Serie „Meine schönsten Sporterlebnisse“: Steinheimer Michael Goldmann hat 30 Viertausender bezwungen
Glücksgefühle am Gipfelkreuz

Steinheim (WB). Schon mit sieben Jahren hat der Steinheimer Michael Goldmann die Faszination der Berge entdeckt. Mit seinen Eltern erlebte er die Schweizer Bergwelt auf dem Jungfraujoch, wo sich der mit 3466 Metern höchste Bahnhof Europas befindet. Es sollte aber fast vier Jahrzehnte dauern, bis ihn eine große Leidenschaft für extremes Bergwandern und Klettern erfasste und er auf dem Gipfel der Jungfrau stand, die neben dem Eiger und dem Mönch zur beeindruckenden Kulisse im Berner Oberland gehört.

Freitag, 08.05.2020, 06:00 Uhr
Bei einer Venediger-Querung haben die drei Steinheimer (von links) Rainer Hördemann, Martin Bürger und Michael Goldmann die Gipfel von elf Dreitausendern in zwei Tagen bestiegen.

Erlebnis steht im Vordergrund

„Abschalten, den Kopf frei bekommen und lange davon zehren,“ sind die wesentlichen Faktoren, die ihn für dieses Hobby begeistern. Wenn sich dann bei den Touren dieser Genuss einstellt und die gute Bergkameradschaft dazu kommt, ist für den 60-Jährigen alles perfekt. Es komme ihm dabei auch nicht in erster Linie auf die Leistung, sondern auf das Erlebnis an. „Wer es nicht versucht, wird nie wissen, ob er es schafft und kann,“ ist die Einschätzung des Bergfreaks, für den die Berge mehr als Freizeit und Hobby sind, sondern auch ein großes Abenteuer.

30 Viertausender in den Alpen hat Michael Goldmann bisher bezwungen, dazu zahllose Dreitausender. „Einmal waren es bei einer Alpenquerung zwölf Dreitausender an vier Tagen,“ erinnert er sich und ergänzt, dass man in diesen Regionen die Natur und die Berge mit ganz anderen Augen und dem nötigen Respekt, immer aber mit ungewöhnlichen Glücksgefühlen erlebe. Zu seinen Bergbesteigungen gehört neben der Dufourspitze, dem höchsten Berg der Schweiz (4634 Meter) und dem zweithöchsten Alpengipfel, Giganten wie der Großglockner, der Ortler, aber auch der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze und natürlich das Dach Europas, der Mont Blanc, der im Leben jedes Bergsteigers einen besonderen Platz einnimmt, weil er wegen seiner Höhe von 4807 Metern alleine schon eine ganz spezielle Herausforderung darstellt.

Mont Blanc besonders anspruchsvoll

Schlüssel für eine erfolgreiche Bezwingung des Mont Blanc seien deshalb eine gute Akklimatisation an die Höhe, denn ab 4000 Meter werde die Luft doch merklich dünner, die körperliche Fitness, aber auch die technische Ausrüstung. Oft wird Goldmann nach der Sicherheit und der Gefährlichkeit des Bergsteigens gefragt. Und die steht immer an erster Stelle. Das ergibt sich für den langjährigen Hauptmann des Steinheimer Bürgerschützenvereins schon aus seinem Beruf als Zimmerer- und Dachdeckermeister, in dem er beruflich hoch hinaus muss und dadurch über die nötige Trittsicherheit, Kletterfähigkeit (bis Kategorie vier) und Schwindelfreiheit verfügt.

Kondition auf dem Mountainbike

Die nötige Kondition holt er sich bei Training mit dem Mountainbike, auf dem er im Jahr 5000 Kilometer zurücklegt. Vor allem die unglaubliche Ruhe und die Stille auf den Gipfeln seien Phänomene, die man kaum beschreiben könne. Deshalb könne man durchaus verstehen, dass viele Kletterer bei ihren Besteigungen ihr Leben riskierten. „Am Gipfelkreuz und über den Wolken, ganz nah am Himmel komme man sich als Mensch dann manchmal in der atemberaubenden Weite vor wie ein Staubkorn in der Unendlichkeit. Besonders beeindruckt hat ihn daher der Spruch auf dem Gipfelkreuz des Großglockners: „Kommet her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun unter den Menschenkindern“ (Psalm 66).

Bergkameradschaft ist besonders

Unschätzbar sei aber auch die Bergkameradschaft, die viel stärker als jede normale Freundschaft zusammenschweißt. „Jeder ist auf den anderen angewiesen. Am Tage teilt man das Seil, in der Nacht das Lager,“ so die Erfahrungen Goldmanns, der von der höchsten Hütte in den Alpen, der Capanna Regina Margherita auf 4554 Höhe als Ausgangspunkt für die Dufourspitze schwärmt. „Hier muss man nachts ohne Komfort sehr eng zusammenrücken, wenn der Wind durch das Dach pfeift und die Eiskristalle an die Fensterscheiben schlagen.“

Frau Karin ist bis 3000 Meter mit dabei

Er weiß aber auch, dass ihn die Familie bei seinem Hobby unterstützen muss. Bis auf Berge in 3000 Meter Höhe hat den Bergsteiger seine Frau Karin begleitet. Und seit einigen Jahren wurde die Seilschaft, zu der erfahrene österreichische Bergführer gehören, mit den beiden Steinheimer Bergkameraden Martin Bürger und Rainer Hördemann erweitert. Das Matterhorn, die mit ihrer markante Pyramide zu den bekanntesten und schönsten Bergen der Alpen gehört, hat, Michael Goldmann noch nicht bezwungen. „Dieser Berg ist mir zu kommerziell. Da herrscht während der Saison ein Betrieb wie in einer Einkaufsstraße.“

Mischabel-Gruppe steht auf dem Plan

Reizen könnte ihn noch das wirkliche Dach der Welt - die Sieben- und Achttausender im Himalaya. Ziele genug findet er aber noch in den Alpen, wo dieses Jahr die Mischabel-Gruppe mit einem Dutzend Viertausendern und dem Dom als höchstem Gipfel (4545 Meter) in Angriff genommen werden sollte, wenn Corona keinen Riegel vorschiebt. Für ihn steht deshalb fest: „So lange es geht, werde ich die Berge besteigen.“

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