Politik verbietet den Spielbetrieb erst ab kommendem Montag – in Westfalen rollt der Ball aber schon jetzt nicht mehr
Die Fußballer pausieren sofort

Kreis Höxter (WB). Der Fußball pausiert – und zwar früher als von der Politik gefordert. Schon an diesem Wochenende ruht der Ball im westfälischen Amateurfußball und damit auch im Kreis Höxter.

Donnerstag, 29.10.2020, 13:07 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 08:58 Uhr
Einsam wird es ab sofort auf den heimischen Fußballplätzen. Im November und in den Kreisligen vermutlich auch darüber hinaus, ruht der Ball. Foto: Sylvia Rasche

Darauf haben sich die Verantwortlichen und die Kreisvorstände in einer Videokonferenz am Mittwochabend verständig. Mit dabei war auch der heimische Fußball-Kreisvorsitzender Hermann-Josef Koch.

Nachholspiele und Pokal abgesagt

Die Unterbrechung gilt ab sofort und vorerst bis zum Ende der Gültigkeitsdauer der neuen Coronaschutzverordnung, also Ende November. Betroffen davon sind alle Meisterschafts-, Pokal- und Freundschaftsspiele. Zudem empfiehlt der FLVW, den Trainingsbetrieb ebenfalls sofort einzustellen.

Im Kreis Höxter fallen damit die für diesen Samstag angesetzten Nachholspiele ebenso aus wie die beiden Westfalenpokal-Partien des FC Nieheim gegen Verbandsligist Emsdetten und das Pokal-Derby der Frauen zwischen dem SV Ottbergen-Bruchhausen und dem SV Bökendorf.

Kreisvorstand tagt kommende Woche

„Wir waren uns einig, dass es keinen Sinn ergibt, an diesem Wochenende noch spielen zu lassen und auf den Montag zu warten. Daher haben wir uns auf die sofortige Unterbrechung verständigt“, erklärt Koch. Nach derzeitigem Stand der Dinge dürfte im Dezember wieder gespielt werden. Einige Spiele sind dort auch auf Kreisebene noch angesetzt. Der Kreisvorstand will in seiner Sitzung in der kommenden Woche beraten, ob diese Spieltage schon jetzt mit abgesetzt werden. „Ich fände das sinnvoll. Wir müssten den Fußballern ja auch eine Vorbereitungszeit nach der Pause einräumen. Dann würden wir vielleicht Mitte Dezember wieder starten. Wenn wir gleich in die Winterpause gingen, hätten die Vereine Planungssicherheit“, macht Koch seine persönliche Sicht der Dinge deutlich, weist aber darauf hin, dass dies noch kein Beschluss sei.

Unruhe in den Vereinen

Für die Zeit nach der Winterpause hat der Fußballboss des Kreises Höxter nach eigenem Bekunden „keine Bedenken.“ „Wir können die Saison ja wieder verlängern, so wie wir es auch in der vergangenen Spielzeit getan haben“. Zudem hätte es im Verband Regeländerungen genau für diesen Fall gegeben.

Schon vor der offiziellen Mitteilung des Verbandes gab es im Kreis Höxter Unruhe in den Vereinen. Einige haben auf eigene Faust entschieden und damit auch sportliche Nachteile in Kauf genommen,

„Gesundheit geht vor“

Beispiel Phönix Höxter: Die Landesliga-Fußballerinnen sollten am Sonntag gegen die Reserve von Arminia Bielefeld antreten. „Die Gesundheit steht vor dem Fußball. Daher haben wir uns mit Vorstand und Spielerinnen auf einen Verzicht der Partie verständigt“, erklärte Trainer Philipp Müller. Die Punkte gingen an Bielefeld.

Beispiel JSG Marienmünster: „Wir können die Verantwortung nicht weiter übernehmen. Wir müssen unsere Fußballer und das ganze Umfeld schützen“, sagte JSG-Vorsitzender Olaf Wittrock nach einer Zusammenkunft des Vorstandes. Die JSG stellte - wie am Mittwoch berichtet - den Trainings- und Spielbetrieb eigenständig ein und hätte auch Spielwertungen in Kauf genommen.

Beispiel VfR Borgentreich: Die Bezirksligafußballer mussten am Sonntag gegen den TBV Lemgo antreten. In den Tagen vor der Partie, als der Kreis Lippe im Gegensatz zum Kreis Höxter schon zum Corona-Risikogebiet gehörte, setzten die VfR-Verantwortlichen alle Hebel in Bewegung, um das Spiel nicht austragen zu müssen. Vergeblich. Sie verzichteten auf jeglichen Verkauf von Speisen und Getränken am Sportplatz und fanden auch nach dem überraschenden Sieg klare Worte. „Die Vereine, die die Gesundheit der Spieler und der Verantwortlichen schützen wollen, werden im Regen stehen gelassen“, monierte Sportdirektor Thomas Schulte.

Beispiel Bökendorf: Da der Sportplatz in Bökendorf auch vom darüber liegenden Parkplatz zugänglich ist und einige Zuschauer diesen Weg auf den Platz wählten, begleitete Vereinsmitarbeiterin Katharina Schulte Helmut Bolte auf seiner Kassen-Runde, um auch wirklich jeden einzelnen Zuschauer in der Anwesenheitsliste zu erfassen und im Falle eines Falles nachverfolgen zu können.

Jugend in der Winterpause

Während es für die Senioren noch keine verbindliche Regel gibt, hat der Kreisjugendfußball-Ausschuss die Winterpause bereits verkündet: „Wir werden 2020 keinen Fußball mehr spielen“, hat Aussschuss-Vorsitzender Horst Sündermann den Vereinen mitgeteilt. Alle offenen Spiele der C- und B-Junioren sollen 2021 neu angesetzt werden. Bei den D- und A-Junioren sowie den B-Junniorinnen werden die Staffeln mit dem jetzigen Stand geschlossen und für 2021 neu zusammengestellt.

Ein Kommentar von Sylvia Rasche

„Wenn wir wieder Fußball spielen wollen, müssen wir alle zusammen etwas dafür tun.“ Diesen Appell hatte Hermann-Josef Koch, Fußball-Kreisvorsitzender, während der Arbeitstagung im August in Dringenberg an die Vereinsvertreter gerichtet.

Und sie taten etwas dafür. Viele von ihnen sogar über die eigentlichen Kräfte hinaus. Sie erstellten Hygienekonzepte, sorgten für Einlasskontrollen am Platz, erfassten penibel die Anwesenden, stellten Desinfektionsmittel bereit und ermahnten immer wieder, die Abstandsregeln einzuhalten. Fußball wird ab sofort und vermutlich für den Rest des Jahres trotzdem nicht mehr gespielt.

Die Absage tut weh, auch weil die Ansteckungsgefahr auf dem Fußballplatz von vielen Experten als sehr gering eingestuft wird. Und trotzdem hat die große Mehrheit der heimischen Vereinsvertreter genau eine solche klare Absage des Verbandes schon ein, zwei Wochen früher gefordert. Viele Ehrenamtliche haben sich über die Maße engagiert, fühlten sich aber auch allein gelassen, wenn immer neue Regelungen per Mail mitgeteilt und sofortige Umsetzung verlangt wurden.

Sie schnaufen jetzt erst einmal durch und sind letztlich erleichtert - so widersinnig es sich anhören mag - dass der Fußball zum zweiten Mal in diesem Jahr unterbrochen wird.

Vier Wochen dauert die Pause. Erst einmal. Und dann? Eine Frage, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Die Verantwortlichen wären gut beraten, schon jetzt offiziell die Winterpause einzuläuten. Die aktuelle Pause gilt bis Ende November. Bis dahin darf auch nicht trainiert werden. Es ist schwer vorstellbar und Aktiven und Verantwortlichen nicht zumutbar, dass dann ausgerechnet im Dezember wieder gespielt werden soll.

Mit einer vernünftigen Vorbereitung auf den Re-Start im Frühjahr wäre in der jetzigen, schwierigen Situation allen am meisten geholfen.

 

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