Rekordzeit aus dem Stand: Der gebürtige Espelkamper findet plötzlich zu alter Stärke
Es läuft wieder bei Alexander Schröder

Düsseldorf/Espelkamp (WB). Es war im Grunde genommen unglaublich. Selbst ­Alexander Schröder musste Anfang Juli zweimal hingucken, als er die Zeit sah, in der er soeben seinen ersten Lauf in diesem Jahr beendet hatte. Das 3000-Meter-Rennen von Regensburg hatte der Mittelstreckler des ATSV Espelkamp in bärenstarken 8:16,45 Minuten absolviert. „Die Zeit war überragend“, sagt Schröder über seinen „besten Wettkampf seit vielen Jahren“.

Donnerstag, 06.08.2020, 05:26 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 05:30 Uhr
Gibt wieder richtig Gas: Alexander Schröder glänzte nach langer persönlicher Leidenszeit in der verspätet gestarteten Sommersaison auf Anhieb mit Spitzenleistungen. Die DM-Teilnahme in Braunschweig über 5000 Meter verpasste der 29-Jährige allerdings deutlich.

Um das Ganze einzuordnen: Seine bisherige Bestzeit hatte bei 8:37 Minuten gelegen. Mit der neuen Bestmarke kam Schröder in Regensburg sogar dem seit 1975 gültigen Kreisrekord (8:13 Minuten) nahe und katapultierte sich auf Anhieb an die Spitze der westfälischen Bestenliste. „Das hatte ich mir vorher nicht erträumt“, sagt Schröder, zumal hinter dem Ausnahmeläufer bekanntlich eine extrem lange Leidenszeit liegt.

Nachdem mysteriöse Muskelprobleme den Wahl-Düsseldorfer mehr als zwei Jahre auf Trab gehalten und immer wieder lange Zwangspausen sowie Arztbesuche eingefordert hatten, ist Schröder mittlerweile endlich schmerzfrei. Der bis dato letzte einer Vielzahl von Rückschlägen datiert aus dem vergangenen Winter. „Da habe ich in der Hallensaison einen Ermüdungsbruch im Fuß erlitten.“

Lauftraining leicht gedrosselt, aber kein Tempo verloren

Danach ging es aber konstant bergauf. Nach einer Umstellung des Trainings – sein Pensum hat der Sport- und Mathe-Lehrer an einem Düsseldorfer Gymnasium auf ­maximal eine Laufeinheit pro Tag gedrosselt, was seinem Körper zugute kam – hat sich Schröder in Windeseile wieder an seine Bestform herangearbeitet. Und zwar im Alleingang, nachdem sich seine Trainingsgruppe beim FC Schalke 04 bereits im Sommer 2019 aufgelöst hatte. „Ich weiß ja, wie man ein Training langfristig aufbaut. Das System funktioniert“, sagt er.

Das einzige Problem: Aufgrund der Corona-Pandemie gab es lange keine Möglichkeit, die eigene Leistungsstärke zu überprüfen. Bis Anfang Juli endlich doch noch der Startschuss für die Sommersaison fiel, bei dem Schröder gleich den Vorwärtsgang einlegte – und in Regensburg am 3000-Meter-Rekord im Kreis Minden-Lübbecke kratzte. „Nach 2000 Metern habe ich mich fast erschrocken, dass ich so schnell bin“, sagt Schröder, der zu diesem Zeitpunkt „sogar noch Reserven hatte“.

Nach 2000 Metern habe ich mich fast erschrocken, dass ich so schnell bin. Ich hatte sogar noch Reserven.

Alexander Schröder über seinen „Rekordlauf“ in Regensburg Anfang Juli

Drei Wochen später war Regensburg für ihn allerdings keine Reise wert. Dabei hatte sich der gebürtige Fabbenstedter über die 5000 Meter viel mehr vorgenommen: Das Rennen war schließlich die einzige Chance, sich für die Deutschen Meisterschaften, die am Wochenende in Braunschweig stattfinden, zu qualifizieren. In 14:40 Minuten verpasste Schröder das DM-Ticket aber deutlich. „Das war ziemlich schlecht. An dem Tag lief nicht viel zusammen.“

Schlechten Tag erwischt: Traum von der DM-Teilnahme erfüllt sich nicht

Mit Blick auf das wegen Corona reduzierte DM-Starterfeld (13 statt 25 Teilnehmer) war die Norm angehoben worden. Statt 14:25 Minuten mussten die „Bewerber“ nun 14:04 Minuten unterschreiten, um in Braunschweig starten zu dürfen – für Schröder an dem Tag unmöglich. Dafür konnte sich der Läufer zuletzt beim Meeting in Pfungstadt mit 3:55 Minuten über 1500 Meter wieder klasse in Szene setzen, als er eine persönliche Bestzeit nur knapp verpasste.

Dichtes Gedränge: Beim Rennen über 1500 Meter in Pfungstadt kämpft Alexander Schröder (2. von links) nach dem Startschuss um eine gute Position im Feld.

Dichtes Gedränge: Beim Rennen über 1500 Meter in Pfungstadt kämpft Alexander Schröder (2. von links) nach dem Startschuss um eine gute Position im Feld.

Es läuft wieder für Alexander Schröder – und einige Rennen stehen ja zum Glück in diesem Sommer noch aus. Am Wochenende reist der Dauerläufer zur „Nacht der Zehner“ nach Hamburg. „Da fahre ich aber ohne große Ambitionen hin. Mein Ziel ist es, unter 31 Minuten zu bleiben“, sagt der Sportler, der sich zudem einen großen Wettkampf in Belgien mit internationaler Konkurrenz über 5000 Meter rausgepickt hat.

Im Rennen ist Corona vergessen

Das Gefühl, das liebste Hobby wieder mit Inbrunst betreiben zu können, ist speziell. „Das kann ich gar nicht beschreiben“, sagt Schröder, der bei den bisherigen Rennen von Corona übrigens nicht viel „gespürt“ hat. „Es war etwas weniger los in den Stadien, weil weniger Begleitpersonen dabei waren. Aber sonst war es ehrlich gesagt so wie immer.“ Zumal es kaum Beschränkungen für die Sportler gab. „Eine Maske musste man nur beim Abholen der Startnummer oder beim Gang auf die Toilette tragen.“ Sobald der Startschuss ertöne, „hat man Corona als Läufer vergessen.“

Beruflich spürt Schröder die Auswirkungen der Corona-Krise deutlicher. Monatelang musste der Lehrer per Videokonferenz unterrichten. Wenn die Sommerferien in einer Woche enden, soll der „normale“ Schulalltag wieder losgehen. „Vor der ersten Unterrichtsstunde werde ich Lampenfieber haben. Das letzte Mal ist ja lange her“, scherzt Schröder, der sein „Comeback“ im Klassenraum aber sicher ähnlich mühelos meistern wird wie auf der Tartanbahn.

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