Serie Sportgeschichte(n), Folge 2: 100 Jahre Fußballverein in Oberbauerschaft
Trainingsball aus Lumpen

Oberbauerschaft (WB). Nach dem Ersten Weltkrieg gründeten sich in der Region die ersten Fußballvereine, so auch bereits 1920 in Oberbauerschaft. Die Geburtsstunde des ersten Fußballvereins in Oberbauerschaft jährt sich in diesen Tagen zum 100. Mal.

Donnerstag, 21.05.2020, 00:00 Uhr

Rückkehrer aus englischer Kriegsgefangenschaft brachten ihre Erfahrungen im

WB-Serie: Sportgeschichte(n)

„Weißt Du noch?“: Gerade im Sport leben die Erinnerungen an große Ereignisse der heimischen Vereine und Einzelsportler immer wieder auf. Grund genug, sich in der neuen WESTFALEN-BLATT-Serie diesen besonderen Stücken „Sportgeschichte(n)“ zu widmen und sie mit einem Blick in die Vergangenheit wieder in die Gegenwart zu holen. Bisher ist eine Folge erschienen:

100 Jahre vereinter Fußball in Preußisch Oldendorf

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Fußballspielen aus England, dem so genannten Mutterland des Fußballs, mit in ihre Heimat. Viele Vereine in der Region wurden in dieser Zeit gegründet und haben teilweise auch 1920-er Jahreszahlen als Bestandteil ihres Vereinsnamens, so beispielsweise SuS Holzhausen 1920, BV Stift Quernheim 1921, aber auch OTSV Pr. Oldendorf, um nur einige zu nennen.

Mittlerweile existieren keine Protokollbücher oder ältere Unterlagen mehr, so dass sich die Historie größtenteils aufgrund von niedergeschriebenen Zeitzeugenberichten sowie Zeitungsartikeln im Zusammenhang mit Veranstaltungen und Jubiläen nachvollziehen lässt. Insofern werden Lücken in der Geschichte „100 Jahre Fußball in Oberbauerschaft“ bleiben.

Sorgen um die Buben

Es waren insbesondere Heinrich Althoff und Heinrich Borchard, die nach ihrer Rückkehr in die Heimat die Jugendlichen aus Niedringhausen und Umgebung für den Fußball begeisterten, und so kam es 1920 in der Gaststätte Sölter (Horst’s Höhe) mit 31 Fußballfreunden zur Gründung des ersten Fußballvereins in Ober­bauerschaft. Dieser trug den Namen „FC Eggetal Niedringhausen“.

Bei den Eltern und Einwohnern kam das Interesse der Jugend­lichen am runden Leder nicht gut an. Man vermutete, dass die „Jungs“ auf die schiefe Bahn geraten könnten. So trafen diese sich oftmals auch heimlich zum Spielen. Die Platzsuche für Training und Spiel gestaltete sich ebenfalls schwierig und man stieß nicht immer auf Zustimmung.

Erster Vorsitzender wurde der Schneidermeister Fritz Oevermann, Heinrich Niemeyer war Schiedsrichter. Trainiert wurde die Mannschaft von Heinrich Borchard. Die ersten Trainingseinheiten fanden in der Wiese von Niedermeier (heute Buchenweg, oberhalb des ehemaligen Berghotels) statt. Dort standen auch die aus Latten zusammengenagelten Tore. Das erste Spiel fand in Gehlenbeck statt. Es war wohl seinerzeit so üblich, dass die Gastmannschaft den Spielball mitzubringen hatte. Dieser wurde eigens für dieses Spiel von Hugo Becker (Lüb­becke) aus Bielefeld geholt.

Feiern auf Horst’s Höhe

Trainiert wurde anfangs mit zusammengewickelten Lumpen, diese „runden Dinger“ wurden mit „Holschen“ gespielt. Für die Spiele wurden Lederriemen unter ausrangierte Alltagsschuhe genäht. Die ersten Spieler des Vereins waren Heinrich Althoff (Torwart) sowie Wilhelm Steinkamp, Fritz Eimertenbrink, Heinrich Becker, Fritz Niedringhaus, Willi Bökenkröger, Rudolf Keller, Heinrich Borchard, Fritz Klostermann, Ernst Füller und Karl Becker.

Im Winter 1920/21 führten die Fußballer aus Niedringhausen – um die Vereinskasse aufzubessern – nebenbei im Saal bei Sölters auf Horst’s Höhe Theaterspiele auf. 1921 fand das erste „Heimspiel“ in Ostermeiers Wiese statt. Weitere Spiele fanden dann in der Wiese von Stallmann hinter Wölker, östlich des heutigen Niedringhau­sener Friedhofes, statt.

Das erste Sportfest mit Musik und Tanz ging am 24. April 1921 im Zelt bei Sölter auf Horst’s Höhe über die Bühne. In diesem Jahr gründete sich auch in Beendorf ein Fußballverein, dieser spielte in einer Wiese von Meyer zu Kniendorf und trug den Namen „Blaue Veilchen“. Vorsitzender war Hans Schulz. Auch ein Fußballverband „Ravensberg“ wurde in diesem Jahr gegründet. Beide Vereine traten diesem bei. Die Gaststätte Sölter auf Horst’s Höhe war in dieser Zeit nicht nur Gründungs- und Vereinslokal des Sportvereins, sondern auch ein bekanntes und beliebtes Ausflugslokal.

Inflation stoppt Fußball

Schon 1923 kam der Fußballsport durch die Inflation zum Erliegen, insbesondere konnte die Pacht für die Sportplätze nicht mehr aufgebracht werden. Der Fußball ruhte, bis es 1926/27 so langsam wieder mit Freizeitbeschäftigungen losging und der FC Eggetal ab diesem Zeitpunkt im abgeholzten Busch, dem späteren Sportplatz am „Katzenbusch“, wieder trainierte und spielte. Das gesellige Vereinsleben von 1920/21 ruhte jedoch weiterhin

Gründung des SV Eggetal

Im Jahr 1930 kam es zur Gründung des Fußballvereins „SV Eggetal Oberbauerschaft“. Fußballfreunde aus der Gemeinde Oberbauerschaft kamen hierzu in der Gastwirtschaft Stallmann/Eversmeyer zusammen. Vorsitzender wurde Friedrich Eimertenbrink. Als Fußballplatz konnte ab 1931 die Wiese von Feesmeyer am „Katzenbusch“, wo schon in den 1920-er Jahren Fußball gespielt worden war, angepachtet werden.

Als Vereinsfarben wurden „Blau“ und „Weiß“ gewählt. Die Fußballspiele fanden mit reger Zuschauerbeteiligung statt, auch die bereits 1927 gegründete Dorfkapelle trug bei Partien am Rande zur Unterhaltung bei. Leider währte auch diese Euphorie nur neun Jahre, bis der Fußballsport in den Wirren des Zweiten Weltkrieges erneut zum Erliegen kam.

Die erste Mitgliederversammlung nach dem Krieg fand am 15. August 1945 statt, und es begann so langsam wieder der Trainings- und Spielbetrieb. Ab sofort wurden auch wieder regelmäßige Sportfeste gefeiert.

Seit den 1970-er Jahren, mit dem Ausbau des Schulgeländes der neuen Volksschule – der heutigen Grundschule – und dem Aufbau weiterer und vielfältiger Sportarten, findet der Trainings- und Spielbetrieb schwerpunktmäßig im Zentrum von Beendorf statt. Der Sportplatz am Katzenbusch wird inzwischen als Bogensportgelände genutzt, auf dem auch nationale Wettkämpfe stattfinden.

Seit 1992 zwei Vereine

Der Werdegang des Sportvereins, seine sportlichen Angebote und Anekdoten sowie das sport­liche Leben in Oberbauerschaft insgesamt würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Seit 1992 ist auch der „SV Eggetal Oberbauerschaft“ des Jahres 1930 Geschichte. Denn in dieser Zeit spaltete sich die sportliche Einwohnerschaft. Ein Teil trat zum „SV Hüllhorst-Oberbauerschaft 1920/24“ über, der andere Teil gründete 1993 den „SV Blau-Weiß Oberbauerschaft 1920/93“.

So leben die historischen Anfänge von 1920 und die Vereinsfarben „Blau“ und „Weiß“ auch in der Zukunft weiter. Die Feierlichkeiten „100 Jahre Fußball in Oberbauerschaft, die für Mitte Juni als Rahmen für den 10. BWO-Beach-Soccer-Cup geplant waren, sind wegen der Corona-Pandemie zwar gestrichen. Aber wer die Ober­bauerschafter kennt, weiß sicherlich, dass man im Dorf auch durchaus 101 Jahre feiern kann.

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