Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen gibt eine Empfehlung zum Umgang mit dem Corona-Virus heraus
Händeschütteln vermeiden

Lübbecke (WB). Ball flach halten, aber die Augen und Ohren offen halten: Der Corona-Virus hat nun doch Einfluss auf das Sportwochenende – auch im Altkreis Lübbecke. Nachdem zahlreiche internationale Sportereignisse bereits abgesagt oder verlegt worden sind, gibt es nun seitens des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen auch eine klare Handlungsempfehlung für die Basis.

Samstag, 29.02.2020, 13:28 Uhr aktualisiert: 29.02.2020, 13:30 Uhr
Im Normalfall eine Fair-Play-Geste, derzeit aber unerwünscht: Händeschütteln wie hier zwischen Vehlages Trainer Heinrich Dyck (rechts) und Dielingens Coach Carsten Schubert soll an diesem Wochenende möglichst unterlassen werden. Foto: Ingo Notz

Auch vor dem Hintergrund der ersten bestätigten Fälle von mit dem Coronavirus infizierten Menschen in NRW sieht der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) derzeit allerdings keine Veranlassung, den Spielbetrieb beziehungsweise Wettkämpfe in der Leichtathletik für dieses Wochenende abzusagen. Der Verbands-Fußball-Ausschuss und der Verbands-Jugend-Ausschuss empfehlen allerdings, das Handshake-Ritual aktuell auszusetzen, um unnötigen Körperkontakt zu vermeiden. Oberste Priorität hat die Gesundheit der Menschen. Deshalb stehen der FLVW und seine Kreise in engem Kontakt mit den Behörden im Verbandsgebiet. Eine gegründete Task Force wird täglich die Lage verfolgen und die westfälischen Vereine umgehend über weitere Entscheidungen informieren. Bis dahin bittet der FLVW, den Ratschlägen des Robert Koch-Instituts zu folgen: „Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen Husten- und Nies-Etikette, gute Händehygiene sowie Abstand zu Erkrankten (ca. 1 bis 2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuen Coronavirus. Diese Maßnahmen sind auch in Anbetracht der Grippewelle überall und jederzeit angeraten.“

Jetzt haben wir in mehreren Fällen dokumentierte Ansteckungen innerhalb Deutschlands.

Tim Meyer (DFB-Arzt)

DFB-Arzt Tim Meyer hat sich zu dem Thema auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes deutlich positioniert: „Noch bis Mittwochmorgen waren alle in Deutschland bekannten Fälle einer Corona-Infektion irgendwo im Ausland erworben. Niemand hatte sich in Deutschland angesteckt. Man verfolgte folgerichtig die Strategie, diese Personen zu isolieren, um somit zu verhindern, dass sich weitere Personen anstecken. Seit Mittwoch sind wir offenbar in Deutschland nicht mehr in einer lupenreinen “Containment”-Phase, also in einer Phase der Eindämmung. Jetzt haben wir in mehreren Fällen dokumentierte Ansteckungen innerhalb Deutschlands. In einem Fall wird von 300 Personen bei einer Karnevalssitzung berichtet, die potenziell in Kontakt mit dem Erkrankten standen. Meine Hoffnung ist eher gering, dass es uns gelingt, alle Infektionsketten nachzuverfolgen und somit Erkrankte immer rechtzeitig isolieren können.“

Was der Fußball aber aus meiner Sicht leisten sollte, ist, sich zu wappnen und vorzubereiten, damit wir von der Spitze bis an die Basis eventuelle Maßnahmen schnell und kompetent umgesetzt bekommen.

Tim Meyer (DFB-Arzt)

Dabei hält der Mediziner, wie in Italien bereits praktiziert, auch Geisterspiele für eine mögluiche Reaktion auf die drohende Gesundheitsgefahr: „Sicherlich ist dies eine Überlegung, die infrage kommt. Ich glaube aber, dass es sinnvoll ist, dass der Fußball nicht isoliert entscheidet, sondern in Absprache mit den Gesundheitsbehörden. DFB und DFL stehen in engem Austausch mit den zuständigen Institutionen. Entscheidungen über flächendeckende Maßnahmen wie einen Zuschauerausschluss im Profifußball oder Spielabsagen in den Kreisligen müssen die Gesundheitsbehörden treffen, denn dabei sind neben Aspekten der Infektionsvorbeugung auch solche des gesamten öffentlichen Lebens zu berücksichtigen, von dem der Fußball nur einen Teilbereich darstellt. Was der Fußball aber aus meiner Sicht leisten sollte, ist, sich zu wappnen und vorzubereiten, damit wir von der Spitze bis an die Basis eventuelle Maßnahmen schnell und kompetent umgesetzt bekommen.“

Die Vereine sollten möglichst schnell, möglichst lückenlos alle Mitglieder, die Spielerinnen und Spieler, die Trainerinnen und Schiedsrichter, informieren – insbesondere über Maßnahmen zum Infektionsschutz. Und darüber, dass man im Falle von Fieber oder eines Atemwegsinfekts nicht ins Training, sondern zum Arzt gehen sollte.

Tim Meyer (DFB-Arzt)

Weiter erklärt Meyer, warum Sportveranstaltungen durchaus im Fokus der Beobachtung stehen: „Die Zuschauer treten in engen Kontakt, man denke nur an die Stehplätze, wo sich die Fans etwa nach einem Tor der eigenen Mannschaft in die Arme fallen. Die Gefahr einer Übertragung des Virus’ ist dadurch beträchtlich höher, als wenn man einen vernünftigen Abstand hat. Die Problematik ist aber natürlich auch gegeben, wenn man auf dem Weg zur Arbeit in einem enggepackten Straßenbahnwagon steckt.“ Auch eine handlungsempfehlung für Sportler und Vereine gibt Tim Meyer ab: „Jeder sollte sich mindestens fünfmal täglich gründlich die Hände waschen, mit Seife, mindestens 30 Sekunden lang. Alternativ oder zusätzlich kann man auch ein Desinfektionsmittel verwenden. Darüber hinaus sollte insbesondere zu unbekannten Personen, aber auch zu solchen mit Erkältungssymptomen nach Möglichkeit ein Abstand von mindestens einer, besser zwei Armlängen eingehalten werden. Die Vereine sollten möglichst schnell, möglichst lückenlos alle Mitglieder, die Spielerinnen und Spieler, die Trainerinnen und Schiedsrichter, informieren – insbesondere über Maßnahmen zum Infektionsschutz. Und darüber, dass man im Falle von Fieber oder eines Atemwegsinfekts nicht ins Training, sondern zum Arzt gehen sollte.“

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland aktuell als gering bis mäßig eingeschätzt.

Mitteilung des Robert-Koch-Instituts

Das Robert-Koch-Institut rät angesichts der aktuellen Gesamtlage: „Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation. Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland muss gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche sind in Deutschland möglich. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland aktuell als gering bis mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers ist wahrscheinlich. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.“

 

 

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