Radsportler Jörg Bartel aus Espelkamp umrundet auf seinem Rennrad 20-mal den Stemweder Berg
448 Kilometer für einen guten Zweck

Stemwede/Espelkamp (WB). Das war eine runde Sache! Auf zwei Rädern hat ein Espelkamper viel Gutes getan: Jörg Bartel hat von Freitag bis Samstag seine persönliche „Tour de Stemwede“ absolviert. Die 24-Stunden-Herausforderung hat den „Pedalritter aus Leidenschaft“ zu einem neuen persönlichen Rad-Rekord gebracht: 448 Kilometer ist er in 15:44 Stunden reiner Fahrzeit rund um den Stemweder Berg gerollt.

Dienstag, 09.06.2020, 10:34 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 15:34 Uhr
Pedalritter aus Leidenschaft (von links): Christian Düvel, Jörg Bartel und Uwe Brandt haben auch bei Bartels Kilometer 400 beste Laune.

Freitag und Samstag trauten manche Stemweder ihren Augen nicht: Ein paar Hartgesottene hatten sich auf den Weg gemacht, den Stemweder Berg mit dem Rad zu umrunden. Nicht einmal, nicht zweimal – immer wieder. Der Espelkamper Jörg Bartel, Fachbereichsleiter der Gemeinde Stemwede, war der Initiator der Aktion für einen guten Zweck: Jeder Kilometer brachte Geld für die Aktion „Kilometer für Kinder“, die die Deutsche Kinderkrebsstiftung unterstützt. Bartel hatte eine persönliche Spende von zehn Cent für jeden gefahrenen Kilometer für die Kinderkrebsstiftung sowie den Verein für Jugend, Freizeit und Kultur Stemwede angekündigt, ehe er sich in den Sattel geschwungen hat. Auch Sponsoren ist es möglich, sich mit einer Spende pro gefahrenen Kilometer oder einer Geldspende zu beteiligen.

Ganz alleine musste Jörg Bartel den Kampf für die Kinder nicht bestreiten, vielmehr konnte er sich in nahezu jeder Phase des Rennens auf die Unterstützung von Sportkameraden, Freunden, Bekannten und Kollegen verlassen: „Zunächst war ich am Freitag mit meinen Jungs vom ‚Südflügel‘ – Matthias Kallage (Rahden), Uwe Brandt (Diepenau), Christian Düvel (Hunteburg), Reiner Martin (Espelkamp), Oliver Klüver (Quernheim) und Eddie Giesbrecht (Varlheide) – in wechselnder Besetzung unterwegs. Samstag früh morgens hat mich Wibke Halve (Rahden), eine Arbeitskollegin, eine Runde begleitet, dann kamen die Lemförder Pedalritter um Nico Semmler dazu. Danach sind vom RSC noch Reinhard Hegerfeld und Werner Struckmann dazugekommen. Auch Hervé Guennoc und Martin Chaluppa aus Levern waren dabei. Und die letzten zweieinhalb Stunden kamen vom „Südflügel“ nochmal Matthias Kallage, Christian Düvel, Uwe Brandt und Reiner Martin dazu. Es waren insgesamt 20 Runden rund um den Berg!“

Am Ende der „24 Stunden von Stemwede“ standen 448 Kilometer in 15:44 Stunden Fahrzeit zu Buche. Damit hat sich Bartel selbst überrascht: „Anfang des Jahres hab ich noch gesagt, dass ich mir 300 Kilometer nicht zutraue. Aber mit der richtigen Unterstützung habe ich es geschafft. Mehr als doppelt so weit, wie ich bisher jemals gefahren bin!“ Die 24 Stunden komplett ohne Pausen durchzufahren, das war dabei keine Option: „Nein, 24 Stunden waren nicht das Ziel. Ich bin super zufrieden. Nachts um zwei Uhr habe ich circa zweieinhalb Stunden geschlafen, weil ich gemerkt habe, dass die Konzentration nachlässt, und dann ist man im Straßenverkehr nicht gut aufgehoben.“ Allerdings mussten die zweieinhalb Stunden Pause reichen, denn erstens zählte jeder Kilometer für den guten Zweck und zweitens wartete noch ein besonderer Anreiz in aller Früh auf Jörg Bartel, der wiederum nicht auf ihn gewartet hätte, wenn er länger pausiert hätte: „Da ich den Sonnenaufgang sehen wollte: Wecker auf 4:20, duschen, Frühstück und wieder los“, beschreibt der Espelkamper seine Zusatzmotivation in der – sehr kurzen – Nacht.

Dabei ließ er sich auch nicht von unangenehmen Hindernissen stoppen: Der Start war bei Regen und nassen Straßen suboptimal, doch auch der Himmel hatte irgendwann ein Einsehen, so dass Jörg Bartel später bei Vollmond durch die Nacht „brettern“ konnte. Körperlich haben ihm die Strapazen am Ende gar nicht so sehr zugesetzt, wie zu befürchten war: „Die Pausen zwischendurch haben vielleicht auch dabei geholfen. Erstaunlicherweise geht es mir ziemlich gut. Ich habe lediglich ein bisschen Nackenprobleme, aber Schmerzen hab ich keine“, bilanzierte der Espelkamper nach dem Durchfahren der Ziellinie.

Dabei wurde er dann auch gebührend und auf besondere Weise gefeiert: „Bei der Ankunft bin ich dann leider mitten in das Konzert im Life House reingeplatzt, das erste nach der Corona-Pause, das dann spontan kurz unterbrochen wurde, um mich zu empfangen. Mit Blumen und Sektdusche. Das hat mich total geflasht! Ein ganz großer Dank geht an den JFK, der mit Zurverfügungstellung eines Raumes im Life House mir die Möglichkeit gab, eine Basis einzurichten, an die ich immer zurückkehren konnte und Sachen wechseln und auch schlafen, essen und trinken konnte.“

Nicht zuletzt ging der Dank des Espelkamper Pedalritters an alle Sponsoren, die seinen Kampf für die gute Sache unterstützt haben: „Bisher sind rund 2600 Euro für Burkhard Heins ‚Kilometer für Kinder‘ und das Life House JFK zusammen gekommen. Diese Unterstützung in allen Belangen war und ist immer noch überwältigend für mich“, freut sich Jörg Bartel, der Pedalritter aus Leidenschaft, über den grandiosen Erfolg seiner Tour de Stemwede.

Kilometer für Kinder

Der Ursprung der Aktion „Kilometer für Kinder“ liegt in Ostercappeln. Burkhard Hein, selbst Vater einer achtjährigen Tochter, unterstützt bereits seit einiger Zeit die Deutsche Kinderkrebsstiftung (www.kinderkrebsstiftung.de).

Die Freude am Radsport mit der Hilfe für kranke Kinder zu verbinden – dies war sein Antrieb, diese (mit einer bisher erzielten Spendensumme von mehr als 150.000 Euro) so erfolgreiche Initiative ins Leben zu rufen und andere Sportler ebenfalls hierfür zu begeistern. Sich bewegen und wirklich etwas zu bewegen, liegen hier eng beieinander – ein Leitmotiv dieser Aktion.

Der grundsätzliche Gedanke besteht darin, dass jeder Teilnehmer, egal ob (Fast-)Profi, Freizeitradler oder auch Berufspendler, einen Cent für jeden in diesem Jahr selbst geradelten Kilometer an die Deutsche Kinderkrebsstiftung spendet. Und/Oder man lässt für die selbst erarbeiteten Kilometer zusätzlich spenden: von Freunden, Kollegen, dem Chef, Nachbarn, Vereinskollegen, dem favorisierten Radladen...

Diese Idee wurde von der Deutschen Kinderkrebsstiftung sofort mit einem eigenen Spendenkonto mit dem Stichwort „Spendenaktion 1 Cent“ freigegeben und unterstützt. Alles begann im Sportlernetzwerk „Strava“. Hier werden die gefahrenen Kilometer im Club „Kilometer für Kinder” automatisch über GPS (mit so ziemlich jedem Smartphone möglich) erfasst. Die Anmeldung ist einfach und geht sehr schnell. Die aktuellen Leistungen der Strava-Mitglieder sind hier aufgelistet. Klar, die Spende ist natürlich nicht rechtlich bindend, moralisch aber durchaus, wie ich finde. Das, was alle Teilnehmer vereint, ist die Bereitschaft, mit ihrem Beitrag zu helfen und Teil einer ganz großen Hilfe zu werden.

 

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