Finn Holsing vor dem heutigen Gastspiel von Fußball-Zweitligist DSC Arminia Bielefeld in Blasheim im Interview Eine innige Verbindung

Lübbecke (WB). Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld bestreitet heute gegen den BSC Blasheim das erste Testspiel der neuen Saison (Anstoß: 18.30 Uhr). Linus Brüggemann sprach mit Finn Holsing, der bei beiden Vereinen aktiv ist. Aktuell fungiert er als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim DSC und ist mitverantwortlich für die erfolgreiche Umsetzung eines Traumes für seinen Heimatverein.

Wie ist es zu diesem Testspiel gekommen?

Finn Holsing: Als der Wechsel von Norbert Meier nach Darmstadt noch nicht fix war, hatten wir über ein Testspiel gesprochen, in dem die Spieler zum Auftakt noch nicht an ihre Grenzen gehen müssen. Ich habe dann spontan den BSC Blasheim vorgeschlagen und es hat zum Glück geklappt.

Sie sind seit 2012 wieder bei der Arminia tätig, wie ist es dazu gekommen?

Holsing: 2009 habe ich mein letztes Pflichtspiel für RW Essen bestritten, zuvor stand ich zwei Jahre bei Werder Bremen unter Vertrag. 2011 konnte ich während eines Praktikums beim SV Werder Einblicke in die verschiedenen Aufgabenbereiche eines Vereins gewinnen. Vor allem die Arbeit rund um den Jugendbereich hat mich interessiert. 2012 sprach mich der damalige DSC-Geschäftsführer Marcus Uhlig an – ich habe dann gemeinsam mit Thilo Versick, der ja von Maaslingen kommend in Bielefeld gespielt hat, das Marketing-Projekt „Wir sind Ostwestfalen“ für Arminia angekurbelt. Vor zwei Jahren wurde ich dann gefragt, ob ich die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums übernehmen will.

Da mussten Sie nicht lange überlegen?

Holsing: Nicht wirklich. Ich habe bereits einige Jahre in der Jugend bei Arminia gespielt und immer einen Bezug zu diesem Verein gehabt. Umso schöner, dass ich ihm bei seiner Entwicklung helfen kann. Ich bin nicht der Einzige, der ihm nahesteht, daher ist bei uns die Stimmung positiv.

Was ist unter der Entwicklung zu verstehen und wie sieht Ihre Aufgabe aus?

Holsing: Das hängt immer von den unterschiedlichen Saisonphasen ab – natürlich gibt es wiederkehrende Aufgaben, vor allem den intensive Austausch mit den Mitarbeitern ist sehr wichtig. Aber auch für die Spieler muss ein offenes Ohr da sein, besonders in der A- und B-Jugend gibt es fast täglich Gesprächsbedarf. Das ist immerhin die entscheidende Phase vor dem Sprung zu den Senioren. Unsere Aufgabe ist es, gute Bedingungen für die Jungs zu schaffen, sie zu unterstützen. Dazu gehören auch Rückmeldungen über die aktuelle Situation oder perspektivbezogene Gespräche.

Wie fällt Ihr Fazit nach dieser Saison aus?

Holsing: Mein Fokus liegt natürlich auf dem Jugendbereich. Dort haben wir mit der U-19 den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft, was ein primäres Ziel war. Die U-17 hat sich in der Bundesliga etabliert, die U-15 spielt eine gute Rolle in der Regionalliga als höchste Spielklasse.

Sie haben drei Bundesliga-Spiele und 29 Partien in der 2. Liga absolviert. Wie blicken Sie auf die Zeit beim DSC?

Holsing: Das waren tolle Jahre. In der Jugend konnte man sich mit diversen Teams auf einem hohen Niveau messen, was lehrreich und prägend ist. Mein erstes Seniorenjahr war die Zeit der Akklimatisierung. Das Tempo, die Anforderungen, die Kommunikation – alles ändert sich. Im zweiten Jahr bei den Amateuren sind wir dann sensationell in die Regionalliga aufgestiegen und Uwe Rapolder wurde als damaliger Cheftrainer der Profis auf mich aufmerksam. Ich war dann fester Bestandteil des Profiteams und kam auf ein paar Einsätze in der Bundesliga, dann folgte der Wechsel zu Eintracht Braunschweig.

Erinnern Sie sich an die harte Zeit der Vorbereitungen?

Holsing: Ich habe auf jeden Fall einige davon mitgemacht, aber vielleicht vieles verdrängt (lacht). Vor allem in den ersten Seniorenjahren war die Belastung sehr hoch. Ich bin dann erst zum Trainingslager der Amateure und von da aus direkt weiter zu den Profis.

Was erwarten Sie vom heutigen Spiel?

Holsing: Es ist das erste Spiel für die Profis, mit Rüdiger Rehm ist ein neuer Trainer da – dann eine Begegnung mit meinen Heimatverein. Das sind tolle Voraussetzungen, ohne dass es dabei um Punkte geht. Ich hoffe, dass sich auf beiden Seiten niemand verletzt und die Jungs vom BSC das Spiel genießen können.

Sie waren mal Teil eines ähnlichen Duells – unter anderen Voraussetzungen…

Holsing: Bei einer der ersten Auflagen des Freeway-Cups traf ich mit dem DSC auf die Mühlenkreisauswahl. Da kannte ich natürlich die ganze Mannschaft. Das ist eine schöne Erinnerung - jetzt freue ich mich darauf, mir das Spiel von draußen anzuschauen.

Heute trifft eine etablierte Profimannschaft auf ein Team aus der Kreisliga A. Wo liegen die größten Unterschiede?

Holsing: Das werden wir sicherlich am Freitag sehen. Auch für die Blasheimer Spieler wird das spannend, weil jeder seine Leistungsgrenze erleben wird und einige von ihnen auch Anhänger des DSC sind. Was mich besonders freut, ist das große Engagement der Blasheimer Leute, die viel Zeit dafür investiert haben, um tolle Bedingungen zu schaffen. Vielleicht gelingt dem BSC ja ein Tor.

Ein kurzer Blick auf die kommende Saison – gibt es bestimmte Erwartungen?

Holsing: Beim DSC wollen wir unsere Strukturen und Rahmenbedingungen weiter verbessern. Die erste Mannschaft macht einen sehr stabilen Eindruck und unser Sportlicher Leiter Samir Arabi arbeitet zielstrebig – ich bin optimistisch, dass wir eine ähnlich erfolgreiche Saison hinlegen können. Beim BSC Blasheim hoffe ich darauf, dass die positive Entwicklung unter Sebastian Numrich anhält. Zudem würde ich mich freuen, wenn in beiden Vereinen die familiäre Atmosphäre aufrecht erhalten werden kann.

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