Nettelstedts Junioren-Nationaltorwart Mikkel Wandtke lernt im Beachhandball
Träume sind nicht nur auf Sand gebaut

Lübbecke (WB). Ein Profi und sein Lehrling: Michael Scholz und Mikkel Wandtke kennen sich schon seit vergangener Saison bei den Nachwuchshandballern der JSG Lit 1912. Der ehemalige deutsche Meister trainiert das vielversprechende Talent nun beim Stützpunkttraining des Deutschen Handball-Bundes in Oberlübbe. Beim Stützpunkt der Nationalmannschaft kann Wandtke sich mit den besten Beach-Assen der Umgebung messen, zu denen auch die Ex-Nettelstedterin Miriam Bolduan gehört.

Freitag, 07.08.2020, 06:00 Uhr
Nationalspieler aus Nettelstedt: Mikkel Wandtke hütet das Tor der U16-Nationalmannschaft und träumt auch in der Hallensaison von Erfolgen mit Lit 1912. Foto: Jan-Benedikt Meier

Um kurz vor 10 Uhr ist es so weit. Das Stützpunkttraining der U-16 Nationalmannschaft geht in die nächste Runde. Seit Juni können die jungen Handballer und Handballerinnen mit Startrainer Michael Scholz wieder trainieren. Nach einer kurzen Begrüßung geht es mit Aufwärmübungen los. Es herrscht eine gute Atmosphäre, das fällt direkt auf. Vor allem Scholz scherzt immer wieder, um so einerseits Lockerheit zu vermitteln und andererseits die Konzen­tration der jungen Talente hochzufahren. Eines dieser Talente ist Mikkel Wandtke aus Nettelstedt. Schon als Kind war der Ball sein Freund: Zuerst spielte er jedoch Fußball, ehe er vor „ungefähr sieben Jahren“ mit dem Handballspielen startete.

Zunächst probierte er, beide Hobbys gleichzeitig zu betreiben, mittlerweile hat sich sein Fokus aber vollends auf den Handball gelegt. Beim Handball ist er aus dem Tor nicht wegzudenken. „Das Geilste ist es einfach für einen Keeper, wenn man Bälle halten kann. Dafür arbeitet man die ganze Zeit hin. Das muss gar nicht unbedingt im Spiel sein, sondern kann auch im Training mit Freunden Spaß machen.“ Seine Laufbahn hat der „Goalie“ aus Nettelstedt jedoch im Feld begonnen. „Ich weiß nicht, wie ich damals ins Tor gekommen bin, aber ich bereue es nicht“, sagt er lachend.

Michael Scholz coacht ständig

Zurück zum Training: Michael Scholz ist ständig dabei zu coachen. Dabei fordert er seine Schützlinge einerseits durch Anweisungen wie „Gas, Gas, Gas“ oder „Mach es ihm nicht so leicht“. Andererseits gibt er individuelle Tipps zur Verbesserung und spricht bei guten Leistungen auch gerne mal ein Lob aus. „Ich erzähle den Spielern, was und wie ich es gelernt habe. Ich habe auch eine Trainerlizenz gemacht und probiere, jetzt all das weiterzugeben, das ich mir angeeignet habe.“

Erfahrung hat Michael Scholz aus 217 Bundesligaspielen mit 459 Bundesligatoren. In seiner aktiven Karriere wurde er außerdem zwei Mal deutscher Meister (1992,1993) und ein Mal IHF-Pokalsieger (1992). Über Wandtke sagt er: „Letztes Jahr waren wir in einer Mannschaft (Scholz als Trainer), und da habe ich sein Talent direkt erkannt. Wir arbeiten daran, dass wir dieses Talent ausbauen und fördern.“ Ob er ihm ebenfalls eine Bundesligakarriere zutraut? „Bis dahin ist das noch ein großer Schritt. Jetzt kommt erst mal sein zweites B-Jugendjahr, dann die A-Jugend, bei der er schon letztes Jahr Junioren-Bundesliga spielen durfte. Männerbundesliga ist dann noch ein anderer Schritt, aber das Talent hat er auf jeden Fall.“

Während des Trainings fällt auf, dass Wandtke sich direkt ärgert, wenn er einen Ball durchlässt. „Ich bin sehr selbstkritisch und manchmal etwas zu ehrgeizig“ gesteht er ein. Dass seit Juni wieder trainiert werden darf, freut den Spieler der JSG Lit 1912 sichtlich: „Es ist gut, dass man mal wieder ein bisschen in Schwung kommt. In den Ferien neigt man ohne Schulaufgaben auch dazu, komplett runterzufahren. Das wäre nicht gut, also bin ich sehr froh.“

Beachhandball ist anstrengender

Der größte Unterschied zwischen dem Stützpunkt- und dem Vereinstraining? „Das eine ist Beachhandball, und das andere ist Hallenhandball“, bringt Wandtke es auf den Punkt. Zwar liege ihm das Hallentraining mehr, doch auch das Beachtraining habe seine Vorzüge: „Man muss genauer schauen, was der Spieler macht, und da es anstrengender ist, bereitet es konditionell auch gut auf die Halle vor. Außerdem hilft es mir, mehr auf den Gegenspieler zu achten: Wie springt er, wo ist der Wurfarm?“ Dabei helfe ihm das Handballspielen auf Sand ganz enorm, resümiert er.

Eine Spielerin, die ihm beim Beachtraining des Nationalmannschaftsstützpunktes die Bälle um die Ohren wirft, ist Miriam Bolduan. Die wurfgewaltige Rückraumspielerin war lange beim TuS Nettelstedt aktiv und ist jetzt bei Lit Tribe Germania unter Vertrag. Neben ihr hat Mikkel Wandtke auch noch die Chance, sich mit weiteren (angehenden) Profis zu messen. Auf die Frage bezogen, ob er später in der A-Nationalmannschaft spielen möchte, sagt er: „Ich spiele zwar Westfalenauswahl und bin im Landeskader NRW, aber um einmal Nationalmannschaft zu spielen, braucht es auch ein wenig Glück. Du musst zu der richtigen Zeit am richtigen Ort sein und selbst mit totaler Anstrengung kann dich eine Verletzung beispielsweise total rauswerfen. Mein Ziel ist es einfach, das beste aus mir rauszuholen.“

Dabei helfen kann Handball-Legende Michael Scholz: „Er gibt mir viele Tipps, wie die Spieler werfen, wo sie hinwerfen und wie die Wurfvariation sein könnte.“ Mit Lit 1912 spielt Wandtke aktuell in der Oberliga. Ziele für die kommende Saison „haben wir noch nicht mit dem Trainer besprochen.“ Bei der Westfalenauswahl sieht das schon anders aus, da „wollen wir zum Deutschland-Cup fahren“, sagt Wandtke selbstbewusst. Vorbilder hat der aufstrebende junge Torwart zwar keine, aber er „mag es, wenn jemand ehrgeizig ist und sich voll reinhaut.“ So wie ein junger Torwart aus Nettelstedt: Mikkel Wandtke.

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