Bernd Nedderhoff kürt sich beim ersten Ironman-Start gleich zum Deutschen Meister
Großzügige Geste nach dem Triumph

Hamburg/Lübbecke (WB). Eine Premiere mit Paukenschlag: Bernd Nedder­hoff hat seinen ersten Ironman in Hamburg gleich als Deutscher Meister abgeschlossen. Im Laufen machte der 59-Jährige mehr als eine halbe Stunde gut und hatte im Ziel sechs Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten. »Man strebt natürlich immer einen Podestplatz an, aber damit hatte ich so gar nicht gerechnet«, blickt das Läufer-Ass des FC Lübbecke auf den unerwarteten Coup an der Alster zurück.

Dienstag, 06.08.2019, 13:10 Uhr aktualisiert: 06.08.2019, 13:12 Uhr
Abgekämpft, aber happy: Der Lübbecker Bernd Nedderhoff, hier nach der Zielankunft, ist beim Ironman Hamburg auf Anhieb Deutscher Meister in seiner Altersklasse geworden. Foto: WB
Mehr als 2000 Sportler schwammen in der Alster.

Mehr als 2000 Sportler schwammen in der Alster. Foto: dpa

Direkt nach seinem Triumph in der Altersklasse 60-64, für die er bereits startberechtigt war, konnte der 59-Jährige aber erst einmal keine Freudensprünge machen. »Im Ziel ist man wirklich platt. Man braucht schon die eine oder andere Stunde länger als nach einem Marathon, bis es wieder einigermaßen geht. Am liebsten möchte man sich einfach nur hinlegen«, berichtet Nedderhoff, der seinen ersten Ironman in 10:55 Stunden hinter sich gebracht hat.

Zweiter Meister-Titel binnen weniger Monate

Nach seinem Titel im Marathon im Mai in Düsseldorf kürte sich Nedderhoff damit zum zweiten Mal binnen weniger Monate zum Deutschen Meister. Und das, obwohl er in der Vorbereitung eine unfreiwillige Trainingspause hatte einlegen müssen. »Drei Wochen musste ich mit einer Wadenzerrung kürzertreten«, berichtet Nedderhoff, der aber rechtzeitig fit wurde. Die Premiere konnte steigen. »Ich habe vor zehn Jahren mit Triathlon angefangen. Ehe ich in ein neues Lebensjahrzehnt eintrete, wollte ich noch meinen ersten Ironman absolviert haben«, sagt Nedderhoff, der Ende des Jahres seinen 60. Geburtstag feiert.

Dass man auch in diesem Alter zu körperlichen Höchstleistungen fähig ist, konnte der Lübbecker in Hamburg eindrucksvoll unter Beweis stellen. Das Rennen forderte den 2500 Teilnehmern alles ab. Die Schwimmstrecke (3,8 Kilometer) führte die Triathleten in der Alster unter der Lombardsbrücke her. Die Radstrecke (183km) war sogar drei Kilometer länger als für einen Ironman üblich ist. »Der Kurs war sehr windanfällig. Das ist nicht so meins, weil ich weniger auf Kraft als auf Frequenz fahre. Da habe ich im Schnitt fünf km/h verloren«, erklärt Nedder­hoff, der wie alle Aktiven unter der Hitze litt. »Bei 30 Grad war man auf der Strecke der Sonne ausgesetzt. Das war schon grenzwertig.«

Marathon fühlt sich anders an als gewohnt

Dank der monatelangen Vorbereitung war Nedderhoff dem Belastungstest gewachsen. Bei der Jagd nach einem Podestplatz verfiel der Routinier zudem nicht in Hektik. »Ich bin alle Wechsel ruhig angegangen. Wenn man insgesamt zehn, elf Stunden unterwegs ist, kommt es ja auf eine Minute nicht an«, findet er. Zumal der 59-Jährige zum Abschluss mit dem Laufen eine Trumpfkarte in der Hinterhand hatte. Allerdings fühlten sich die 42,2 Kilometer für den Marathon-Spezialisten diesmal anders an als sonst. Schließlich hatte der Körper zu dem Zeitpunkt bereits sieben Stunden Schwerstarbeit hinter sich. »Normalerweise kann ich einen Marathon auf die Minute einschätzen, diesmal nicht.«

Dennoch lief Nedderhoff in seiner Altersklasse in einer eigenen Liga. Obwohl seine Düsseldorfer Titel-Zeit (2:49 Stunden) in 3:25 Stunden weit entfernt war, reichte es, um den lange Führenden auf der Strecke abzufangen und in der Gesamtzeit von 10:55 Stunden als Sieger über die Ziellinie zu laufen. Eine überragende Ironman-Premiere!

Generös: Paul Gauselmann übernimmt die Startgebühr

Hilfreich: Bei seiner »Mission Ironman« war Nedderhoff von Paul Gauselmann unterstützt worden. Der Unternehmer übernahm neben den Hotelkosten auch die üppige Startgebühr in Höhe von 600 Euro. Der Läufer des FC Lübbecke »zahlte« derweil mit Leistung zurück und kann nun ruhigen Gewissens den entspannten Saisonteil einläuten: »Es sind nur noch einige kleinere Starts geplant«, sagt Nedderhoff, der kurz nach seinem 60. Geburtstag Ende des Jahres in die Sonne fliegt. »Und es wird diesmal kein Sporturlaub«, ergänzt er lachend.

Mein Hawaii-Ticket habe ich dem Zweitplatzierten in meiner Altersklasse gegeben. Die WM würde nicht mehr in meine Saisonplanung passen. Und es war sein großer Traum, wie er mir vorher gesagt hatte.

Bernd Nedderhoff über seine Geste nach dem Sieg

Dabei hätte er, wenn er gewollt hätte, sogar noch ein weiteres Sport-Highlight erleben können. Der Grund: Für seinen DM-Sieg in der Altersklasse wurde Nedderhoff mit einer »Wild Card« für den Hawaii Ironman Anfang Oktober ausgestattet. Doch diese Reise wird er auslassen. »Das wäre ein größeres Projekt, das man nicht so nebenbei stemmen kann«, so Nedder­hoff, der das begehrte Hawaii-Ticket stattdessen dem Zweitplatzierten überließ. »Das war sein großer Traum, er hat sich riesig gefreut«, sagt der Lübbecker.

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