Fußball: Miguel Matos Ferreira verlost einen Satz Fußball-Trikots
„Auch im Sport sind Kinder die Zukunft“

Vehlage (WB). Die Enttäuschung sitzt tief: Miguel Matos Ferreira ist Geschäftsführer des Fußball-Bezirksligisten SC Blau Weiß Vehlage – und Vater eines sechsjährigen Sohnes, der in Isenstedt Fußball spielt. Auch für den und dessen Mannschaft hat der Vehlager dem Isenstedter SC einen von Ferreiras Firma gesponserten Satz Trikots schenken wollen. In diesen Trikots werden die Kinder des ISC aber nicht auflaufen...

Samstag, 03.10.2020, 20:50 Uhr
Miguel Matos Ferreira ist Vater eines Spielers des SC Isenstedt. Der Geschäftsführer des SC Blau Weiß Vehlage wollte die Mannschaft seines Sohnes mit Trikots unterstützen – sei aber abgewiesen worden. Foto: Ingo Notz

Warum, das wisse Miguel Matos Ferreira nach eigener Darstellung bis heute nicht wirklich, erklärte er als Erklärung für einen Leserbrief, den er der Sportredaktion dieser Zeitung geschickt hat. Darin schildert er: „Anfang des Jahres nahm ich mir vor, einen großen Trikotsatz für die Mini-Kicker des Isenstedter SC zu sponsern. Da mein eigener Sohn bei den Minis spielt, konnte ich in den letzten zweieinhalb Jahren sehen, wie aufgebraucht die alten Trikots waren. Viele Elternteile regten des Öfteren an, dass mal wieder ein neuer Trikotsatz benötigt würde. Der Vorstand war davon in Kenntnis gesetzt, jedoch passierte jahrelang nichts. Daraufhin nahm ich das Problem selbst in die Hand und bestellte auf eigene Kosten einen komplett neuen Trikotsatz für die Kinder. Dies geschah bereits im Februar, die Trikots konnten jedoch wegen der Corona-Situation noch nicht ausgehändigt werden. Es wurde auch schon offen unter den Eltern und Trainern kommuniziert, dass ein Trikotsatz geordert wurde. Am 5. September 2020 war es dann soweit: Die Minis hatten ihr erstes Spiel nach der Corona-Pause gegen den SuS Holzhausen in Isenstedt. Eine Woche zuvor nahm ich Kontakt zu dem Trainer auf und teilte ihm mit, dass ich an diesem Tag die neuen Trikots übergeben werde. Er bestätigt mir dieses, woraufhin ich am Spieltag mit den Trikots auf das Sportgelände kam. Auf dem Weg in die Kabine begegnete mir ein Mann mittleren Alters, der sich als ein Vorstandsmitglied ausgab, mir jedoch nicht einmal seinen Namen mitteilte. Er suchte das Gespräch mit mir und fing an, herumzudrucksen, dass die Mannschaft den Trikotsatz nicht tragen dürfte. Er begründete dies damit, dass es einen Ausrüstungsvertrag mit einem lokalen Sporthaus gäbe und dies nicht darüber abgewickelt wurde. Natürlich zeigte ich für diese Situation Verständnis und bat um eine einmalige Ausnahme, da ich im Sinne der Kinder gehandelt habe. Ihm war das Gespräch sichtlich unangenehm. Nach einer Weile mischte sich ein Elternteil ein und bat das Vorstandsmitglied, meinen Trikotsatz doch bitte anzunehmen. Dieser ließ sich darauf jedoch nicht ein. Daraufhin verließ ich mit dem Trikotsatz das Sportgelände und die Kinder spielten wieder in ihren alten Trikots.“

Dieser Trikotsatz steht nun zur Verlosung.

Dieser Trikotsatz steht nun zur Verlosung. Foto: Ingo Notz

Dies sei aber nur der erste Teil der Geschichte. Seine Intention, mit der Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, beruhe jedoch auch noch auf einer anderen Sachlage, betont Ferreira: „Am darauffolgenden Tag kontaktierte mich ein Mitglied des Isenstedter SC, um mir mitzuteilen, welcher der wahre Grund für die Ablehnung der Trikots gewesen sei.“ Zur Erinnerung: Im Winter 2019 gab es einen Trainerwechsel von der Spielgemeinschaft-Mittwald, an der der Isenstedter SC beteiligt ist, zum SC BW Vehlage. Bei diesem Wechsel gab es einige Differenzen. Hier sieht Ferreira einen direkten Zusammenhang: „Da ich Geschäftsführer beim SC BW Vehlage bin und einen offiziellen Posten in diesem Verein bekleide, wollten die Isenstedter diese Spende der Trikots für die Kinder nicht annehmen. Der ISC wird sich natürlich in jeglicher Form davon distanzieren und es mit dem Ausrüstungsvertrag begründen. Es ist eine große Schande, dass diese Differenzen erwachsener Menschen auf Kosten der Kinder ausgetragen werden. Wir können froh sein, dass wir die Kinder noch für den Fußball begeistern können, was sowieso von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Als Geschäftsführer weiß ich, wie schwierig es ist, Sponsoring gerade in der Corona-Zeit zu betreiben. Man ist doch froh über jede Spende, gerade wenn diese an die Kinder gerichtet wird. Obwohl ich kein Vereinsmitglied beim ISC bin, habe ich aktiv im Hintergrund dafür gesorgt, dass sich neue Kids dem ISC anschließen damit auch dieses Jahr eine Mannschaft bei den Mini-Kickern gestellt werden konnte. Gerade das Engagement der Eltern bei so jungen Spielern ist doch enorm wichtig! Wenn wir so weiter machen, wird es immer schwieriger, die Kinder zu motivieren und zu begeistern. Auch im Sport sind unsere Kinder die Zukunft!“

Die Trikots würden bei Abnahme durch einen anderen Verein neu beflockt.

Die Trikots würden bei Abnahme durch einen anderen Verein neu beflockt. Foto: Ingo Notz

Markus Bramkamp, der zuständige Jugendwart des Isenstedter Sportclubs, sieht die Sachlage anders: „Der Herr kam an einem Spieltag an und sagte: Hier, neue Trikots! So sind bei uns die Abläufe aber nicht. Wir haben einen anderen Sponsor und einen Ausrüster, mit dem wir zusammenarbeiten. Von dem anderen Vorgang wusste ich gar nichts. Das ist löblich, das finde ich auch toll, aber einfach zu kommen, das geht halt nicht. Ich wusste auch nicht, dass er Geschäftsführer des SC Vehlage ist, ich kannte ihn gar nicht. Da wurde sicher im Vorfeld nicht richtig kommuniziert, das ist ein bisschen doof gelaufen.“ Sein Verhalten und das der Vereinsführung des ISC sei jedenfalls keine Retourkutsche wegen der Spielerwechsel aus der JSG Isenstedt zum SC Vehlage: „Das ist eine reine Vermutung und auch nicht haltbar“, unterstreicht Bramkamp, der zudem betont: „Wir hätten uns einfach mit allen Leuten mal an einen Tisch setzen sollen!“ Eine nachträgliche Einigung sei aber auch nicht mehr möglich, sagte Bramkamp: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Kuh noch vom Eis kriegen!“ Eine gute Nachricht gebe es aber für die Minikicker des ISC: „Die neuen Trikots sind seit Mittwoch da und am Montag werden die Kinder zum ersten Mal im Spiel gegen Tonnenheide in den neuen Trikots auflaufen!“

Ich würde mich freuen, wenn es einen dankbaren Verein gibt, der diese Geste auch zu schätzen weiß!

Miguel Matos Ferreira

Miguel Ferreira sieht den neuen Sponsor positiv, der sei zum Zeitpunkt seines Engagements aber noch nicht vorhanden gewesen, betont er. So oder so: Miguel Matos Ferreira hat für sich Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Da seine Trikots nicht von der Mannschaft seines Sohnes getragen werden dürfen, er diese aber auch nicht in die Altkleider-Sammlung geben wolle, soll nun ein anderer Verein in den Genuss eines komplett kostenlosen und neuen Trikotsatzes kommen. Ferreira hat sich dazu entschieden, die Trikots zu verlosen und, damit der Gewinnerverein nicht mit der Beflockung des SC Isenstedt auflaufen oder diese überkleben muss, auch noch die Umflockung zu bezahlen: „Hiermit biete ich den kompletten Trikotsatz (Größe von 116-152), bestehend aus 22 Trikots, Hosen und Stutzen, zur Verlosung an. Der Vereinsname wird neu bedruckt. Ich würde mich freuen, wenn es einen dankbaren Verein gibt, der diese Geste auch zu schätzen weiß!“

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