Kreisliga A Lübbecke: mit 11:4 Stimmen gegen die Fortsetzung in der Corona-Krise
Kapitäne befürworten den Saisonabbruch

Lübbecke (WB). Während andere Sportarten ihre Sommerpause wegen der Corona-Pandemie längst vorgezogen haben, tut sich der Fußball mit der Entscheidung über einen Saisonabbruch schwer. Die Spielzeit über die Bühne bringen oder besser doch sofort abpfeifen? Wir haben uns in der heimischen Kreisliga A Lübbecke umgehört und die Meinungen der Mannschaftskapitäne zu dem in Fußballerkreisen viel diskutierten Thema eingeholt. 15 der 16 Spielführer haben sich bei der Umfrage zu Wort gemeldet, das Voting fällt klar aus: Gleich elf Kapitäne sind für den Saison-Abbruch – auch wenn ein solcher Beschluss jedem weh tun würde!

Freitag, 10.04.2020, 10:13 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 10:16 Uhr
Die Luft ist raus – scheinbar nicht nur aus diesem Ball, sondern aus der kompletten Saison im Amateurbereich. Die Kapitäne der Lübbecker Kreisliga A sprechen sich in einer Umfrage der Lübbecker Kreiszeitung jedenfalls für einen sofortigen Abbruch der Spielzeit aus. Die grundlegende Meinung: Die Gesundheitsaspekt habe in der Corona-Krise Vorrang vor allem anderen, der Fußball muss sich ausnahmsweise hinten anstellen. Foto: Alexander Grohmann

Vielleicht ist es sinnvoll, die Saison einzufrieren und im nächsten Frühjahr fortzusetzen. Ich finde das einen ganz interessanten Gedanken.

Jan Kampe, Kapitän des SSV Pr. Ströhen

„Emotional tut es uns allen weh, nicht gegen die Pille zu treten. Wenn ich es aber sachlich betrachte, geht die Gesundheit vor. Gerade jetzt wieder mit Spielen auf Kreisebene zu starten, wo man sich sehr nahe kommt und sich neben dem Platz schnell mal 50 Personen versammeln, fände ich nicht sehr verantwortungsbewusst“, sagt Jan Kampe , Kapitän des Tabellenfünften SSV Pr. Ströhen . Kampe ist alternativen Ideen gegenüber aufgeschlossen. “Ich habe einen interessanten Gedanken gehört. Vielleicht ist es sinnvoll, die Saison einzufrieren und im nächsten Frühjahr fortzusetzen“, sagt der 29-Jährige. Schließlich ist es denkbar, dass Corona den Hobbysport noch bis zum Jahresende auf Trab hält.

Ich glaube, dass uns diese Krise noch spät in das Jahr begleiten wird.

Tobias Borchert, Kapitän des VfL Frotheim

Tobias Borchert vom VfL Frotheim glaubt ebenfalls, dass dem Fußball die Zeit davon läuft: „Mein Herz sagt mir, dass ich gerne weiterspielen würde, aber ich würde mich dennoch für einen Saisonabbruch entscheiden, weil noch nicht abzusehen ist, wann der Ball wieder rollen soll und ich befürchte, dass uns diese Krise noch spät in das Jahr begleiten wird“, sagt Borchert.

Tobias Borchert zeigt den Daumen nach unten. Der Käpt’n des VfL Frotheim ist für Abbruch.

Tobias Borchert zeigt den Daumen nach unten. Der Käpt’n des VfL Frotheim ist für Abbruch. Foto: privat

Benny Ruschmeier (SV Schnathorst) schließt sich an: „In dieser Situation dürfen gerade nur gesundheitliche Aspekte an erster Stelle stehen und dann das Sportliche und alle anderen Dinge, die aktuell auf der Strecke bleiben.“ Ruschmeier wäre einverstanden, wenn die Saison gestoppt wird – auch wegen der großen Unsicherheit. „Da man nicht absehen kann, wann wieder gespielt werden kann, würde ich die Serie beenden. In der Hoffnung, dass die Vereine, Trainer und Spieler die neue Saison planen können und schnell Normalität einkehrt.“

Auch Christian Kessler vom BSC Blasheim plädiert für das Saisonende: „Das Allerwichtigste ist die Gesundheit. Eine Pandemie wie diese und die Auswirkungen mit Kontaktbeschränkungen sind etwas ganz neues für die heutige Generation. Ich denke, dass jeder von uns gern wieder Fußball spielen möchte. Aber wenn es die Gesundheit der Menschen gefährden kann, indem sich das Virus weiter ausbreitet, macht es meiner Meinung nach Sinn, die Saison abzu­brechen. Nach aktuellem Stand könnte es wohl noch eine Weile dauern, bis der normale Spielbetrieb wieder laufen könnte.“

Wir hätten unserem Trainer, der am Saisonende aufhört, gerne fußballerisch einen schönen Abschied beschert. Es ist aber die absolut richtige Entscheidung, die Saison vorzeitig zu beenden.

Joel Rybak, TuS Stemwede

Bei Joel Rybak vom TuS Stemwede schlagen zwei Herzen in der Brust. „Ich fände einen Abbruch sehr schade, zumal alle Vereine nach der langen Vorbereitung heiß darauf waren, dass es wieder losgeht. Bei uns kommt dazu, dass unser Trainer am Saisonende aufhört und wir ihm gerne einen fußballerisch schönen Abschied beschert hätten. Nichtsdestotrotz wäre es meiner Meinung nach die absolut richtige Entscheidung, da das Virus ohne Symptome verlaufen kann und dadurch weitere Infektionen auf dem Fußballplatz nicht ausgeschlossen werden können. Die Gesundheit steht an erster Stelle, da können wir uns gut eine Zeit lang zurücknehmen und auf den (Kreisliga-)Fußball verzichten.“

Nico Schmidt vom Tabellenvierten SuS Holzhausen schlägt in die gleiche Kerbe: „Vor dem Hintergrund der Ungewissheit, wie es in allen Bereichen weitergeht, bin ich der Meinung, dass ein Saisonabbruch die richtige Entscheidung wäre. Ich denke, wir sollten in dieser Zeit Prioritäten bei Gesundheit, Bildung und Arbeitsplatzsicherung setzen. Der Fußball muss sich – so schade das auch ist – hinten anstellen.“

Eine Fortsetzung ist die fairste Lösung. Natürlich muss es gesundheitlich zu verantworten sein. Sonst muss man wohl in den sauren Apfel beißen.

Jan Holzmeyer, TuS Gehlenbeck

Jan Holzmeyer vom Tabellenzweiten TuS Gehlenbeck fände es schade, sollte es nicht weitergehen. „Ich bin generell pro Fortsetzung, da das die fairste Lösung ist, die Saison zu beenden. Natürlich muss beim Zeitpunkt der Wiederaufnahme die Durchführung der Spiele gesundheitlich zu verantworten sein, da sollte man auf die Experten hören. Und dann muss man gucken, ob man es schafft, die Spiele in der kurzen Zeit nachzuholen, ohne die Belastung der Spieler zu vernachlässigen. Wenn das nicht möglich ist, muss man wohl in den sauren Apfel beißen.“

Pierre Maurice Katenbrink vom HSC Alswede spricht sich gegen den sofortigen Abbruch aus: „Ich denke, dass man, so lange es möglich erscheint, an einer Fortsetzung des Ligabetriebs festhalten sollte. Bisher erbrachte Leistungen am grünen Tisch zu entscheiden, wird für einige Teams einen faden Beigeschmack haben.“

Daumen hoch, aber ebenfalls für den Saisonabbruch im Sinne der Gesundheit: Niki Kleinert von Eintracht Tonnenheide.

Daumen hoch, aber ebenfalls für den Saisonabbruch im Sinne der Gesundheit: Niki Kleinert von Eintracht Tonnenheide. Foto: privat

Benedikt Schwarz (Isenstedter SC) ist hin- und hergerissen: „Ich will die Saison zu Ende bringen, sehe aber wenig Hoffnung. Man muss bis zu einem ‚Datum x‘ warten, bis zu dem man die Saison zu Ende bringen könnte. Sollte das überschritten werden, bleibt nur noch der Abbruch. Da ich davon ausgehe, dass sich das noch etwas zieht, bin ich für Abbruch.“

Anders sieht es der Kapitän von Preußen Espelkamp II, Daniel Kamolz : „Ich bin dafür, die Saison fortzusetzen, um eine faire Wertung zu haben, vor allem was Auf- und Absteiger angeht. Ich habe jetzt gelesen, dass es möglich wäre, die Saison zeitlich zu verlängern, was ich für sinnvoll halte.“

Den Gesundheitsaspekt rückt Malte Klasing (TuRa Espelkamp) an erste Stelle: „Letztendlich steht die Gesundheit von Spielern und deren Familien im Vordergrund. Um das Kontaktverbot weiterhin einhalten zu können und damit die An­steckungsgefahr gering zu halten, sehe ich keine Möglichkeit, die Saison normal bis Juni, oder vielleicht auch Juli, zu beenden.“ Für Klasing wäre es kein Beinbruch: „Bei uns haben die TV-Gelder ja nicht den Stellenwert wie in der Bundesliga“, witzelt der TuRa-Kicker. „Ein Abbruch wäre zwar ein Dilemma, für uns als Spieler aber ­sicherlich ein Weg, das Risiko für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten.“

Die Meinung der anderen Kapitäne – von Frust bis Verständnis

Niki Kleinert (Eintr. Tonnenheide): “Die Gesundheit geht vor. Fußball ist für uns alle ein Hobby, wir verdienen kein Geld damit. Und ich denke, Geisterspiele machen auf dem Dorf auch keinen Sinn. Daher wäre es in meinen Augen vernünftig, jetzt einen Cut zu machen. Für ein, zwei Vereine wäre es sicher ärgerlich, Andere wiederum hätten Glück.“

Pascal Meier (Union Varl): „Man muss jetzt abbrechen. Es steht ja in den Sternen, wann es überhaupt wieder losgehen kann. Mich stört auch, dass gerade jeder Landesverband sein eigenes Süppchen kocht. Persönlich fände ich es ­extrem schade, wenn es so kommt, weil ich seit September verletzt war und richtig heiß auf Fußball bin. Gerade bei diesem Wetter ist es doch schrecklich, dass man nicht auf den Platz kann. Dennoch führt an einem Abbruch kein Weg vorbei.“

Vermisst den Fußball tierisch, ist aber trotzdem pro Abbruch: Pascal Meier (Union Varl).

Vermisst den Fußball tierisch, ist aber trotzdem pro Abbruch: Pascal Meier (Union Varl). Foto: privat

Marius Helmich (TuS Levern): „Grundsätzlich hätte ich schon Lust, zu spielen. Wenn es bis Anfang Mai wieder losgeht, könnte man bis Ende Juni mit der Saison durch sein. Ich wäre bereit, viele Spiele in kurzer Zeit zu absolvieren. Für uns wäre es zudem ärgerlich, wenn die Saison vorzeitig beendet wird, weil wir aktuell mit nur zwei Punkten Rückstand auf einem Abstiegsplatz stehen. Gerade bei diesem geilen Wetter fällt die Fußball-Pause mega-schwer.“

Kristopher Susa (Holsener SV): „Durch die Vereinsbrille betrachtet wäre es sicher gut, wenn die Saison weitergeht, weil wir als Letzter sonst möglicherweise abgestiegen wären. Aber irgendwer schaut immer in die Röhre. Und in diesem Fall muss ich einfach sagen, dass man gerade im Amateursport bei der Corona-Geschichte Vorsicht walten lassen sollte. Das wäre in meinen Augen zu risikobelastet, die Verbreitungsgefahr zu groß. Daher bin ich für Abbruch.“

 

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