Fußball: Zweitliga-Profi Max Wegner kämpft in Lübbecker Heimat um sein Comeback »Ich will wieder ins Stadion einlaufen!«

Lübbecke (WB). Hier ist sein Stern aufgegangen, hier will er die ersten Schritte zurück in den Fußballer-Himmel machen: Zweitliga-Profi Max Wegner kämpft in seiner Lübbecker Heimat um die Rückkehr in das Profi-Geschäft. Statt durch gegnerische Abwehrreihen kämpft sich der Stürmer hier nach seiner schon vierten Knieoperation durch die Reha.

Von Ingo Notz und Linus Brüggemann
Max Wegner arbeitet in Lübbecke für sein Comeback als Fußball-Profi.
Max Wegner arbeitet in Lübbecke für sein Comeback als Fußball-Profi. Foto: Ingo Notz

Public-Viewing des EM-Finals in der Lübbecker Innenstadt statt Trainingslager: Anfang vergangener Woche ist der 27-Jährige in Halle an der Saale operiert worden: wieder eine Knie-Verletzung, wieder eine unfreiwillige Auszeit, nachdem er bereits zu Beginn der Vorsaison wegen Meniskus-Problemen unters Messer musste. »Da habe ich nach drei Wochen aber schon wieder gespielt«, erinnert sich Max Wegner – und würde auch jetzt gerne schnell wieder ins Training des Zweitligisten einsteigen. Diesmal aber wird er länger darauf warten müssen. Mindestens die Hinrunde der neuen Saison dürfte für ihn gelaufen sein. Glück im Unglück: Der Knorpelschaden im linken Knie hatte »nur« eine Größe von fünf Millimetern und wurde per Arthroskopie versorgt. »Das Knie braucht jetzt seine Zeit«, weiß Wegner, dass er Geduld aufbringen muss und der Weg zurück nicht einfach wird. Das kennt der Lübbecker aus seinen mittlerweile acht Profi-Jahren aber schon, die ihn über Wilhelmshaven und Werder Bremen im vergangenen Sommer nach Aue geführt haben, nachdem er auch in Würzburg ein Probetraining absolviert hatte. »In Aue hatte ich die meiste Wertschätzung vom Trainer, dort ist es ziemlich familiär und total herzlich«, begründet der Lübbecker die Beweggründe, erstmals weit aus der Heimat wegzuziehen, nachdem die vorherigen Stationen Bielefeld, Hannover in der Jugend und Bremen oder Wilhelmshaven noch relativ nah an seinem Heimatort liegen. In Aue fühlt er sich aber dennoch heimisch: »Natürlich klingt das nach einer Floskel, aber wir haben wirklich einen tollen Zusammenhalt in der Truppe, was sich auf die Leistungen auswirkt«, berichtet der 27-Jährige von einem neuen Teamgefühl seit seinem Wechsel im vergangenen Sommer. »Bei Werder Bremen hatte ich auch eine tolle Zeit. Aber es nicht zu vergleichen, da es bei den Amateuren für die einzelnen Spieler darum geht, in den Profikader zu rutschen«, erzählt Wegner von seinen vier Jahren an der Weser. Während dieser Zeit machte Wegner trotz zahlreicher Verletzungen mit starken Torquoten und der Entwicklung zum Führungsspieler auf sich aufmerksam und erkämpfte sich in zwei Spielen einen Platz im Bundesligakader (2013/14). Zu einem Einsatz kam der Stürmer nicht und nach dem Aufstieg in die Dritte Liga wurde sein Vertrag nicht verlängert. Dann kam Aue – und spätestens seit Wegners Siegtor gegen Eintracht Frankfurt und dem damit verbundenen Achtelfinaleinzug im DFB-Pokals ist der Lübbecker auch bundesligaerfahrenen Verteidigern bekannt. »Nach einer Viertelstunde auf dem Platz habe ich gemerkt, dass etwas drin ist. Dass mir das Tor geglückt ist – ein unfassbarer Moment«, blickt der 27-Jährige auf seinen Husarenstreich gegen das Innenverteidiger Dou Zambrano/Russ zurück. Das Siegtor war der Start einer 16 Spiele lang anhaltenden Siegesserie seiner Mannschaft, in die sich Wegner nun wieder zurückkämpfen will. Das Gefühl von Konkurrenz und Druck ist dem Lübbecker nicht fremd: »Fußball bleibt ein Tagesgeschäft. Der Trainer will immer das Optimum aus dem Kader holen, also gilt es sich Woche für Woche neu zu beweisen«, berichtet Wegner von den mentalen Anforderungen aus seinem Profi-Alltag. »Für mich ist es wichtig, mir nicht selber zu viel Druck aufzuerlegen. Das habe ich früher gemacht, aber mit Verbissenheit kannst du nicht dein Maximum herausholen«, weiß er, dass er letztlich an Toren gemessen wird. Auch wenn Wegner, der als kleiner Junge von einem guten Freund zum Training vom FC Lübbecke mitgenommen wurde, mehr ist als ein typischer »Neuner«.

Aktuell lautet das Maximum zehn. Mit zehn Prozent darf er sein linkes Knie belasten. »Es heißt jetzt sechs Wochen Ruhe für das Bein, dann geht die zweite Phase Reha los. Eine Zeit, in der ich körperlich an meine Grenzen gehen werde. In der Rückrunde könnte ich auf Arminia und Hannover treffen, das sind Konstellationen, die mich pushen«, freut sich Wegner auf seine erste Spielzeit mit Live-TV-Spielen. Ehemalige Mitspieler aus der Jugendzeit im Altkreis Lübbecke wie Manuel Kottmeier (VfL Holsen), Mithat Kirmaci (SC Herford) oder Christoph Kuhlmann (zuletzt Trainer beim SV Schnathorst) werden dann vor dem TV mitfiebern. »Für mich ist es wichtig, meine Familie und Freunde zu sehen, aber auch in Aue fühle ich mich sehr wohl. Die Atmosphäre bei einem Derby nicht zu beschreiben«, erinnert sich Wegner an die Duelle mit Dynamo Dresden, wo der Ex-Espelkamper Aias Aosman unter Vertrag steht. Wie Aosman ist auch Wegner für heutige Verhältnisse spät gefördert worden: »Bis zu den B-Junioren habe ich in der Kreisliga gespielt, die meisten Spieler im Profi-Bereich haben eine intensivere Ausbildung genossen.« Der Wille, nach einer vierten schweren Verletzung zurückzukommen, der ist jedoch bei keinem Bundesligisten zu erlernen. Ein innerer Antrieb, eine große Freude am Fußball und das richtige Umfeld sowie treue Fans, die Wegner auch über eine eigene Facebook-Fanpage folgen können, scheinen die Komponenten zu sein, die für die positive Einstellung verantwortlich sind. »Ich will doch am Wochenende wieder in der Kabine auf meinem Platz sitzen, mich umziehen und ins Stadion einlaufen – das war schon vor zehn Jahren in der Jugend mein Ziel«, peilt der Zweitliga-Stürmer sein nächstes Comeback an. Mindestens drei Jahre will er noch als Profi auf dem aktuellen Niveau Geld verdienen: »Ich hoffe, dass ich solange noch in der Zweiten Bundesliga spielen kann«. Nach seiner Karriere kann er sich auch eine Rückkehr in die ostwestfälische Heimat gut vorstellen – und Einblicke in Berufe abseits des Fußballer-Daseins hat er auch schon gewonnen: »Vielleicht werde ich ja auch Physiotherapeut«, flachst der Lübbecker, »Knieproblemen könnte ich jedenfalls schon behandeln...«

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