Große Turniere mit Kreismeisterschaften in Brakel und Warburg abgesagt
Germete und Alhausen planen Auftakt

Kreis Höxter (WB). Der RV Nethegau Brakel und der RV Warburger Land haben ihre großen Sommerturniere abgesagt. Müssen die heimischen Reiter die grüne Saison aufgrund der Corona-Krise komplett abhaken und welche Auswirkungen hat das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August auf den Reitsport?

Freitag, 01.05.2020, 03:30 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 05:00 Uhr
Bei den heimischen Voltigierern, wie hier beim RV Nethegau Brakel, ist die Aufnahme des Trainings- und Turnierbetriebes als Mannschaftssport mit engem Körperkontakt noch fraglich. Foto: Lena Brinkmann

Noch mindestens bis zum 3. Mai bleiben Sportanlagen geschlossen und es finden keine Veranstaltungen statt. Die Reiter zählen zu den Sportbranchen, die von einer Lockerung der Coronavirus-Einschränkungen im Hinblick auf Training der Pferde, Reitunterricht und Durchführung von Turnieren wohl am ehesten profitieren. Für die Turniere geht der Dachverband der deutschen Reiter, die FN, davon aus, dass jedes Bundesland für sich festlegen wird, ab wann eine Veranstaltung als Großveranstaltung definiert wird. Zu erwarten ist eine Orientierung an der Zahl anwesender Personen, jedoch gibt es dazu bisher noch keine näheren Informationen. In einer Presseerklärung berichtet FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach für die Reitvereine: „Wir setzen uns dafür ein, dass an einem nicht allzu fernen Tag X vor dem 31. August wieder Turniere und Prüfungen stattfinden dürfen – nur eben nicht als Großveranstaltung. Höchstwahrscheinlich werden die ersten Turniere dann noch unter besonderen Bedingungen, also mit strikten Abstands- und Hygieneregeln stattfinden müssen.“

Lauterbach ruft die Turnierveranstalter zur Besonnenheit auf und rät zur Verlegung des Nennungsschlusses näher an den Turnierbeginn, um maximale Flexibilität bei der Planung zu erhalten. Dieser Empfehlung ist der RV St. Georg Diemeltal vorerst mit seinem Jugendturnier mit Reitertag am Fronleichnamswochenende, Donnerstag, 11. und Samstag, 13. Juni, gefolgt. „Wir hoffen, dass unser Fronleichnamsturnier als rein sportliche Veranstaltung, damit insbesondere die jungen Reitermal wieder aufs Pferd kommen, stattfinden kann“, stellt Gregor Ernst, Vorsitzender des RV St. Georg Diemeltal heraus.

Die Außenreitanlage in Germete ist groß und mit dem kleinen Turnier im Juni hat der Verein keine großen Fixkosten. „Wir müssen jedoch abwarten. Wenn die Auflagen zu groß werden und wir an Kosten als Verein drauflegen müssen, wird das Juniturnier nicht stattfinden. Wir hoffen, in den kommenden Tagen auf konkrete Informationen der FN im Hinblick auf die Durchführung von Turnieren. Spannend bleibt dann auch die Planung für unser großes Reitsport- und Show-Event am ersten Septemberwochenende, das gleicht in Germete ja einem Volksfest“, führt Gregor Ernst weiter aus.

Die Verantwortlichen des RV Nethegau Brakel und des RV Warburger Land sehen ihre traditionellen Sommerturniere, in Brakel mit Kreismeisterschaft vom 19. bis 21. Juni und in Warburg mit Kreisstandarte vom 11. bis 12. Juli, als Großveranstaltung und haben diese bereits abgesagt. Die Fixkosten sind dafür zu groß und beide Vereine finden, dass es momentan der falsche Zeitpunkt ist, Sponsoren für ein Reitturnier zu belasten. Ohne Sponsoren seien Reitturniere in diesen Größenordnungen auch nicht durchführbar. „Das ist sehr schade, denn das Reitturnier ist die Haupteinnahmequelle des Vereins. Zumal wir in diesem Jahr extra unseren Vorbereitungsplatz erneuern“, betont Elmar Meßler, Vorsitzender des RV Warburger Land.

Für den Brakeler Vorsitzenden Heinz Kirchhoff ist das Risiko einer Ansteckung nach wie vor zu groß: „Da wir unser Sommerturnier als Charityveranstaltung mit Abendprogramm durchführen, war uns schnell klar, dass wir es in diesem Jahr absagen müssen. Selbst mit Einschränkungen ist die Ansteckungsgefahr noch zu groß, da hätten wir kein ruhiges Gewissen. Auch unserem Sportpartner Pferd, den wir bisher ja nur artgerecht bewegen, aber nicht trainieren durften, wäre ein Turnierkaltstart gleich in der schweren Klasse nicht zumutbar. Für die Meisterschaften und diversen Qualifikationsprüfungen wird es in diesem Jahr dann sicherlich kurzfristig Notlösungen im Herbst geben können“, hofft Heinz Kirchhoff, der auch den traditionellen Brakeler Mairitt an diesem Freitag, 1. Mai absagen musste.

Die Reitsportgemeinschaft Eggeland Alhausen würde ihr Turnier vom 26. bis 28. Juni auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchziehen. „Wir wissen noch überhaupt gar nicht, ob das funktioniert und mit welchen Auflagen wir zu rechnen haben. Aber wir wollen uns trauen, den Anfang zu machen, ohne dabei den großen Gewinn im Hinterkopf zu haben“, berichtet Alhausens Vorsitzende Sandra Redder. 

Die RSG kann sich ihr Turnier dann zum Beispiel mit einer Reduzierung der Preisgelder und nur einer Begleitperson pro Reiter vorstellen.

Nun hoffen die heimischen Pferdesportler aber erst einmal auf eine Lockerung der Maßnahmen in den Reitställen und Vereinsanlagen, dass überhaupt wieder Training und Reitunterricht stattfinden kann. „Unser Sport ist ja prädestiniert, Abstandsregeln einzuhalten. In Österreich sind Golf, Reiten und Tennis bereits seit zwei Wochen wieder erlaubt“, weiß der Brakeler Heinz Kirchhoff.

Beim im Kreis Höxter begehrten Mannschaftssport Voltigieren gestaltet sich die Wiederaufnahme vom Trainingsbetrieb beziehungsweise Voltiturnieren schwieriger. Das Highlight für die Brakeler Vorzeigevoltis mit den westfälischen Meisterschaften vom 20. bis 21. Juni in Paderborn ist abgesagt. Die Deutschen Meisterschaften im September noch nicht.

„Wir benötigen dann für Pferde und Voltis eine gewisse Zeit an Training, um zum Turnier fahren zu können. Turniere wären momentan auch nicht wichtig. Wir wären ja schon froh, wenn es Lockerungen gibt, einzeln auf dem Pferd voltigieren zu können. Die Kinder und Jugendlichen vermissen ihren Sport so sehr und benötigen ihn dringend als Ausgleich“, stellt Anna Brinkmann abschießend fest. Brakels Voltitrainerin hofft, dass die Volti-Kreismeisterschaften in Brakel im Oktober gewohnt stattfinden können und dann regen Zuspruch finden.

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