Serie „Meine schönsten Sporterlebnisse“: Wrexener Andi Luiten betreibt zwei eigene Schulen
Kampfkunst ist lebenslanges Lernen

Warburg -

Mit sieben Jahren kam Andreas „Andi“ Luiten das erste Mal mit Judo im Berührung. Mit 16 Jahren lernte er Jiu Jitsu sowie Degen- und Säbelfechten – heute hat er eine eigene Kampfkunstschule in Warburg und Diemelstadt und ist hauptberuflich Trainer.

Mittwoch, 09.12.2020, 04:45 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 04:50 Uhr
Andi Luiten demonstriert an der Holzpuppe eine Technik bei der gleichzeitig verteidigt und angegriffen wird. Foto: Astrid E. Hoffmann

 

Nach dem Fachabitur hatte er in seinem Heimatland Holland zunächst Musik studiert, aber es war letztlich nicht sein Weg. Er nahm das Studium der Architektur auf und war später als Bauzeichner tätig. 1999 kam er zur Kampfkunst Ving Tsun Kung Fu – und damit zu seiner eigentlichen Berufung.

Kampfkunst wird vom Lehrer zum Schüler weitergegeben. Lehrer und Schüler sind stets im Austausch und halten diese Kunst lebendig. Beim Kampfsport gibt es im Gegensatz zur Kampfkunst klare Regeln, die Kontrahenten wissen, wer auf sie zukommt und wann. „Ein Mensch, der angegriffen wird, weiß das nicht“, erklärt Andi Luiten. In dieser Situation den Angriff möglichst schnell und erfolgreich zu beenden, dass lernen Kung Fu-Schüler, aber auch ihre Meister ein Leben lang. „Als Lehrer muss ich mein Wissen so an den Schüler weitergeben, dass dieser sein eigenes Ving Tsun lernt“, betont der 45-Jährige.

Andi Luiten lernte von den Großen seiner Zunft und das gehört zu seinen schönsten Sporterlebnissen genauso wie das Treffen an der Wong Shun Leung Students Association Gathering in Hongkong 2014 und ein 24-Stunden-Trainingskampftag in einer Kung Fu Schule bei Nürnberg im vergangenen Jahr.

In Den Haag besuchte Andi Luiten 1999 ein Kung Fu-Seminar. Gleichzeitig mit ihm zog sich in der Umkleidekabine ein älterer Mann mit grauem Haar um. Wenig später sprach er Luiten an. „Da wusste ich nicht, wer er war“, erinnert sich Andi Luiten an diesen Moment. Nach der Lehre von Wong Shun Leung und Barry Lee wird das heutige Ving Tsun in den Schulen vermittelt. Andi Luiten hatte keinem geringeren als Barry Lee gegenüber gestanden. Dazu muss man wissen, dass das moderne Ving Tsun Kung Fu ab den 1950er Jahren vom Großmeister Yip Man gelehrt wurde. Sein Schüler war Wong Shun-Leung und dessen Schüler war wiederum Barry Lee. „Es ist alles wie in einer großen Familie. Da lernt man sogar Lehrer oder Schüler von einem der bekanntesten Kampfkünstler, dem Schauspieler Bruce Lee, kennen. Den Mann kennen auch Menschen, die nichts mit Kung Fu zu tun haben“, berichtet Andi Luiten. Die kleine Begegnung in der Umkleidekabine, war für ihn so etwas wie ein Zeichen, denn es war der Beginn seines Weges mit Ving Tsun Kung Fu.

Andi Luiten hatte inzwischen auch eine Ausbildung zum Fitnesstrainer und Yogalehrer abgeschlossen. Durch seinen Ving Tsun-Meister wurde er nach Hong Kong eingeladen. Dort kamen 2014 Kung Fu-Lehrer und Schüler aus der ganzen Welt beim „Wong Shun Leung Students Association Gathering“ zusammen. Es war erst die zweite Zusammenkunft dieser Art, einige Jahre zuvor hatte man sich erstmals in Malaysia getroffen.

„Es war so beeindruckend, sich mit allen auszutauschen“, schwärmt Luiten. Drei Tage wurde trainiert und am Abend gemeinsam gegessen. „Kampfkunst ist handgemacht, nicht standardisiert wie Kampfsport, daher sind diese Treffen ganz besonders wichtig“, sagt Andi Luiten. Der Austausch der Lehrer und Schüler untereinander hält Ving Tsun Kung Fu lebendig.

 

Kampfkunst-Experten unter sich: Der Warburger Andi Luiten (rechts) speist mit (von links) Ingo Eigen und Henry Shearman, alle drei sind Schüler von Bill Dowding und Chan Chee Man, der ein Schüler von Yip Man und älterer Kung Fu Bruder von Bruce Lee ist.

Kampfkunst-Experten unter sich: Der Warburger Andi Luiten (rechts) speist mit (von links) Ingo Eigen und Henry Shearman, alle drei sind Schüler von Bill Dowding und Chan Chee Man, der ein Schüler von Yip Man und älterer Kung Fu Bruder von Bruce Lee ist. Foto: privat

Noch einmal Barry Lee: Er wird „the machine“ – die Maschine genannt, denn er brachte es in seiner Zeit in Hong Kong auf zwölf bis 14 Stunden Training täglich. „Durch diese Geschichte sind Ingo Eigen und ich bei einem Trainingslager in China auf die Idee gekommen, ein 24 Stunden Training zu probieren“, sagt der Warburger Kampfkunsttrainer, der in Wrexen wohnt. Seine Sportkollegen in Scheinfeld (Mittelfranken) nahmen sich der Sache an. In der dortigen Kung Fu-Schule stellten sich sieben Kämpfer dem Wettbewerb. Es wurde zwölf Minuten trainiert, drei Minuten Pause gemacht und wieder zwölf Minuten trainiert und so fort. Der Beste schaffte am Ende ein 20 Stunden-Dauertraining. Andi Luiten holte sich den zweiten Platz mit 17 Stunden. „Das hat richtig viel Spaß gemacht, aber am anderen Tag war ich auch komplett fertig“, so Luiten. Hier zeigte sich die wichtige Seite der Kampfkunst, die mentale Stärke, ohne die eine solche Leistung nicht machbar ist, weiß der gebürtige Holländer.

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