Fußball-Abenteurer „Eddie“ Bernhardt kickt jetzt in Bangladesch
Die Reise geht weiter

Stemwede/Dhaka (WB). Von Levern nach Bangladesch. Genauer gesagt Dhaka. Verrückte 7400 Kilometer Luftlinie, um in eine komplett andere Welt einzutauchen. Ex-Altkreis-Fußballer Edgar Bernhardt hat diesen waghalsigen Schritt gewagt. Und wird von vielen Tausenden Fans umjubelt.

Donnerstag, 09.04.2020, 22:04 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 12:20 Uhr
Erhebendes Gefühl: Mit Kedah FA (Malaysia) feierte Edgar Bernhardt im vergangenen Jahr den Sieg im FA-Cup vor 84.000 Fans. Foto: WB

Die Karriere des mittlerweile 33-Jährigen begann noch im „kleinen Kreis”. Erst TuS Levern, dann Preußen Espelkamp, im Anschluss VfL Osnabrück. Alles noch überschaubar. Da dem Mittelfeldspieler der große Durchbruch – trotz eines Zweitligaeinsatzes für die Lila-Weißen – verwehrt blieb, machte er sich auf die Reise. „Hätte mir das jemand mit 18, 19 Jahren gesagt – den hätte ich für vollkommen wahnsinnig erklärt”, muss Bernhardt mit Blick auf seine Weltreise schmunzeln.

Der nächste Länderpunkt des 33-Jährigen hat es in sich

Die Vita ist lang: VfL Osnabrück, Eintracht Braunschweig, Energie Cottbus, SV Rödinghausen, Wuppertaler SV, FC Emmen (Niederlande) Vaasan Palloseura, FC Lahti, FF Jaro (alle Finnland), Cravovia, Widzew Lodz, Stal Mielec, GKS Tychy (alle Polen), Prachuap FC (Thailand), Al-Oruba Sur (Oman), Kedah FA (Malaysia), neuerdings Abahani Limited Dhaka in Bangladesch.

Dabei kommt das Beste bekanntlich oft erst zum Schluss. In Malaysia spielte der Rechtsfuß vor 84.000 (!) Zuschauern, wurde mit seiner Mannschaft vor dieser Wahnsinnskulisse FA-Cup-Sieger: „Das war einfach nur genial. Unsere Fans sind völlig durchgedreht, den Autokorso durch die Stadt werde ich niemals vergessen.”

Bangladesch ist schön, aber auch sehr chaotisch.

Edgar Bernhardt

In Bangladesch ist dies nun ein wenig anders. Häufig ist das Bangabandhu National Stadium mit seinen 36.000 Sitzplätzen recht leer, der Fußball kann mit Cricket – Volkssport Nummer eins – nicht mithalten. Dennoch schwärmt Bernhardt: „Die Menschen hier sind schon sehr speziell. Bangladesch ist schön, aber eben auch sehr chaotisch. Und vor allem: laut!” In der Hauptstadt leben offiziell 18 bis 20 Millionen, die auf der Straße campierenden Menschen werden aber einfach nicht mitgezählt. Deshalb gehen die Schätzungen bis zu 30 Millionen. Und Bernhardt ist mittendrin.

Ein Umstand, der zwei ehemaligen Weggefährten imponiert. Martin Wischnewski, langjähriger Mitspieler in der Jugend von Preußen Espelkamp: „Es freut mich für Eddie, dass er so viel aus seinem großen Talent gemacht hat. Für ihn gab es immer nur Fußball, er war förmlich verrückt danach. Wir auch – aber bei Eddie war es immer noch ein bisschen mehr. Was ich wichtig finde: Er ist dabei immer er selbst geblieben.”

Lobeshymne: Jan-Guido Dyck erinnert sich an den jungen „Eddie“

Ähnlich beschreibt auch Jan-Guido Dyck den Umgang mit dem jungen „Eddie”: „Es gab keinen Trick, den er nicht sofort nachahmen wollte – und konnte. Dabei war es ihm immer völlig egal, ob jemand in der Kreisliga oder 3. Liga gespielt hat. Edgar hat alle gleich behandelt, auf seine gewohnt lockere und direkte Art.”

Unzählige Stunden verbrachten die beiden auf den Bolzplätzen im Espelkamper Stadtgebiet. Obwohl es ihn in die weite Welt hinausgezogen hat, muss Bernhardt hin und wieder an die heimischen Gegebenheiten denken: “Die Plätze in Bangladesch sind häufig eine Katastrophe. Wenn ihr unseren Trainingsplatz sehen würdet... Ich werde mich definitiv nie wieder über einen Kreisliga-Sportplatz lustig machen.”

Ich muss an die Zeit nach meiner Karriere denken. Das Angebot war einfach unglaublich.

Edgar Bernhardt über die Entscheidung, nach Bangladesch zu gehen

Auf Videos dokumentiert der 33-Jährige dieser Zeitung die – gelinde gesagt – bescheidene Bewässerung des Rasens. „Häufig und viel lieber trainieren wir aber auf dem Cricket-Feld”, muss er lachen. Warum er den waghalsigen Schritt Richtung Bangladesch gegangen sei? „Die Antwort kann ich ganz offen und ehrlich zugeben: Das Angebot war unglaublich. Ich habe früh in meinem Leben alles auf die Karte Fußball gesetzt, keinen Beruf erlernt. Daher muss ich an die Zeit nach meiner Karriere denken.” Worte, die viele von dem Ausnahmekicker vor einigen Jahren nicht erwartet hätten. Doch Edgar Bernhardt ist mittlerweile weit herumgekommen in der Fußball-Welt – und weiß, wie schnell es gehen kann.

Zurzeit kann Bernhardt mit seinem Team allerdings nicht auf Punktejagd gehen. Die Saison ist wegen Corona unterbrochen. Wann der Ball wieder rollt, ist auch im Cricketland Bangladesch offener denn je.

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