Tischtennis: Kreisvorstand Höxter/Warburg ist gegen die Strukturreform des Verbandes
„Wir sehen keinen Vorteil“

Kreis Höxter (WB). Der Westdeutsche Tischtennisverband plant eine groß angelegte Strukturreform. Demnach sollen die Kreise Höxter/Warburg und Paderborn schon ab Juli 2022 eine Einheit bilden. Doch gerade im Kreisvorstand Höxter/Warburg bildet sich Widerstand gegen die Pläne.

Freitag, 29.05.2020, 05:00 Uhr
Dieser Ausschnitt aus einer Grafik des Westdeutschen Tischtennisverbandes verdeutlicht, wie Ostwestfalen-Lippe eingeteilt werden soll. Aus den bisherigen Kreisen Höxter/Warburg und Paderborn wird eine Einheit. Gar nicht einverstanden damit ist der Vorstand Höxter/Warburg um den Vorsitzenden Wolfgang Klare (links). Foto: Montage Kathrin Fischer

„Wir sehen da überhaupt keinen Vorteil für uns“, bringt es Kreisvorsitzender Wolfgang Klare auf den Punkt. „In ganz Nordrhein-Westfalen ist die Stimmungslage aber eine andere. Dort gibt es wohl mehr Befürworter als Kritiker“, schätzt der heimische Tischtennischef.

16-köpfige Arbeitsgruppe

Hauptgrund der Reform, die beim Verbandstag 2019 angestoßen worden ist und seitdem in einer 16-köpfigen Arbeitsgruppe vorangetrieben wird, ist der Rückgang an Mannschaften im Verbandsgebiet. Dieser soll gestoppt werden. Außerdem versprechen sich die Verantwortlichen ausgeglichenere Ligen. Zudem benötige man weniger ehrenamtliche Mitarbeiter, könne transparenter arbeiten und alle Ebenen besser in den Entwicklungsprozess einbeziehen, heißt es in einer Stellungnahme des WTTV-Präsidenten Helmut Joosten im jüngsten Verbandsorgan. Dort werden auch bessere Möglichkeiten der Nachwuchsförderung angemerkt.

„Fahrten zu weit“

Im Kreis Höxter/Warburg ist man anderer Ansicht. „Wir sehen den ländlichen Raum in der Strukturreform zu wenig berücksichtigt“, betont Wolfgang Klare.

„Bei uns sind die Fahrten zu den Auswärtsspielen weiter als in den Ballungszentren an Rhein und Ruhr. Es ist Eltern schwer vermittelbar, wenn wir mit den Kindern unter der Woche weite Auswärtsfahrten bis nach Paderborn unternehmen müssten.“ Dadurch sei mittelfristig sogar ein Rückgang an Mannschaften zu befürchten, meint Wolfgang Klare.

Noch noch zwei Ebenen

In der neuen Struktur wären die Bezirke, also die Einheit Höxter/Warburg/Paderborn, die unterste Ebene, danach käme gleich der Verband. Aktuell gibt es drei Ebenen. Was das für Kreismeisterschaften oder eventuelle Bezirksmeisterschaften bedeuten würde, ist noch unklar.

„Darauf haben wir noch keine Antwort erhalten“, so Klare. Der Verband hat lediglich festgelegt, dass die neuen regionalen Grenzen für die Qualifikationswettbewerbe für WTTV-Veranstaltungen gelten.

Kreisversammlung tagt in Ossendorf

Die Vereine des Kreises sollen während der Kreisversammlung am 25. Juni in Ossendorf über den Stand der Strukturreform informiert werden. „Wir wollen dann von den Vereinsvertretern ein Votum einholen und werden den Willen der Mehrheit Richtung Duisburg vertreten“, betont Klare.

Dabei hofft er, die Versammlung in der Gemeindehalle durchführen zu können. „Die Halle ist recht groß. Da dürften wir die Hygiene- und Abstandsbestimmungen einhalten können. Wir stehen aber in Kontakt mit der Stadt Warburg und werden kurzfristig entscheiden, ob wir uns versammeln können oder eine Telefonkonferenz durchführen. Aktuell haben wir die Freigabe der Stadt“, berichtet der Bühner.

Bedenken formuliert

Grundsätzlich habe der Kreisvorstand seine Bedenken dem Verband bereits in einem Schreiben mitgeteilt. „Natürlich darf man nicht stehen bleiben und muss sich weiter entwickeln. Vielleicht kann man aber erst mal auf kleinerer Ebene damit beginnen und zum Beispiel die zahlreichen Spielsysteme vereinheitlichen“, sieht Klare einen anderen Ansatzpunkt für Reformen. Außerdem könne man mit Nachbarkreisen zunächst in wichtigen Fragen wie der Sportentwicklung zusammenarbeiten, bevor man gleich fusioniere.

„Aus Sicht des Tischtenniskreises Höxter/Warburg überwiegen in der geplanten Reform die Risiken“, fasst Wolfgang Klare seine Sicht und die seiner Vorstandskollegen zusammen.

EIn Kommentar von Sylvia Rasche

Besser geht es immer. Trotzdem muss der Blick auf den aktuell guten Status quo des Tischtenniskreises Höxter/Warburg erlaubt sein. Die Vorstandsämter sind mit engagierten Mitarbeitern gut besetzt. Die Jugendarbeit hat mit dem vereinsübergreifenden Konzept sogar neue Maßstäbe gesetzt. Seit ein paar Jahren stehen den heimschen Nachwuchsspielern bei Bezirksmeisterschaften regelmäßig die meisten Quotenplätze zu.

Erst vor 15 Jahren sind die alten Kreise Höxter und Warburg eine von beiden Seiten nicht gewünschte Zwangs-Ehe eingegangen. Das ist nicht ohne Verluste geschehen, aber im Nachhinein doch gut gegangen. Die weiten Fahrten waren schon damals ein Argument gegen die Fusion und sind es heute mit den noch weiteren Anreisen bis in den Altkreis Büren wieder. Wo zieht man die Grenze des noch Machbaren, wo ist es für die breite Masse der Hobbysportler zu viel Aufwand, so dass sie die Segel streichen?

In Ballungsräumen, in denen die Anreise zum Auswärtsspiel mit ein paar Straßenbahnstationen einhergeht, spielen solche Fragen keine Rolle. Trotzdem dürfen die Macher der Reform auch den ländlichen Raum nicht vergessen. Schon gar nicht, wenn dort so gut gearbeitet wird wie im Kreis Höxter/Warburg.

 

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