Harald Nickel stirbt mit 66 – bei Gladbach wurde der gebürtige Espelkamper zum Star
Sternstunde im San Siro

Lübbecke (WB). Er war ein Mann für die besonderen Momente: Harald Nickel schoss Elfmeter aus dem Stand, erzielte 1979 das Tor des Jahres und erreichte 1980 mit ­Borussia Mönchengladbach das ­Finale im UEFA-Pokal. Nun ist der gebürtige Espelkamper, der im Jugendbereich aber vor allem für den FC Lübbecke spielte, im ­Alter von 66 Jahren gestorben.

Dienstag, 06.08.2019, 18:47 Uhr aktualisiert: 06.08.2019, 18:50 Uhr
Bei Gladbach zum Star gereift: Harald Nickel hatte zwischen 1979 und 1981 auf dem Bökelberg seine erfolgreichste Zeit als Fußballprofi. Ein Tor des gebürtigen Espelkampers, der in der Jugend beim FC Lübbecke gespielt hatte, machte sogar internationale Schlagzeilen. Foto: imago

»Wenn er den Ball hatte, war er nicht zu stoppen«, erinnert sich der ehemalige FCL-Vorsitzende Ernst Ober-Entgelmeier (77) noch gut an den jungen Harald Nickel, dessen Talent auf den ersten Blick zu erkennen war: »Technisch und körperlich war er den Anderen immer weit voraus.« Mit Jugendtrainer Walter Hillringhaus, ein gebürtiger Rheinländer, wusste Nickel zudem einen wichtigen Förderer an seiner Seite, der dafür sorgte, dass das ­Talent nicht in der ­Provinz »versauerte«.

Gladbach zahlte 1979 mehr als eine Million Mark für Nickel

Nach der A-Jugend wechselte Nickel zu Arminia Bielefeld, ab 1972 spielte der Stürmer für längere Zeit in Belgien und wurde 1978 bei Standard Lüttich mit 23 Treffern Torschützenkönig. Seine erfolgreichste Zeit hatte er aber in Deutschland: Nach einer starken Bundesliga-Saison 1978/79 für Eintracht Braunschweig (16 Treffer) holte Borussia Mönchengladbach den Torjäger für die Rekordablösesumme von 1,15 Millionen Mark auf den Bökelberg.

Tor des Jahres auf dem Weg ins Uefa-Cup-Finale erzielt

In seiner ersten Saison erreichte Nickel mit den »Fohlen« gleich das Uefa-Pokal-Finale. Auf dem Weg dahin gelangen ihm sieben Tore – darunter ein geschichtsträchtiges im Zweitrunden-Rückspiel bei ­Inter Mailand: Im San-Siro-Stadion überwand er den Torhüter mit einem Schuss aus mehr als 35 Metern zum wichtigen 1:1-Ausgleich. Der »Knaller« wurde 1979 zum Tor des Jahres gewählt.

Er hatte das einfach im Oberschenkel drin.

Ernst Ober-Entgelmeier, früherer Vorsitzender des FC Lübbecke, über die Schussqualität Harald Nickels

»Er hatte das im Oberschenkel drin«, sagt Ernst Ober-Entgelmeier über den Stürmer, der für spektakuläre Aktionen bekannt war. Zu Nickels Spezialitäten gehörten aus dem Stand geschossene Elfmeter. Trotz der Erfolge hob der Kicker nie ab und ließ die Verbindung zur »Basis« nicht abreißen. »Er war sehr heimatverbunden. In seiner Gladbacher Zeit hat er unsere ­Jugendteams regelmäßig ins Stadion eingeladen. Nach der Partie ermöglichte er Treffen mit den Profis – das waren für die jungen Fußballer unvergessliche Momente«, sagt Ober-Entgelmeier, Ehrenmitglied im FC Lübbecke.

In der Gladbacher Zeit reifte Nickel zum Nationalspieler

In 84 Pflichtspielen gelangen Nickel für die Borussen stolze 43 Tore. Das brachte dem Angreifer 1980 die erste Nominierung für die Nationalmannschaft ein. Drei Mal lief das Ass aus dem Altkreis für die DFB-Elf auf. Nach dem Abschied vom Bökelberg 1981 ließ Harald Nickel seine Karriere anschließend beim FC ­Basel ausklingen, schon mit 29 Jahren hörte der erfolgreichste Fußballer aller Zeiten aus dem Altkreis Lübbecke mit dem Sport auf. Zuletzt lebte der ­Ex-Profi im Rheinland.

2018 kam es zum Wiedersehen mit den Teamkollegen aus der B-Jugend

Ober-Entgelmeier traf Nickel im vorigen Jahr im Rahmen einer Fahrt des FC Lübbecke in die französische Partnerstadt Bayeux noch einmal wieder. 51 Jahre nachdem die B-Jugend des Vereins mit ihrer Reise die Städte-Freundschaft erst ins Leben gerufen hatte, kehrten die Kicker dahin zurück. Dass Harald Nickel an der Fahrt teilnahm, war keine große Überraschung. »Er war eben ein bodenständiger Typ«, sagt Ober-Entgelmeier.

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