Radsport
Adrenalin-Attacke auf deutsche Spitze

Fiestel -

Angst? Kennt sie nicht. Radsporttalent Emily-Marie Koch aus Fiestel hat einen Traum und will 2021 richtig angreifen. Für ihren großen Traum, es mittelfristig in die deutsche Nationalmannschaft zu schaffen, hat die 14-Jährige jetzt einen großen Schritt riskiert. Seit wenigen Wochen lebt und trainiert die Fiestelerin im Sport-Internat in Schwerin – und will dort die Basis für eine große Radsportkarriere legen.

Montag, 04.01.2021, 09:45 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 09:50 Uhr
Geht mutig ihren Weg: Emily-Marie Koch muss in Schwerin auf die Unterstützung von Familienhund Lotta verzichten.

 

 

 

 

 

 

In einem Jahr, in dem eine weltweite Pandemie vielen Sportlern und auch Emily Koch einige Striche durch die Rechnungen gemacht hat, steht aber auch fest: Ohne Corona wäre es zu diesem Schritt ins Sport-Internat vielleicht gar nicht gekommen…

In diesem Jahr wollte Emily Koch schon groß durchstarten und sich nach guten Ergebnissen bei ihren ersten Starts auf der Bahn in der Wintersaison bei den NRW-Landesmeisterschaften beweisen. Dann kam im Frühjahr alles anders als geplant – und nach den ersten Rennabsagen wegen der Corona-Einschränkungen plante Familie Koch kurzerhand um. Weil es im näheren Umfeld nach dem ersten Lockdown auch in der Folge mehr Rennabsagen als tatsächlich gestartete Rennen gab, erweiterte die Familie ihren Radius – und wurde schließlich vor allem im Nordosten Deutschlands fündig. Damit sich die Reise zu den Rennen nach Mecklenburg-Vorpommern auch gelohnt hat, startete Emily-Marie Koch, ihr Bruder Timothy-Sean und Vater Dennis bei allen möglichen Rennen des Wochenendes. Am Samstag feierte „Emmy“ dabei bereits ihre ersten Erfolgserlebnisse und mischte auch im Vergleich mit den Jungen gut mit. In den quantitativ schwach besetzten Mädchenklassen stach sie so auf Anhieb heraus und weckte so gleich das Interesse der örtlichen Trainer. „Nachdem Emmy am Sonntag dann auch noch Tagesbeste wurde und dabei richtig gute Fahrerinnen abgezogen hat“, wie nicht ihr Vater Dennis Koch stolz bemerkte, hatte sie auch das Interesse des Landestrainers Andre Quaiser und des Geschäftsstellenleiters des Landesverbandes, Uwe Meinke, geweckt. „Die waren begeistert, dass wir für solch einen Bahncup soweit fahren“, erinnerte sich Emily Koch an den ersten Kontakt im Osten, aus dem dann schnell mehr werden sollte.

Zwar startete Emily quasi zum Abschied von den heimischen Wettkampfstätten im Herbst auch noch einmal beim Gelände-Rennen im Motorpark Preußisch Oldendorf, hatte für sich aber schon vorher herausgefunden: „Cross ist nicht so mein Ding.“ Die Gründe dafür sind „schnell“ aufgezählt: „Auf der Bahn kommt man auf viel höhere Geschwindigkeiten, da gibt es dann mehr Adrenalin… Und auf der Bahn zieht sich das Feld nicht so weit auseinander, da hat man alle Konkurrenten im Blick!“

Dass die ehemalige Judoka, Fußballerin, Tänzerin, Schwimmerin und Triathletin nun im Radsport groß auftrumpfen und dafür ihre Heimatr verlassen wollte, „hat uns sehr lange beschäftigt, wir haben wochenlang darüber gesprochen“, erinnert sich Vater Dennis Koch an die nicht ganz einfache Entscheidungsfindung im vergangenen Herbst. Nach einer Probewoche im September stand für Emily-Marie Koch allerdings spätestens fest: Ihre Zukunft liegt in Schwerin. Nicht zuletzt die deutlich besseren Trainingsbedingungen im Bundesstützpunkt (neben Radsport auch für Boxen und Volleyball) haben es ihr angetan: „Nächstes Jahr soll dort vor das Internat eine neue Bahn gebaut werden“!, freut sich die 14-Jährige schon jetzt auf weitere Verbesserungen, von denen sie dann auch profitieren kann. Ein dicker Pluspunkt für ihren Wechsel nach Schwerin war auch ein Gespräch mit ihrem großen Vorbild Lea Friedrich: Die 20-Jährige ist mehrfache Junioren-Weltmeisterin und amtierende Weltmeisterin im Teamsprint und hatte ihre Karriere wie auch Emily-Marie Koch unter anderem beim Fußball begonnen. Nach diesem und weiteren Gesprächen mit den Betreuern und Trainern vor Ort waren die anfänglichen Zweifel, den großen Schritt zu wagten, überwunden: „Am Anfang habe ich noch gezweifelt, weil es echt weit weg ist von Zuhause, aber die Leute dort sind echt voll nett!“ Dort, das ist das AWO-Sportinternat Schwerin, in dem Koch nun die perfekte Mischung aus Schule und Sport finden will: „Erst einmal ist es normaler Unterricht wie an jeder anderen Schule auch.“ Nach der Schule, in Schwerin lässt sich Koch eine Klasse zurückversetzen und steigt in der achten Klasse ein, geht es dann aber regelmäßig mit dem Bulli zum Training nach Rostock, solange die Bahn vor Ort noch nicht eingeweiht ist. „Die Leute“, die Emilys sportliche Karriere begleiten, können auf zahlreiche eigene Erfolge verweisen, nicht umsonst ist Schwerin einer von nur fünf bundesweiten Stützpunkten im Radsport. Mit Stefan Nimke hat sie auch einen Olympiasieger als Trainer an ihrer Seite, der weiß, wie man das große Ziel erreicht, das auch Emily-Marie Koch mit Blick auf die nächsten Jahre antreibt: „Am Ende ist das Ziel Olympia, 2028 wäre ein Traum. Das Nahziel für die nächsten zwei Jahre ist aber erst einmal, in den Bahnrad-Bundeskader aufgenommen zu werden. Dort haben derzeit die besten zehn der schnellsten Radsportlerinnen Deutschlands Mädchen einen festen Platz. Um einen der begehrten Plätze in dieser Eliteliga zu bekommen, wechselt Emily-Marie Koch auch den Verein und fährt ab Februar für den Schweriner SC, der mit der Sportschule kooperiert. Halbe Sachen auf dem Weg zum ganz großen Ziel sind nicht geplant. Nicht nur für die Schülerin ist der Wechsel nach Mecklenburg-Vorpommern ein großer Schnitt und großer Schritt gewesen, auch Vater Dennis Koch, selbst begeisterter Radsportler, musste nach vielen Gesprächen mit Emily-Marie und deren beiden Geschwistern den Willen seiner sportbegeisterten und zielorientierten Tochter akzeptieren: „Es heißt loszulassen. Für Emily ist aber eine Tür aufgegangen. Der Weg ist frei bis nach ganz oben, das hängt jetzt von ihr ab, was sie daraus macht.“ Aus der Adrenalin-Attacke auf die deutsche Spitze...

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7749385?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4029433%2F
Unions-Machtkampf auch nach Nacht-Treffen weiter ungeklärt
Das Reichstagsgebäude bei Nacht. Im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur sind der CDU-Vorsitzende Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder zu einem Treffen zusammengekommen.
Nachrichten-Ticker