Kreisliga: Türk Gücü Espelkamp bringt beim 4:1 in Alswede auch Ahmet Tsingour
Wirbel um angeblich gesperrten Spieler

Espelkamp (WB). Kaum ist die Saison in der Fußball-Kreisliga A gestartet, gibt es schon den ersten Aufreger: Aufsteiger Türk Gücü ­Espelkamp könnte der 4:1-Sieg gegen den HSC Alswede wieder aberkannt werden. Der Grund: Der HSC legte Einspruch gegen die Spielwertung ein, weil Türk Gücü Neuzugang Ahmet Tsingour eingesetzt hatte. Der Offensivmann hatte bis zur vergangenen Saison für Alswede gekickt und soll nach dem Wechselstreit im Sommer gesperrt sein.

Mittwoch, 09.09.2020, 05:50 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 10:42 Uhr
Schwer zu stoppen: Ahmet Tsingour zeigte beim A-Liga-Wiedersehen mit seinem Ex-Team aus Alswede eine starke Leistung. Aber durfte der Neuzugang von Aufsteiger Türk Gücü Espelkamp überhaupt spielen? Der HSC hat umgehend Protest gegen die Spielwertung eingelegt, der 4:1-Sieg könnte den Espelkampern schnell wieder aberkannt werden. Foto: Günter Pollex

Alswedes Trainer Jörg Bohlmann beschwerte sich daraufhin beim Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen. „In erster Linie geht es mir um das schamlose Verhalten des Spielers. Ich habe mich in der Vergangenheit für Ahmet eingesetzt und er hat nach seinem Ausgleichstreffer nichts Besseres zu tun, als an mir vorbeizulaufen und mich zu veralbern. Außerdem ist es Wettbewerbsverzerrung, wenn ein Spieler die Vorbereitung bei mir absolviert und eine Woche später gegen mich spielt“, erklärte Bohlmann. Für die Aufklärung des Falls hat die Passstelle des FLVW extra eine Sitzung in Duisburg einberufen. Die Ergebnisse sind allerdings bisher unbekannt.

Hat umgehend Beschwerde beim Verband eingelegt: Alswedes Trainer Jörg Bohlmann bezeichnet das Verhalten seines früheren Schützlings als „schamlos“.

Hat umgehend Beschwerde beim Verband eingelegt: Alswedes Trainer Jörg Bohlmann bezeichnet das Verhalten seines früheren Schützlings als „schamlos“. Foto: Pollex

Hintergrund der Sperre ist ein Wechselchaos, das der Spieler im Laufe der vergangenen Monate ausgelöst hatte. Zunächst verkündete Ahmet Tsingour seinen Wechsel von Alswede zu Bezirksligist Preußen Espelkamp II. Als er es sich noch einmal anders überlegte und zum HSC zurückkehrte, legten die Preußen erfolgreich Beschwerde gegen das Verhalten Tsingours ein. Wilfried „Theo“ Müller, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses, bestätigt, dass es eine Sperre gegen Tsingour gegeben hat: „Die Sperre wurde in der Saison 2019/20 aktiviert, nachdem Verbandssportrichter Dr. Markus Seip am 9. August ein Urteil ausge­sprochen hatte, in dem Tsingours Verhalten als ‚grobe Unsportlichkeit‘ festgestellt worden ist.“

Jörg Bohlmann ermöglichte dem Rückkehrer einen Neuanfang in Alswede: „Ich musste beim Vorstand Überzeugungsarbeit für ihn leisten.“ Seip räumte dem HSC eine 48-stündige Frist ein, um Stellung zu dem Urteil zu beziehen. Laut Bohlmann nutzte der Alsweder Vorstand die Frist, um im Namen Tsingours, „der über seine Sperre informiert worden ist“, mitzuteilen, dass er seinen Fehler einsehe. Das Angebot von Türk Gücü löste dann eine weitere Kehrtwende aus. Die Espelkamper lockten den Offensivspieler mit einem Amateurvertrag, Tsingour willigte ein.

Tevfik Cengiz kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Der Türk-Gücü-Trainer hat seinen Neuzugang in Schutz genommen. „Ich bekenne mich zu meinen Leuten.“

Tevfik Cengiz kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Der Türk-Gücü-Trainer hat seinen Neuzugang in Schutz genommen. „Ich bekenne mich zu meinen Leuten.“ Foto: Pollex

„Wir sind der Auffassung, dass die Erstellung eines Amateurvertrags den Spieler sofort dazu berechtigt, am Spielbetrieb teilzunehmen. Die Sperre sollte also nicht mehr gültig sein, zumal sie nach der Rückkehr zu seinem vorherigen Verein ausgesprochen worden ist“, begründet Espelkamps Trainer Tevfik Cengiz. „Ich habe Tsingour spielen lassen, weil er hart gearbeitet hat und ich mich zu meinen Leuten bekenne. Ich verstehe nicht, weshalb sich die Alsweder derartig aufregen. Das Risiko lag bei uns und im Zweifelsfall bekommen sie nun eben die Punkte“, bezieht Cengiz zu dem Vorgang nun Stellung.

Fest steht, dass der Versuch, die Sperre durch Erstellung eines Amateurvertrages zu umgehen, erfolglos ist.

Wilfried Müller, Vorsitzender im Kreisfußballausschuss

Der Vorgang, Spieler einzusetzen, deren Pass noch nicht freigegeben ist, ist nicht unüblich. „Es kommt bei der Passbearbeitung oft zu Verzögerungen. Deshalb können Spieler auch rückwirkend spielberechtigt sein“, bestätigt Wilfried Müller. Der Argumentation von Cengiz kann er allerdings nicht ganz folgen: „Fest steht, dass der Versuch, die Sperre durch Erstellung eines Amateurvertrages zu umgehen, erfolglos ist. Sperren werden mitgenommen und beim neuen Verein verbüßt.“

Spieler muss keine zusätzliche Strafe fürchten – Verein in der Pflicht

Die drei Punkte wandern nun aller Voraussicht nach auf das Alsweder Konto, der als 2:0-Sieger gewertet würde. Zudem droht Türk Gücü ein Ordnungsgeld. Tsingour muss dagegen keine weitere Strafe fürchten, „da die Verantwortung für Spielberechtigungen bei den Vereinen liegt, die mit dem Verband in Kontakt stehen“, so Müller. Ein Detail ist für „Theo“ allerdings ungewöhnlich: „Trotz meiner jahrzehntelangen Zeit in offiziellen Positionen ist es mir neu, dass Schubladenverträge, wie der, den Tsingour bei Preußen hatte, in die Rechtsprechung miteinbezogen werden.“

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