Neue Serie: Leichtathletik-Kreisrekorde vergangener Tage
Axel Czech sucht seinen Nachfolger

Wehrden/Höxter -

September 1986, Wetzlar. Die besten Junioren Deutschlands ermitteln ihren Meister über 10 000 Meter auf der Bahn. Mitten drin: Der Höxteraner Axel Czech, 21 Jahre jung.

Donnerstag, 21.01.2021, 06:49 Uhr
Axel Czech läuft auf dem Weserradweg. Meistens ist er allerdings als Trainer unterwegs, betreut einige Läufer individuell sowie beim Runartist Holzminden sowie seinem professionellen Laufcoaching „Laufart“. Zudem arbeitet er im Studio Langefit in Höxter. Dort ist er vorwiegend für die Laufanalyse zuständig. Foto: Sylvia Rasche

 

Obwohl das Rennen inzwischen fast 35 Jahre zurück liegt, erinnert sich Czech an viele Details. Erstmals lief er die längste olympische Bahndistanz damals unter 31 Minuten. Bei 30:37,10 blieb die Uhr stehen – bis heute ist im Kreis Höxter niemand schneller die 25 Stadionrunden gelaufen. Der Kreisrekord hat die Jahrzehnte überdauert.

Und nicht nur der: Im gleichen Jahr war der Höxteraner auch an zwei Team-Rekorden im 25-Kilometer-Straßenlauf und im Marathon beteiligt und stellte ein Jahr später mit der 4x800-Meter-Staffel des LAV Höxter ebenfalls eine neue Bestmarke im Kreis Höxter auf, die bis heute noch gilt. „Die werden wir wohl auch nicht mehr los“, lacht Axel Czech, „inzwischen bestehen die Langstaffeln nur noch aus drei Athleten.“

Beim Staffelrekord auf der Bahn in Wattenscheid musste Czech übrigens als Startläufer gegen Willi Wülbeck ran. „Der war damals schon Weltmeister über 800 Meter, da hatte ich ordentlich Respekt“, erinnert sich der Höxteraner.

Das Highlight seiner Laufbahn waren aber die 10 000 Meter von Wetzlar. Platz sechs belegte er damals bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften, bekam als Lohn sogar einen Ausrüstervertrag von Adidas für ein Jahr.

„Die ersten drei Läufer waren damals schnell vorne weg. Danach konnte auf den Plätzen vier bis zehn alles passieren. Drei Runden vor Schluss habe ich gemerkt, dass noch Körner vorhanden sind, habe das Tempo angezogen und bin die letzte Runde in 62 Sekunden gelaufen“, erzählt Axel Czech und fügt schmunzelnd hinzu: „Das würde ich heute nicht mal schaffen, ohne vorher die anderen 24 Runden gelaufen zu sein.“

 

Auf der Bahn hat Axel Czech (Zweiter von links) seine größten Erfolge gefeiert. Sein 10 000-Meter-Kreisrekord ist seit 35 Jahren unangetastet.

Auf der Bahn hat Axel Czech (Zweiter von links) seine größten Erfolge gefeiert. Sein 10 000-Meter-Kreisrekord ist seit 35 Jahren unangetastet. Foto: privat

Längst ist aus dem Athleten Axel Czech der Trainer Axel Czech mit DLV-Lizenz geworden. Und der Coach würde dem Athleten von damals raten, die Bandbreite ein bisschen zu reduzieren. „Von 800 Meter auf der Bahn bis zum Marathon bin ich so ziemlich alles gelaufen. Das war nicht ganz so schlau“, sagt der 55-Jährige, der im Studio Lange-fit arbeitet und dort vor allem für die Laufanalysen zuständig ist.

Wichtig sei ihm schon damals die leichtathletische Ausbildung gewesen. „Ich achte auch heute noch sehr auf die Technik, auf den richtigen Laufstil. Damit beugt man Verletzungen vor“, sagt Czech, der all seinen Athleten das Lauf-ABC als regelmäßigen Trainingsbestandteil ans Herz legt. Sein größter Traum: „Es wäre klasse, wenn ich es schaffen würde, den Läufer zu formen, der meinen 10 000-Meter-Rekord knackt.“

Gezieltes und periodisiertes Training ist der Grundstock dafür, ist Czech überzeugt. Zehn bis zwölf Einheiten in der Woche kamen in Spitzenzeiten und mussten zuerst in den Schul- und später in den Arbeitsalltag integriert werden.

„Die guten Bahnläufer werden im Winter gemacht“, betont Axel Czech. Sein damaliger und im November 2020 verstorbener Trainer Klaus Paetsch habe besonderen Wert auf die Grundlagen gelegt. „Wir haben von Oktober bis zum Jahreswechsel große Umfänge, aber wenig Tempo trainiert“, erinnert sich Czech, dem Laufkollegen den Spitznamen „Weserkenianer“ verpasst haben, an viele lange Läufe.

 

Laufkollegen haben Axel Czech wegen seines Laufstils einst den Spitznamen „Weser-Kenianer“ verpasst. Passend dazu gab es diese Statue zum 50. Geburtstag.

Laufkollegen haben Axel Czech wegen seines Laufstils einst den Spitznamen „Weser-Kenianer“ verpasst. Passend dazu gab es diese Statue zum 50. Geburtstag. Foto: Sylvia Rasche

Danach ging es mit Tempo in die Crosssaison. „Das war mein Ding. Da bin ich im Winter viel lieber gelaufen als in der Halle“, betont der Leichtathlet, der seit einigen Jahren in Wehrden lebt, und 1983 bei den Deutschen Crossmeisterschaften der A-Jugend Fünfter geworden ist. Auf der Straße war ein dritter Platz beim stark besetzten Silvesterlauf von Werl nach Soest eines seiner Highlights.

Treu geblieben ist Axel Czech dem Trainingslager auf der Nordseeinsel Texel. Früher als Athlet, jetzt als Trainer. „Ich war da bestimmt 60 Mal und kenne wirklich jeden Weg.“ Zuletzt musste er das Trainingscamp allerdings coronabedingt absagen – wie so vieles andere auch.

„Man kann zwar in Coronazeiten auch alleine laufen, mit der sozialen Komponente ist es aber schöner“, sagt der Kreisrekordhalter, der auch noch Kontakte zu Mitstreitern aus der Jugend- und Juniorenzeit pflegt. „Das gehört für mich einfach dazu, das kann auch kein virtueller Lauf bieten“, hofft er, möglichst bald wieder den normalen Rhythmus aufnehmen zu können.

Czechs Kreisrekorde

10 000 Meter Männer und U23: 30:37,1 Minuten (September 1986 in Wetzlar)

25 Kilometer-Mannschaft Männer 4:18:53 LAV Höxter mit Axel Czech, Andreas Neu und Klaus Paetsch Oktober 1986 in Frankenberg

Marathon-MannschaftMänner 7:39:45 LAV Höxter mit Axel Czech, Andreas Neu und Klaus Paetsch September 1986 in Berlin

4x800-Meter-StaffelMänner 7:44,53 LAV Höxter mit Axel Czech, Thomas König, Detlef Jandt und Jochen Dettmar Juni 1987 in Wattenscheid.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7776154?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2198415%2F2514657%2F
NRW holt alle Schüler schrittweise zurück
NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).
Nachrichten-Ticker