Seminare des KSB Höxter sollen nach Sommerferien wieder beginnen
„Unsere Sportvereine werden digitaler“

Kreis Höxter (WB). „Aus der Corona-Krise positiv mitzunehmen ist auf jeden Fall, dass unsere Sportvereine digitaler werden und weiterhin nach Möglichkeiten suchen, ihren gesamtgesellschaftlichen Auftrag, angefangen von der Kinder- und Jugendarbeit bis hin zum Integrations- und Gesundheitssport, wieder aufleben zu lassen“, sagt Thorsten Schiller. Im Gespräch mit Günter Sarrazin äußert der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Höxter den Wunsch, dass noch mehr Vereine ihren Nachwuchs an die Vereinsarbeit heranführen.

Montag, 08.06.2020, 03:31 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 07:24 Uhr
„Die Sportvereine sind ein wichtiger Baustein, den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft wieder herbeizuführen“, sagt Thorsten Schiller, Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) Höxter.

 

Die Lockerungen in der Corona-Krise sind mit den damit verbundenen Sicherheitsauflagen und Hygienevorschriften eine große Aufgabe für die Sportvereine. Was empfiehlt ihnen der Kreissportbund Höxter?

Thorsten Schiller: Wir empfehlen den Vereinen, besonnen und ruhig auf die verschiedenen Möglichkeiten der Corona-Schutzverordnung zu reagieren. Die vorhandenen Lockerungen können bei unseren überwiegend kleinen und mittleren Vereinen nicht in Kürze umgesetzt werden. Jeder Verein muss selbst entscheiden, ob der vorgegebene Rahmen passt. Dabei sollte natürlich immer geprüft werden, ob sich eine Chance bietet, aber keinesfalls sollte man sich – von wem auch immer – unter Druck setzen lassen.  Unabhängig vom aktiven Sport raten wir dazu, die verschiedenen Fördermöglichkeiten wie beispielsweise „1000 mal 1000“ oder Aktionstage im Bereich „Bewegt älter werden“ weiterhin zu beantragen. Sofern es die zukünftigen Gegebenheiten zulassen, kann dies eine Möglichkeit sein, den Sportbetrieb wieder aufleben zu lassen. Und das mit finanzieller und ideeller Unterstützung des Kreissportbundes Höxter.

Welche Angebote des Kreissportbundes sind aktuell besonders gefragt? Was sind grundsätzlich die wichtigsten Angebote?

Schiller: Im Moment ist das Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ sehr gefragt. In diesem Programm werden bis zum Jahr 2022 etwa 3,2 Millionen Euro in die Sportstätten des Kreises fließen. Einige Projekte sind ja auch bereits im Sportteil vorgestellt worden. Jeder Antrag bedarf einer sehr intensiven Beratung und Prüfung inklusive Abstimmung mit den jeweiligen Städten.   Die wichtigsten Angebote des Kreissportbundes Höxter sind die Aus- und Fortbildung von Übungsleitern und Übungsleiterinnen sowie die Beratung zu fast allen überfachlichen Themen seiner angeschlossenen Sportvereine. Aber auch die Fördermittelakquise ist ein sehr breites und wichtiges Themenfeld. Insgesamt werden etwa zwanzig Förderpositionen im Bereich des KSB Höxter beantragt, begleitet und mit Verwendungsnachweisen versehen. Angefangen von der Beratung der Kindertagesstätten und Schulen zur Zusammenarbeit mit Sportvereinen über Materialversorgung zum Kinderbewegungsabzeichen reicht die Palette bis hin zu Angebotseinführungen und Aktionstagen im Breitensport sowie zur Integration.

Wie ist es mit Übungsleitern, die Lizenzen verlängern mussten? Wann läuft die Qualifizierung des KSB im Sport wieder an?

Schiller: Nach derzeitigem Stand werden wir nach den Sommerferien wieder mit den Qualifizierungsmaßnahmen beginnen. Mit dem Lockdown hatten auch wir alle Aus- und Fortbildungen auf unbestimmte Zeit abgesagt. Die letzte Übungsleiterfortbildung fand kurz davor mit dem Thema Nordic Walking und Walk in Balance statt. Es war überwiegend in der Natur, dennoch waren Ängste und Sorgen rund um das Coronavirus bereits deutlich spürbar. Übungsleiterinnen und Übungsleiter müssen sich keine Sorgen machen, ihre Lizenz zu verlieren. Die Rahmenrichtlinien des Deutschen Olympischen-Sportbundes sehen eine gestaffelte Möglichkeit vor, auch nach Lizenzablauf eine Verlängerung zu absolvieren. Zusätzlich gibt es die Alternative, dass Lizenzen, die in Lizenzträgerschaft des Landessportbundes NRW stehen und bis zum 31. Dezember 2020 ungültig werden, auch ohne Fortbildung um ein weiteres Jahr zu verlängern sind.

Wie geht es mit den Kurz-und-gut-Seminaren weiter?

Schiller: Auch die Kurz-und-gut-Seminare für Vorstände, die innerhalb eines dreistündigen Formates Fachinformationen zu verschiedenen Themen des Vereinsmanagements bieten, werden voraussichtlich ab August wieder stattfinden können. Zunächst steht das Thema Öffentlichkeitsarbeit im Sportverein an. Ort des Geschehens wird Borgentreich sein. Darüber hinaus ist ab September in Warburg eine Zertifikatsausbildung zum Ehrenamtsmanager geplant. Ehrenamtsmanager sind die Ansprechpartner im Themenfeld Mitarbeiter im Sportverein.

Welche neuen Projekte sind derzeit in Planung?

Schiller: Aktuell planen wir den Auftakt von Sport im Park am 29. Juni 2020. Dieses Angebot richtet sich an die Einwohner und Besucher der Stadt Warburg, um kostenlos Sport in der freien Natur, in diesem Fall in der Diemelaue sowie im Kurpark in Germete, über einen achtwöchigen Zeitraum zu erleben. Unterstützt wird dieses Angebot durch den Landessportbund NRW, die AOK und die Stadt Warburg. Ein weiteres Projekt ist die Einführung eines Walking-Soccer-Angebotes in Lüchtringen. Aufgrund der aktuellen Situation ist eine Durchführung des Fußballs im Gehen momentan aber leider noch nicht möglich.

Gibt es weitere Aktionstage?

Schiller: Weitere Aktionstage oder Angebotseinführungen können noch unterstützt werden. Wenn unsere Sportvereine Ideen haben oder sich inspirieren lassen wollen, haben sie in unserem Mitarbeiter Arne Tegtmeyer den richtigen Ansprechpartner. Und in unserer Sportjugend wird es Ende der Sommerferien eine weiterführende Sporthelfer-Ausbildung geben. Darüber hinaus ist für November eine Praxisbörse „Kinder in Bewegung“ geplant. Auch die intensive Auseinandersetzung mit dem Kinder- und Jugendschutz steht weiterhin auf der Agenda.

Wie erleben Sie die Corona-Krise beruflich und persönlich?

Schiller: Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft grundlegend verändert. Die Sportvereine sind fast zum Erliegen gekommen und standen als sozialer Treffpunkt plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Dies trifft zwar auch auf andere Institutionen zu, aber gerade auf den Dörfern ist beispielsweise das Spiel der eigenen Mannschaft am Sonntag, egal in welcher Sportart, fast schon ein gewohnheitsbedingtes Ritual, welches auf einmal nicht mehr da war. Auch sind die Sportfeste vor Ort in der Regel das zweite kulturelle Highlight des Jahres und fehlen nun. Der ansonsten geliebte Ausgleich zum Beruf, die gemeinsame sportliche Aktivität, das Training – alles ist kurzfristig verschwunden. Im Kreissportbund Höxter sind in einem Kraftakt die verschiedenen Auflagen des Arbeitsschutzes umgesetzt worden. Die Geschäftsstelle wurde geschlossen und die Mitarbeiter in die Lage versetzt, vermehrt mobil zu arbeiten. Teambesprechungen und Vorstandssitzungen finden per Videokonferenz statt und notwendige Unterschriften für Anträge und Verwendungsnachweise des Vorstandes werden per Briefpost eingeholt.  Geändert haben sich im Verlauf der Coronavirus-Pandemie auch die Fragen unserer Mitgliedsvereine. Ging es am Anfang zum Beispiel eher darum, ob man Mitgliedsbeiträge erstatten muss, sind es heute eher Fragen zum Thema, wie man Gestaltungsmöglichkeiten der Verordnung umsetzen kann oder was passieren kann, wenn ein Verein mit seinem Sportbetrieb noch wartet. Manche rufen auch an, um ein paar aufmunternde Worte zu hören, oder um Dampf abzulassen. Es wird daher nicht langweilig.

Und persönlich?

Schiller: Persönlich habe ich – wie wahrscheinlich alle anderen auch – unter den Kontaktbeschränkungen am meisten gelitten. Auf meinen regelmäßigen Radtouren habe ich festgestellt, dass die Menschen in gewisser Weise freundlicher geworden sind. Man freut sich, jemanden zu sehen. Das gab es vorher eher selten.

Was ist in der Zusammenarbeit mit den Sportvereinen Positives aus der Krise mitzunehmen?

Schiller: Positiv mitzunehmen ist auf jeden Fall, dass unsere Sportvereine digitaler werden und weiterhin nach Möglichkeiten suchen, um ihren gesamtgesellschaftlichen Auftrag, angefangen von der Kinder- und Jugendarbeit bis hin zum Integrations- und Gesundheitssport, wieder aufleben zu lassen. Hierzu muss ich den Vereinsvertretern einfach danken. Hier zeigt sich auch in Krisensituationen, dass es nach wie vor Menschen gibt, die sich trotz aller Widrigkeiten für andere einsetzen.

Was wünschen Sie sich?

Schiller: Wünschenswert wären noch mehr Vereine, die sich auf den Weg machen wollen, junges ehrenamtliches Engagement zu unterstützen und ein Jugendteam zu gründen. Hier arbeitet die Sportjugend im Kreissportbund Höxter sehr intensiv mit den teilnehmenden Jugendlichen in den Vereinen zusammen. Ziel dieser Aktion ist es, Jugendliche und junge Erwachsene zu befragen, wie sie ihren Sportverein wahrnehmen. Die Aktion soll den Nachwuchs dazu befähigen, selbstständig tätig zu werden, um mögliche Änderungen herbeizuführen beziehungsweise auch neue, passgenaue Angebote vor Ort zu entwickeln. Dies kann auch dazu führen, dass ein eigener Jugendvorstand gebildet wird und sich in die Vereinsarbeit einbindet.

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