Im deutschen EM-Quartier in Evian findet alles hinter verschlossenen Türen statt Von Jogis Jungs ist nichts zu sehen

Évian-lés-Bains (WB). Fans müssen kreativ sein, um etwas zu sehen. Wer das Trainingsquartier der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM besucht, steht in der Regel vor verschlossenen Türen. Wer mehr geboten bekommen will, muss wandern.

Von Alexander Grohmann
Nicht alles ist in Evian verhüllt: Von weiter oben bietet sich ein Blick auf das Trainingsgelände der deutschen Mannschaft. Dahinter liegt der Genfer See.
Nicht alles ist in Evian verhüllt: Von weiter oben bietet sich ein Blick auf das Trainingsgelände der deutschen Mannschaft. Dahinter liegt der Genfer See. Foto: Alexander Grohmann

Évian-lés-Bains, idyllisch am Ufer des Genfer Sees gelegen, erweist seinen berühmten Gästen seit zwei Wochen die Ehre. Schon am Ortseingang macht ein überdimensionaler Fußballschuh in den Farben Schwarz-Rot-Gold auf die Anwesenheit der DFB-Elf aufmerksam. Diese hat sich für die Dauer der EM im Vier-Sterne-Hotel Ermitage eingemietet.

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Abgeschottet von der Öffentlichkeit

Fans können sich die Reise nach Evian aus Gründen des Fußballs aber sparen. Sowohl Hotel als auch das 500 Meter entfernt liegende Trainingszentrum mit Rasen- und Kunstrasenplatz, an das der Pressebereich angeschlossen ist, sind von der Öffentlichkeit abgeriegelt. Nur beim öffentlichen UEFA-Training vor dem EM-Start waren 2000 Zuschauer dabei. Die Stadt hatte diese Tickets aber ausschließlich an Einwohner Evians, vor allem Schüler, vergeben.

Deutsche Zuschauer, die vor Ort einen Blick auf die Stars erhaschen wollen, stehen dagegen fast vor einer Mission Impossible. Rund um das Hotel, das an einem Hang mit Blick auf den Genfer See (französisch: Lac Léman) angesiedelt ist, passt Sicherheitspersonal darauf auf, dass ja nichts preisgegeben wird.

Hin und wieder bringen abgedunkelte Mercedes-Limousinen Spieler oder Offizielle von Trainingseinheit oder Pressekonferenz zurück in die abgeschottete Welt hinter dem großen Eingangstor. Der Grund für die Zurückgezogenheit: In der Ruhe-Oase sollen die Nationalspieler vom Hype um »La Mannschaft« abschalten, um wieder aufzutanken. »Die Spieler sind nett, aber schon eher förmlich im Umgang«, plaudert ein Sicherheitsmann aus.

Spionieren durch Loch in Gartenhecke

Selbst akkreditierte Journalisten haben es nicht leicht in Evian. Nur die ersten 15 Minuten einer Trainingseinheit sind ihnen gestattet. Nicht viel, um an gutes Material zu kommen. Um mehr zu erfahren, als in den Pressekonferenzen gesagt wird, müssen exklusive Kontakte bemüht werden. Die Fans haben es noch schwerer. Überhaupt nur einen Blick auf die Stars zu erhaschen, fällt bei so viel Geheimniskrämerei schwer.

Bloß nichts preisgeben, lautet das Motto von Jogis Crew. Dennoch: Ganz unsichtbar kann sich der Titelkandidat dann auch wieder nicht machen. Wer den Anstieg über das Sportzentrum erklimmt, dem bietet sich durch die Lücke in einer Gartenhecke doch noch ein ganz passabler Blick von oben auf das Trainingsgelände. Auch ein Journalist der tz macht sich kürzlich auf den Weg zum Aussichtspunkt. Allerdings mit bescheidenem Erfolg: Das Training wird wegen schlechten Wetters abgesagt. Wieder einmal gibt es nichts zu sehen in Evian.

Immerhin das Wasser ist gratis

Ohnehin stellt das Wetter die Spieler mit ständigem Regen auf die Probe. Kein Vergleich zum Süden Frankreichs, wo bei angenehmen 30 Grad das Leben genossen wird. In Evian geht es dagegen wechselhafter zu. Wer nicht nur Lust auf Fußball hat, kann dennoch kommen und sich auf den Weg zum berühmten Brunnen in der Stadt machen. Luxus: Hier gibt es Evian-Wasser gratis zum Abfüllen. Ein kleiner Trost für entgangene Autogramme.

Diese wären heute in Evian aus anderen Gründen nicht zu bekommen. Der Grund: Die DFB-Elf bestreitet ihr drittes Vorrundenspiel gegen Nordirland in Paris und kehrt erst am Mittwoch zurück.

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