Triathlon: Beim „Wings for Life Run“ kämpft der 23-jährige Topathlet gegen die Zeit an Rose hat Catcher-Car im Rücken

Scherfede (WB). „Ich sehe Staub am Horizont – das musst doch Du sein.“ Die Stimme des Catcher-Cars treibt Triathlet Tim Rose immer wieder an. Beim virtuellen „Wings for Life Run” kämpft der 23-Jährige gegen die Zeit an. Nach 45,55 Kilometern und 3:11:25 Stunden holt den Scherfeder das Fahrzeug über die App ein. Der Lauf ist vorbei. Das Aufstehen fällt mit schweren Beinen verdammt schwer.

Von Rene Wenzel
Im Ziel bleibt Tim Rose erst einmal am Boden liegen. 45,55 Kilometer liegen hinter dem Top-Triathleten.
Im Ziel bleibt Tim Rose erst einmal am Boden liegen. 45,55 Kilometer liegen hinter dem Top-Triathleten. Foto: privat

„Vergleichbar mit einem Ironman war das Rennen aber dann doch nicht“, sagt Rose. Trotzdem war der Top-Triathlet nach fast 50 Kilometern in seiner Heimat geschafft, müde und total ausgepowert. Von Amerika bis Ozeanien, von Europa bis Afrika – beim „Wings for Life World Run 2020“ starten alle Läufer weltweit zur gleichen Zeit ihren individuellen App-Run. Es gibt keine klassische Ziellinie, sondern ein virtuelles Catcher Car, das die Teilnehmer einholt. Die Athleten laufen also so weit wie sie möchten.

Schneller Start an der Diemel

Rose setzt sich auf dem Rundkurs an der Diemel die 50-Kilometer-Marke als Ziel. Der 23-Jährige geht das Rennen schnell an, hält gut den Rhythmus und läuft zu Beginn des Rennens zunächst eine starke Zeit von 3:55 Minuten pro Kilometer. Immer wieder pusht eine Stimme der App den Triathleten mit motivierenden und auch lustigen Sätzen. „Da musste ich schon manchmal ganz schön schmunzeln“, berichtet der Scherfeder. Nach dem Start am Warburger Freibad führte die Strecke über Germete in Richtung Donnerberg weiter zur Warburger Brauerei – immer am Diemelradweg entlang. Über Dalheim ging es in Richtung Wormeln und Welda wieder zurück nach Warburg.

Begleitet wurde Rose dabei nicht nur von der App und dem Catcher-Car, das 30 Minuten nach dem Start losfuhr. Seine Freundin Melanie fuhr voller Elan mit dem Rad nebenher und unterstützte den Athleten mit Verpflegung. Auch die App motivierte weiter: „Du gehst ja ab wie eine Rakete.“ Die ersten knapp 22 Kilometer verliefen auch zunächst ohne Probleme. Doch dann riss die GPS-Verbindung zwischen Kilometer 22 und 25 ab. „An der Diemel standen sehr viele Bäume. Vielleicht war dem Empfang deshalb so schlecht“, meint Rose. Das Signal war weg und wirbelte die Zeit- sowie die Kilometer-Anzeige durcheinander. Und das Catcher-Car rückte frühzeitig näher als eigentlich geplant.

Catcher-Car holt sich nach gut 44 Kilometern ein

„Das hat mich unterwegs schon sehr geärgert. Aber es war trotzdem toll und hat viel Spaß gemacht. Es war ein Kampf gegen mich selbst“, sagt der 23-Jährige. Nach 35 Kilometern ging Rose etwas ein und konnte das Tempo nicht mehr so hochhalten. Noch knapp zehn Kilometer hielt er das Catcher-Car auf Distanz. Dann ertönte die Hupe lauter. Eine Stimme kam rüber: „Endlich habe ich Dich bekommen.“

Bei Rose kam dieser etwas andere Lauf gut an: „Das hat alles echt gut funktioniert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so weit vorne im Ranking landen würde.“

Weltweit sind mehr als 77000 Athleten dabei

Rose schaffte weltweit den Sprung auf Platz 165. Insgesamt 77103 Teilnehmer absolvieren dieses Rennen. Und alle leisten damit etwas Gutes: 100 Prozent der Startgelder gehen in die Rückenmarksforschung und helfen, Querschnittslähmung zu heilen. Für den sportlichen Scherfeder ist das noch nicht genug. Der Laufexperte lässt seine Aktion „Corona-Spendenlauf für Mundschutz“ auch noch ein paar Tage nach dem Rennen weiterlaufen. Bis dato blickt Rose bereits auf einen stolzen Betrag von mehr als 1000 Euro. „Ich bin echt überrascht und überwältigt von der Anteilnahme. Wenn wir bis Donnerstag auf 1200 bis 1300 Euro kommen, wäre es schön. Aber ich bin jetzt schon mega happy“, hebt Rose hervor.

Spenden für Masken

Den Betrag stellt der 23-Jährige dem Scherfeder Matratzenhersteller „Bönning+Sommer“ zur Verfügung. Das Unternehmen soll Gesichtsmasken produzieren, die dann, gemeinsam mit der Stadt Warburg, an die Risikogruppen zum Schutz vor Covid-19 verteilt werden. „Ich werde das Geld wahrscheinlich bereits am Freitag weiterleiten“, erklärt der Triathlet. Bis dahin ist erst einmal Regenerieren angesagt. Bei Rose sieht das so aus: Pizza bestellen, Netflix gucken und auf dem Sofa liegen. „Einfach chillen und keinen Sport machen.“

Ironman im Herbst

Ganz ausruhen möchte sich der Scherfeder in Zeiten von Corona natürlich nicht. Im September steht noch ein Ironman in Portugal auf seinem Terminkalender. „Ich werde in ein paar Tagen wieder weiter strukturiert trainieren und versuchen, in acht bis zehn Wochen eine neue Halbmarathon-Bestzeit zu laufen“, sagt Rose. Der Leistungssportler setzt sich immer wieder neue Ziele.

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