Ex-Profi führt SG Bellersen/Nethetal/Bökendorf in der B-Liga nach oben
„Zentren und Hobbyligen kommen“

Bellersen   (WB/üke). Mentalität, Einstellung, Wille. Das sind Begriffe, die das Fußballerleben von Heiko Bonan geprägt haben. „Wohin die Reise einer Mannschaft geht, entscheiden größtenteils die Spieler“, ist der ehemalige Nationalspieler der DDR überzeugt. Im Kreis Höxter ist der 53-Jährige, der in Haldensleben bei Magdeburg geboren wurde, längst heimisch. Bonan trainiert den B-Ligisten SG Bellersen/Nethetal/Bökendorf. Im Interview mit Redakteur Jürgen Drüke wird deutlich, dass es Bonan Spaß macht und für ihn deshalb noch lange nicht Schluss ist.

Freitag, 06.12.2019, 03:19 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 06:22 Uhr
Nicht nur der Handschlag steht von Heiko Bonan bei den Fans hoch im Kurs. Die Meinung des Ex-Profis hat Gewicht. Foto: Jürgen Drüke

Herr Bonan, wie groß ist der Unterschied zwischen Profifußball und purem Amateursport? Oder etwas überspitzt formuliert: Warum trainieren Sie bei Ihren Möglichkeiten so weit unten?

Heiko Bonan: Sport definiert sich unter anderem stark über Ziele, Einstellung, Motivation und Teamgeist. Das ist in der Bundesliga wie in der Kreisliga. Insofern kommt es darauf an, wie jemand hinter seinem Sport steht. Begeisterung ist wichtig. Bei der SG Bellersen, hier sind die Dörfer Bökendorf, Bellersen, Rheder, Riesel und Istrup in einer Fußball-Gemeinschaft zusammengeschlossen, sind engagierte Sportler und Vorstandsmitglieder am Werk. Wir wollen zusammen etwas erreichen. Es ist eine reizvolle und sicherlich auch herausfordernde Aufgabe. Da ich mit meiner Lebensgefährtin Tina Drewitz, die den Frauen-Regionalligisten SV Bökendorf trainiert, in Bökendorf wohne, liegt meine Trainertätigkeit bei der heimischen Seniorenmannschaft nahe. Als Trainer habe ich im Kreis Höxter bereits den TuS Bad Driburg und den FC BW Weser in der A-Liga und Bezirksliga trainiert. Also, es mangelt nicht an Erfahrung im Kreisligafußball.

 

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Bundesliga und Kreisliga?

Bonan: Profis verdienen wesentlich mehr, weil Sie das Glück hatten, ihr Hobby zum Beruf machen zu dürfen. Die Trainingsintensität ist eine ganz andere. Für mich ist ein wesentlicher Unterschied die Trainingsbeteiligung: Während in der Bundesliga zwangsläufig alle Spieler und Torhüter an zwei Einheiten am Tag teilnehmen, sind das in der Kreisliga während der zwei Trainingseinheiten in der Woche nur selten alle Akteure. Entsprechend sind Einheiten über den gesamten Platz kaum angesagt. Beruf und Studium lassen eine komplette Trainingsbeteiligung eben nur selten zu. Wenn Spielformen Sieben gegen Sieben inklusive zweier Torhüter auf dem Plan stehen, ist das schon gut. Kreisligisten trainieren meistens freitags, weil die meisten Teammitglieder dann vor Ort sind. Der Spaß steht in der Kreisliga an erster Stelle. Ehrgeiz schadet allerdings keineswegs.

 

Hat sich gegenüber den vergangenen Jahren die Einstellung verändert?

Bonan: Das Freizeitverhalten hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Die demografische Entwicklung ist auf dem Land ein Nachteil. Fußball steht als Hobby längst nicht mehr an erster Stelle. Junge Menschen wollen viel mitnehmen und erleben. Fußball in den unteren Ligen kann schön sein, wenn die Spieler überwiegend mitziehen und eine Gemeinschaft sind.

Welchen Kurs wird der Kreisligafußball aus Ihrer Sicht einschlagen? Hat der Amateurfußball noch eine Perspektive?

Bonan: In Bielefeld gibt es bereits seit 1976 eine sogenannte “wilde Liga“. Fußballer gehen ungezwungen ihrem Hobby nach. Gespielt wird ohne Schiri. Die Mannschaften müssen sich bei strittigen Szenen untereinander einigen. Zwangsläufig werden Gegner zu Mitspielern. Die wilde Liga hat den Geist der Stadt inzwischen über vier Jahrzehnte geprägt. Aus meiner Sicht werden Hobbyligen in Zukunft zunehmen. Gespielt wird nicht mehr regelmäßig, vielleicht in Turnierform an bestimmten Tagen. Im ländlichen Raum ist das wiederum eine Chance für den Fußball.

 

Wie wird sich der Fußball im Kreis Höxter verändern?

Bonan: Der Leistungsunterschied zwischen Bezirksliga und Kreisliga wird immer größer. So wie es in den höheren Spielklassen bereits zwischen der Oberliga und der Regionalliga der Fall ist. Es wird immer weniger Junioren- und Seniorenteams geben. Fußball wird sich vorrangig auf die Städte wie Brakel, Höxter, Nieheim, Warburg oder Borgentreich konzentrieren. Dorfvereine werden sich über Spielgemeinschaften definieren. Die Nachwuchsförderung wird den Vereinen zugute kommen, die engagierte Kräfte, Trainer und Obmänner in ihren Reihen haben. Der Wille ist entscheidend.

Die SG Bellersen/Nethetal/Bökendorf überwintert in der B-Liga Nord auf Rang vier. Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Bonan: Die Dörfer der Spielgemeinschaft leisten eine gute Nachwuchsförderung. Die A-Jugend hat im Frühjahr den Sprung in die Bezirksliga über die Aufstiegsrunde nur knapp verpasst. Im nächsten Jahr werden erneut Talente in die Erste aufrücken. Zahlreiche unsere Akteure sind bei der Spvg Brakel ausgebildet worden – das ist ein großer Vorteil. Insbesondere in der Kreisliga ist über Kondition, Kraft und Fleiß sehr viel möglich. In dieser Saison zeigen in der B-Liga Nord der TuS Lüchtringen und der SV Bredenborn, was möglich ist, wenn der Aufstieg nicht nur das Ziel ist, sondern entsprechend auf das Ziel hintrainiert wird. Wir haben neun Punkte Abstand auf Spitzenreiter TuS Lüchtringen. In dieser Saison wäre schon eine Serie notwendig, um den Aufstieg zu schaffen Am Ende entscheiden vorrangig die Spieler was geht. Der große und der kleine Fußball haben sich verändert. Die Einstellung zur Sache ist eine andere geworden. Willensstarke Teams werden trotzdem nach wie vor ihre Ziele erreichen.

Eine bewegte Karriere

 

Heiko Bonan hat das letzte Länderspiel für die ehemalige DDR bestritten und war nach der Wiedervereinigung unter anderem Profikicker beim Karlsruher SC und VfL Bochum.

Mit sechs Jahren begann Heiko Bonan in der Jugend der BSG Medizin Haldensleben mit dem Fußballsport. Als Zwölfjähriger fiel er den Spähern des 1. FC Magdeburg auf und wechselte zum FCM. Ab 1978 besuchte der talentierte Kicker die dortige Kinder- und Jugendsportschule. Bonan galt als größtes Magdeburger Talent in den achtziger Jahren. Im Frühjahr 1984 holte Magdeburgs Chef-Trainer Claus Creul den damals 18-jährigen Abiturienten in die Oberliga-Mannschaft, wo Bonan sich ab der Spielzeit 1985/86 unter Trainer Joachim Streich im Seniorenbereich weiterentwickelte. Von 1984 bis 1989 wurde er in 119 Oberliga-Spielen für den 1. FC Magdeburg eingesetzt und erzielte dabei 14 Tore. Da die Magdeburger Ende der 1980er-Jahre nicht mehr zur absoluten Spitzenklasse des DDR-Fußballs zählten und Bonan mit einem Verein international spielen wollte, wechselte der Spieler im Sommer 1989 nach Berlin zum BFC Dynamo. Am 12. September 1990 war er im letzten Spiel der DFV-Nationalmannschaft im Einsatz. Es fand in Brüssel statt und endete nach zwei Toren von Matthias Sammer mit einem 2:0-Sieg für die DDR .

Nach der Wende wechselte Bonan ab der Saison 1991/92 zum VfL Bochum. Später spielte er für den Karlsruher SC. 2005 beendete er die aktive Spielerkarriere beim FC Gütersloh in der Oberliga. Bonan ist diplomierter Sportlehrer.

In der Saison 2005/06 trainierte Bonan gemeinsam mit Dirk van der Ven die Frauenmannschaft des FC Gütersloh 2000. Beim FSV Gütersloh war er ab 2009 Trainer und Sportlicher Leiter. 2011 wechselte Bonan nach Saudi Arabien. Im August 2013 übernahm der Fußballer durch und durch das Training beim Höxteraner Kreisligisten TuS Bad Driburg und stieg mit dem Team auf. Im Oktober 2014 wechselte Bonan zurück zum FC Gütersloh. Ab 2016/17 trainiert der Ex-Profi den westfälischen Bezirksligisten FC Blau-Weiß Weser. Seit Saisonbeginn ist Heiko Bonan Coach der SG Bellersen.

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