch ist es, zu dem Zeitpunkt bereits einigermaßen konkurrenzfähig zu sein?

Drinkhut: Das ist eine gute Frage. So was wird sich erst im Laufe dieses Jahres abzeichnen. Dann wird man sehen, wie weit wir auf unserem Weg sind. Allerdings bin ich optimistisch, denn wir haben in den drei Monaten, in denen wir bislang trainiert haben, schon sehr, sehr große Fortschritte gemacht. Das lässt uns hoffen, dann auch gut in der Liga mitspielen zu können.

 

»Auch die Korpulenten werden gebraucht«

Im Football gibt es 19 verschiedene Positionen. Sie haben Spieler in ihren Reihen, die sind groß oder klein, leicht oder schwer. Macht es Football im Vergleich mit anderen Ballsportarten gerade dadurch aus, dass hier jeder gebraucht wird, egal, welche körperlichen Voraussetzungen er mitbringt?

Drinkhut: Auf jeden Fall. Das macht definitiv einen ganz entscheidenden Unterschied zu anderen Mannschaftssportarten. Bei uns werden die korpulenteren Jungs genauso gebraucht, wie die Leichtgewichte. Nicht wie in der Schule, wo sie bei der Wahl immer bis zum Schluss übrig blieben.

 

Runningback im Einsatz.

Runningback im Einsatz. Foto: Volker Krusche

Jetzt heißt das Team zwar Minden Wolves, sie verstehen sich aber als erster American Football-Verein für den gesamten Mühlenkreis. Schlägt sich das auch im Spielerkader nieder?

Drinkhut: Ja, auf jeden Fall. Wir sind kein reines Mindener Team. Das war auch nie unsere Intention. Wir wollten vielmehr von vornherein für Interessenten aus dem gesamten Kreis Minden-Lübbecke da sein. Das ist uns gelungen. Wir haben Spieler dabei, die nicht nur aus Minden oder Porta kommen, sondern aus Espelkamp, Stemwede oder Lübbecke. Aber es sind auch Jungs dabei, die wohnen in Löhne, Herford oder sogar in Bielefeld.

 

Wer jetzt die beiden TryOuts verpasst hat, aber gern mitmachen möchte, besteht für den die Möglichkeit, noch einzusteigen?

Drinkhut: Neulinge sind jederzeit bei uns willkommen. Nachdem wir anfänglich mit einer Übungseinheit pro Woche gestartet sind, trainieren wir ab sofort dreimal wöchentlich, jeweils dienstags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr sowie samstags von 13 bis 15.30 Uhr auf dem Nebenplatz des Mindener Weserstadions. Wir werden aber gegen Jahresende noch mal ein TryOut veranstalten, zu dem natürlich explizit Neulinge eingeladen werden. Aber wie gesagt: Wer jetzt schon zu uns stoßen möchte, kann dies tun und ist in unserer Football-Familie herzlich willkommen.

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