Fußball-Bezirksliga: SC Vehlages Trainer tritt zurück
Der Vorgänger wird der Nachfolger

VehlageVehlage -

Die Gerüchte überschlagen sich seit Tagen. Von einem weitgehenden Zerfall des Fußball-Bezirksligisten SC Blau Weiß Vehlage war immer wieder zu hören. Jetzt schafft der Bezirksligist Fakten und fängt damit auf der Trainerposition an: Ernie Joerend gibt sein Amt zum Saisonende auf. Der Neue ist der Alte: Heinrich Dyck kehrt als Nachfolger seines Nachfolgers Joerend auf den Trainerstuhl zurück.

Montag, 01.03.2021, 19:17 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 19:48 Uhr
Heinrich Dyck wird ab Sommer wieder Trainer beim SC Blau Weiß Vehlage. Foto: Ingo Notz

Personalwechsel beim stark abstiegsgefährdeten Tabellen-13. der Bezirksliga: Der noch amtierende Trainer Ernie Joerend hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Der erfolgt allerdings „erst“ im Sommer beziehungsweise nach Beendigung der derzeit unterbrochenen Spielzeit. Bereits zu Beginn der Saison hatte der als Nachfolger von Heinrich Dyck gekommene und zuvor im Winter bei der JSG Mittwald ausgeschiedene Joerend wegen Erkrankungen teilweise gefehlt. Dann kam die Corona bedingte Unterbrechung der Serie, aber auch in der Fußballpause hat sich der gesundheitliche Zustand beim Trainer-Routinier aus Bad Holzhausen nicht gebessert, so dass Joerend nun die Reißleine gezogen hat.

„Ich hab das jetzt 35 Jahre als Trainer gemacht, jetzt will ich nicht mehr. Wenn es so um die Gesundheit geht, dann sollte man schon genau überlegen, was wichtig ist. Auf ärztlichen Rat und nach Rücksprache mit meiner Familie höre ich auf. Ich werde im Sommer zum ersten Mal Opa und will auch noch etwas von meinem Enkel haben.“ Sofort hinwerfen will Joerend aber nicht, er hofft, dass er seine Mannschaft als Bezirksligist an seinen Nachfolger übergeben kann: „Wir haben die Serie zusammen angefangen und wir ziehen sie auch zusammen durch. Ich wollte dem Verein auch Zeit geben, einen Nachfolger zu finden.“

Natürlich ist es für mich eine Herzenssache!

SC Vehlages Fußball-Obmann und künftiger Trainer Heinrich Dyck

Das ist am Wochenende nun gelungen. Die Blau-Weißen setzen auf eine interne Lösung: Im Sommer übernimmt erneut Heinrich Dyck zusammen mit Thorsten Korejtek das Traineramt im Vehlager Wäldchen und wird zum Nachfolger seines eigenen Nachfolgers. „Ich wurde völlig überrascht“, meinte Heinrich Dyck, der auch Fußball-Obmann des SC ist, zu der neuen Entwicklung. Für ihn sei es „Ehrensache“, seinem Verein zur Verfügung zu stehen: „Ich habe hier nicht umsonst neun Jahre voll reingehauen. Das kaputt gehen zu lassen, das ist nicht mein Ding. Irgendwann werden sie mich hier wohl mit dem Rollstuhl vom Platz fahren müssen“, unterstreicht Dyck seine Verbundenheit zu den Blau-Weißen, die er mit Hilfe vieler alter Weggefährten vor allem aus seinem früheren Verein FC Preußen Espelkamp aus der untersten Kreisliga bis in die Bezirksliga geführt hat: „Natürlich ist es für mich eine Herzenssache!“

Mir ist die Entscheidung sehr leicht gefallen, da ich beim TuS Bruchmühlen die Chance sehe, mich als junger Spieler in Ruhe weiterentwickeln zu können.

Phil Joerend (scheidender Kapitän des SC Vehlage)

Die rund um den Verein explodierenden Gerüchte der jüngeren Vergangenheit betrafen aber nicht nur den Trainer. Auch ein Zerfall der Mannschaft wurde immer wieder thematisiert. Klar ist: René Budde (TuS Levern), Giovanni Ronzetti (TuS Dielingen), Sevkan Beyhan, Elias Dück und Matthias Ewert (alle FC Preußen Espelkamp II) hatten schon ihre Abgänge erklärt, weitere sollen schon fix, aber noch nicht öffentlich bekannt sein. Parallel zum Rücktritt von Trainer Joerend haben auch seine zwei älteren Söhne ihren Wechsel bekannt gegeben: Kevin und Phil Joerend sind bereits beim Landesligisten TuS Bruchmühlen vorgestellt worden. Kevin Joerend sieht im Sommer erstmals Vaterfreuden entgegen, ein Grund, warum er den nahe liegenden Weg zurück zu seinem Ex-Verein einschlägt: „Der Aufwand ist mir zu hoch. Ich wohne nur fünf Minuten von der Fichten-Arena entfernt und kenne den TuS noch von früher. Ob wir in der Bezirks- oder Landesliga starten, spielt für mich keine Rolle.“ Ähnlich sieht es Phil Joerend: „Mir ist die Entscheidung sehr leicht gefallen, da ich beim TuS Bruchmühlen die Chance sehe, mich als junger Spieler in Ruhe weiterentwickeln zu können. Ich habe für beide Ligen zugesagt, würde mich natürlich auch freuen, in der Landesliga spielen zu dürfen.“

In Bruchmühlen sollen die beiden Joerend-Brüder Teil des Neuaufbaus in der Landesliga werden. „Kevin und Phil sind beide sehr ehrgeizig und in der Defensive auf jeder Position einsetzbar. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie auch Landesliga spielen können“, vertraut Bruchmühlens neuer Sportlicher Leiter, Torwart-Routinier Robin Rentz übt nun eine Doppelrolle aus, auf die Holzhausener. Zwölf Abgängen stehen beim TuS bisher 21 Neuzugänge gegenüber. Damit wartet hinterm Berg ein größerer Konkurrenzkampf als in Vehlage auf die Joerend-Brüder. Auch wegen der Kadergröße war ein Wechsel des jüngsten Joerend-Bruders Marlon diesmal noch kein Thema. Ob der in Vehlage bleibt, ist ähnlich unsicher wie viele andere Personalien.

Wenn Du einen so großen Umbruch hattest wie wir im Sommer, dann läufst Du auch immer Gefahr, dass nicht alles klappt.

Miguel Matos Ferreira (Geschäftsführer SC Blau Weiß Vehlage)

Geschäftsführer Miguel Matos Ferreira hat Verständnis für den Rückzug von Ernie Joerend: „Wenn Du einen so großen Umbruch hattest wie wir im Sommer, dann läufst Du auch immer Gefahr, dass nicht alles klappt. Wir haben sicher nicht alles richtig gemacht, aber wir haben auch keinen Hauptsponsor, der uns unter Druck setzt, dass wir Bezirksliga spielen müssen. Wenn es eine Etage runter geht, dann ist das so. Ernie war praktisch jeden Tag 24 Stunden mit der Mannschaft beschäftigt, jetzt geht es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, damit ist nicht zu spaßen. Heinrich und Thorsten machen ab Sommer als Trainerteam weiter. Das ist nicht nur die einfachste, sondern auch die für uns beste Lösung! Für uns ist es ein großes Glück, dass sich Heinrich dazu bereit erklärt hat.“ Nachdem die wichtigste Personalie nun geklärt ist, wollen sich die Vehlager darum bemühen, auch für die nächste Saison einen Bezirksliga tauglichen Kader zu präsentieren und damit die Gerüchte widerlegen, die dem Bezirksligisten im Sommer einen personellen Zerfall vorhergesagt haben. „Es sind schon die ersten Gespräche gelaufen, weitere werden folgen. Wir wollen einen guten Mix schaffen. Heinrich hat natürlich auch ein super Netzwerk, vielleicht können wir einige Spieler reaktivieren. Bei uns könnte man immerhin Bezirksliga spielen, vielleicht überlegt sich das der Eine oder Andere ja noch einmal, wir suchen jetzt die Gespräche! Es ist heutzutage ja leider so, dass viele Spieler nur noch soviel Geld verdienen wollen wie möglich. Da sind wir natürlich nicht konkurrenzfähig. Wir wollen zurück zu den Wurzeln: Wir haben hier eine tolle Kameradschaft zu bieten und hoffen, dass wir auch in der neuen Saison noch Bezirksligist sind.“

 

 

 

 

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