Wesers Trainer Marcus Menzel im Sportgespräch
„Müssen jede Woche ans Limit gehen“

Beverungen (WB). „In meiner Fußball-Laufbahn habe ich es noch nicht erlebt, ein 0:3 nach 30 Minuten am Ende in einen 4:3-Sieg umzuwandeln“, sagt Marcus Menzel. Der Trainer des Fußball-Bezirksligisten FC Blau-Weiß Weser blickt damit auf die tolle Aufholjagd seines Teams beim RSV Barntrup zurück. Im Gespräch mit Redakteur Günter Sarrazin geht er auf die Rolle des Nachwuchses in seiner Elf, die ersten fünf Spieltage und die kommenden Aufgaben ein.

Dienstag, 06.10.2020, 16:46 Uhr
„Dass es nach dem Umbruch und der Verjüngung schwer wird, war uns bereits vor der Saison klar“, sagt Marcus Menzel. Foto: Rene Wenzel

 

Herr Menzel, liegen Ihrer Mannschaft die Teams aus dem Lipperland besser?

Marcus Menzel: (lacht) Das ist eine gute Frage. Vielleicht geht man etwas unvoreingenommener in die Spiele, da man die Gegner nicht so gut kennt. Grundsätzlich glaube ich aber nicht, dass das der Fall ist und uns die lippischen Mannschaften besser liegen.

Nach drei Derbyniederlagen hat Ihre Elf aber den Tabellenführer Hiddesen/Heidenoldendorf entthront und jetzt ein kurioses Spiel in Barntrup gewonnen.

Menzel: Ja, das stimmt. Es spielt aber wohl eine größere Rolle, dass unsere Mannschaft sehr jung ist und einfach erst einmal in die Spur finden musste. Der Weg ist noch nicht zu Ende. Es handelt sich immer um Momentaufnahmen. Bei jungen Mannschaften muss man stets mit Schwankungen rechnen. Die Spieler haben noch nicht das Selbstverständnis, das Akteure besitzen, die fünf, sechs Jahre in der Bezirksliga spielen. Vielleicht war der Respekt auch anfangs zu groß. Fußball ist ja immer auch eine Kopfsache.

Wie viel Auftrieb hat der Sieg gegen die SG Hiddesen/Heiden­oldendorf gegeben?

Menzel: Natürlich haben wir damit mehr Selbstbewusstsein bekommen. Viele Dinge, die vorher mit geringerem Selbstvertrauen nicht funktioniert haben, funktionieren nach einem Sieg gegen den Tabellenführer anders, als wenn man vorher ein paar Spiele am Stück verloren hat. Wichtig war, dass wir in der Defensive besser agiert haben. Schon im Spiel zuvor gegen Höxter hatten wir unser System etwas umgestellt. Zwar haben wir dort 0:3 verloren, aber nicht viel zugelassen. Was wir zugelassen haben, hat der SV Höxter gut genutzt. Trotzdem hat man schon gemerkt, dass wir deutlich kompakter gestanden haben. Und dass etwas mehr gehen kann. Gegen Höxter hat es lediglich an den Offensivaktionen gefehlt. Das war in den beiden anschließenden Spielen gegen Hiddesen und nun Barntrup etwas besser.

Was haben Sie nach den ersten drei Spielen mit den drei Derbyniederlagen gedacht?

Menzel: Natürlich war ich nicht begeistert, aber drei Spiele sind nicht gleich richtungsweisend. Dass es nach unserem personellen Umbruch und der starken Verjüngung schwer wird, war uns bereits im Vorfeld der Saison klar. Das wissen wir auch jetzt. Wir müssen uns jede Woche neu beweisen und ans Limit gehen.

Und dabei gilt es weiterhin, allerhand Ausfälle und die Abgänge zu ersetzen?

Menzel: Ja, mit Anil Okur, Moritz Hake, Niklas Kempowski, Timo Bornscheuer, Wieland Stürznickel und mir haben wir aktuell sechs Ausfälle – und das bei einem Kader von 19 Spielern. Bei Anil gehe ich davon aus, dass er nächste Woche wieder ins Training einsteigen kann. Gleiches gilt für Moritz Hake und Wieland Stürznickel. Bei Timo Bornscheuer, Niklas Kempowski und mir müssen wir noch abwarten. Da kann man jetzt noch keine Prognose stellen.

Wie unglücklich ist das Verletzungspech für die Neuzugänge, die noch in keinem Bezirksligaspiel dabei sein konnten?

Menzel: Das ist wirklich unglücklich. Niklas Kempowski und Wieland Stürznickel, die zu unseren insgesamt vier Neuzugängen gehören, haben sich in der Vorbereitung verletzt. Sie können noch nicht wieder trainieren, sind aber häufig beim Team.

Wie macht sich der Nachwuchs, der in eine neue Rolle wachsen und mehr Verantwortung übernehmen soll?

Menzel: Noah Mönkemeier, Noah Rodermund, Nicolas Deutsch, Leon Wielert, Louis Schreck, Luca Rikus und Jonathan Hoffmann sind Spieler, die im zweiten und dritten Jahr im Bezirksliga-Team dabei sind. In der ersten Saison haben sie als Ergänzungsspieler hineingeschnuppert, vorige Saison konnten sie wegen des Abbruchs nicht so viel Erfahrung sammeln wie erhofft. Jetzt müssen sie einfach mehr Verantwortung übernehmen und wachsen da Schritt für Schritt hinein.

Wie beurteilen Sie die Lage der Liga nach fünf Spieltagen?

Menzel: Der Post TSV Detmold macht mit fünf Siegen einen überragenden Eindruck, ohne dass ich das Team gesehen habe. Zwei, drei Mannschaften tummeln sich im oberen Tabellendrittel, die dort auch bleiben werden. Dazu gehört der SV Dringenberg. Der Rest ist recht ausgeglichen, wobei allerhand Vereine den Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben haben.

Wohin soll die Reise des FC Blau-Weiß Weser in den nächsten Wochen gehen? Mit Lipperreihe kommt eine junge, offensivfreudige Mannschaft. Dann geht es zum TuS Lügde und Ende des Monats gastiert der SV Dringenberg.

Menzel: Lipperreihe schätze ich schon recht stark ein. Dringenberg auch. Es ist ein ausgeglichenes Programm. Wir wollen versuchen, an die zuletzt gezeigten Leistungen anzuknüpfen und unsere Punkte zu sammeln.

Dabei muss es nicht immer so nervenaufreibend sein wie am vergangenen Sonntag.

Menzel: In meiner Fußball-Laufbahn habe ich es noch nicht erlebt, ein 0:3 nach 30 Minuten am Ende in einen 4:3-Sieg umzuwandeln. Wir sind nach vorne marschiert und Barntrup hat unsere Lücken eiskalt genutzt, wobei wir die spielbestimmende Mannschaft waren und mehr Torchancen hatten. Dass wir das Ding gedreht haben, war eine starke Leistung, die von einer gewissen Mentalität zeugt. Sie zeigt auch, wie gut der Mannschaftsgeist ist. Darauf wollen wir weiter aufbauen.

Welche Lehren ziehen Sie aus dem Spiel?

Menzel: Man freut sich darüber, gewonnen zu haben, man muss aber auch gucken, warum wir 0:3 zurückgelegen haben, denn im Normalfall holt man das nicht auf. Wir müssen daran arbeiten, solche Rückstände zu vermeiden.

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