Hans-Joachim Fietz ist seit 50 Jahren Tischtennis-Kreisvorsitzender »Energischer Kämpfer«

Menne(WB). Die Fußballwelt diskutiert über das Wembley-Tor. Ludwig Erhard ist Bundeskanzler, München 60 Deutscher Fußballmeister. Udo Jürgen gewinnt mit Merci Chérie den Grand-Prix. In Warburg übernimmt der junge Buchhalter Hans-Joachim Fietz (23) den Vorsitz des Tischtenniskreises – und ist auch 50 Jahre später noch dessen Boss.

Von Sylvia Rasche
Seit 50 Jahren ist der Menner Hans-Joachim Fietz Tischtennis-Kreisvorsitzender.
Seit 50 Jahren ist der Menner Hans-Joachim Fietz Tischtennis-Kreisvorsitzender. Foto: Sylvia Rasche

»Eine so lange Karriere als Kreisvorsitzender ist im ganzen Westdeutschen Tischtennisverband einmalig«, stellt Verbandsgeschäftsführer Michael Keil heraus.

Als sich Fietz 1966 vom damaligen Kreisvorsitzenden Jürgen Büchler überreden ließ, das Amt anzutreten, steckte die schnelle Ballsportart im Warburger Land noch in den Kinderschuhen. »Wir hatten gerade mal sieben oder acht Vereine. Der Kreis war erst sechs Jahre zuvor gegründet worden«, erinnert sich Hans-Joachim Fietz.

Er selbst spielte zu dem Zeitpunkt bereits seit fast zehn Jahren Tischtennis, zuerst in einer lockeren Runde mit Freunden und ab 1962 in der von ihm mitgegründeten Tischtennisabteilung in Menne. »Tischtennis war damals schon mein großes Hobby und ist es bis heute geblieben«, sagt Fietz im Rückblick.

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Wir haben viel improvisiert, da es fast keine Sporthallen gab.

Hans-Joachim Fietz

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Schnell wuchs die Anzahl der Vereine in den ersten Jahren. 1968/69 gab es im Altkreis schon 16 Clubs. »Wir haben viel improvisiert, da es fast keine Sporthallen gab. Wir haben in Kneipen, in Festsälen und später in Gemeindehallen gespielt«, berichtet der 73-Jährige. Kreismeisterschaften und Pokalspiele gehörten längst zum festen Programm. In Zusammenarbeit mit dem damaligen Vorsitzenden des Tischtenniskreises Höxter, Manfred Schmidt, initiierte Fietz sogar schon in der Saison 1968/69 die erste gemeinsame Kreisliga Höxter/Warburg.

Doch der Menner stand nicht nur selbst am Tisch und engagierte sich ehrenamtlich als Kreisvorsitzender, er war immer auch großer Fan der Stars seiner Zunft – und ist es bis heute. Schon 1969 saß er bei der Weltmeisterschaft in München auf der Tribüne und feuerte Eberhard Schöler im legendären Einzelfinale gegen den Japaner Shigeo Ito an. Tischtennisreisen wurden im Laufe der Jahrzehnte zu seiner großen Leidenschaft. Mindestens einmal im Jahr ist er mit Ehefrau Annette und oft auch mit einer ganzen Reisegruppe des Vereins bei großen nationalen und internationalen Turnieren live dabei.

Fusion der beiden Kreise gemeistert

Der amtierende Bezirksvorsitzende Klaus-Dieter Borgmeier kennt Hans-Joachim Fietz seit Jahrzehnten. »Er ist ein Vollblutfunktionär, der – wenn es sein muss – auch energisch für die Belange seines Kreises kämpft«, sagt der Hövelhofer. Die wohl größte und schwerste Aufgabe im Laufe der 50-jährigen Amtszeit war die Fusion der beiden Tischtenniskreise Höxter und Warburg vor elf Jahren. Anfangs erwogen Fietz und sein Warburger Vorstand sogar eine Klage gegen die Fusionsvorgabe des Verbandes. »Am Ende ist er zum Wohl des Tischtennissports aber über seinen Schatten gesprungen, hat die Fusion mit Bravour gemeistert und sogar selbst den Vorsitz des neuen Kreises übernommen. Das ist ein großes Verdienst in seiner Laufbahn«, lobt Borgmeier.

Für Hans-Joachim Fietz war es keine leichte Zeit. »Ich war ja zunächst völlig gegen die Fusion. Inzwischen läuft die Zusammenarbeit aber wirklich gut«, sagt der Vorsitzende. Sportlich sei der Kreis gerade im Jugendbereich enorm stark aufgestellt. »Allerdings hatte ich vor der Fusion befürchtet, dass uns in dem großen Gebiet Teilnehmerzahlen bei Kreismeisterschaften oder auch Ranglisten wegbrechen. Damit habe ich leider Recht behalten.« Es habe Zeiten gegeben, da waren allein im Altkreis Warburg 350 Aktive bei Kreismeisterschaften keine Seltenheit. »Heute freuen wir uns, wenn wir die 200-er Marke knacken.«

Doch abfinden will sich Hans-Joachim Fietz damit nicht. Erst während der jüngsten Vorstandssitzung am Dienstag dieser Woche habe man Möglichkeiten diskutiert, diesem Trend entgegenzuwirken.

2017 geht eine Ära zu Ende

Ein Jahr will er dem Kreis noch vorstehen. Dann in Schluss. Das hat der Menner den Vereinsdelegierten der Kreisversammlung im Juni im Beverunger Bootshaus mitgeteilt. 2017 wird der Tischtenniskreis Höxter-Warburg einen neuen Vorsitzenden wählen – es muss ja nicht gleich wieder für ein halbes Jahrhundert sein.

Albrecht-Nikolai-Pokal

Für sein großes Engagement ist Hans-Joachim Fietz mit den höchsten Auszeichnungen des Westdeutschen Tischtennisverbandes bedacht worden. Schon 1984 bekam er die Goldene Verbands-Ehrennadel. 2002 erhielt er die Ehrenplakette des Verbandes und 2015 sogar den Albrecht-Nikolai-Pokal.

»Diesen Pokal gibt es pro Jahr nur für eine einzige Person mit herausragenden Leistungen in ganz Nordrhein-Westfalen«, sagt Verbandsgeschäftsführer Michael Keil. Hans-Joachim Fietz steht da in einer Reihe mit Tischtennisgrößen wie Eberhard Schöler, Wilfried Lieck, Agnes Simon, Nicole Struse oder Jörg Roßkopf. »Ich bin völlig ahnungslos zum Verbandstag nach Duisburg gefahren. Die Überraschung war dann natürlich um so größer«, freut sich der 73-Jährige.

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