Tischtennis: 17 heimische Vereine haben neue Möglichkeit in der Hinrunde genutzt Frauen-Power in den Männerklassen

Kreis Höxter (WB). Frauen in Männer-Ligen: Das ist seit dieser Tischtennissaison im Kreis Höxter nicht mehr nur die Ausnahme, sondern immer öfter der Fall. 17 Vereine haben in der Hinrunde die neue Möglichkeit genutzt und auf weibliche (Ersatz-)Kräfte gebaut.

Von Sylvia Rasche
Gaby Daly, Vorsitzende des TTV Daseburg, hat schon erfolgreich in der Männer-Kreisliga ausgeholfen. Als Damenwartin des Kreisvorstandes sieht sie die Regelung allerdings kritisch und fürchtet auf lange Sicht den Untergang des Frauen-Tischtennis.
Gaby Daly, Vorsitzende des TTV Daseburg, hat schon erfolgreich in der Männer-Kreisliga ausgeholfen. Als Damenwartin des Kreisvorstandes sieht sie die Regelung allerdings kritisch und fürchtet auf lange Sicht den Untergang des Frauen-Tischtennis. Foto: Sylvia Rasche

Bis zum vergangenen Sommer durften Frauen nur dann bei den Herren mitmischen, wenn es im eigenen Verein keine Damen-Mannschaft gab. Diese Einschränkung wurde nun aufgehoben.

»Ich habe diese Saison sogar mehr bei den Herren gespielt als bei den Damen. Unsere Frauenmannschaften sind personell gut aufgestellt. Da habe ich gerne bei den Männern ausgeholfen«, sagt zum Beispiel Katja Friese. Die Bad Driburgerin kam vor der Saison aus Hessen zurück in den Kreis Höxter und hat auch dort schon in der Männermannschaft gespielt. »Ich fände es schön, wenn bei Kreis- oder Bezirksmeisterschaften auch Mixed angeboten würde«, regt die 56-Jährige an.

Manuela Bäckeralf vom SV Vörden ist schon lange bei den Herren aktiv, da es in ihrem Verein keine eigene Frauenmannschaft gibt. Seit fünf Jahren ist sie Mannschaftsführerin ihres Teams. »Ich fühle mich bei den Männern unserer “Vierten” ganz wohl«, lacht die Doppel-Bezirksmeisterin der Seniorinnen 40. Allerdings freut sie sich auch, bei Kreis- oder Bezirksmeisterschaften mal gegen Frauen spielen zu können. »Die haben eine andere Spielweise. Da kann ich viel lernen. In unserer 3. Kreisklasse spielen wir immer gegen dieselben. Da kennt man sich schon und weiß, wie der andere spielt«, berichtet die Vördenerin.

Beim TTV Daseburg haben Vorsitzende Gaby Daly und Nachwuchstalent Celine Dierkes mehrfach in der Herren-Kreisliga ausgeholfen. Daly feierte sogar zwei Einzelsiege. Anna-Lena Kraemer und Klaudia Oppermann spielten in der 2. und 3. Kreisklasse mit. »Ich fand das von der spielerischen Seite her sehr interessant. Männer spielen anders als Frauen, darauf muss man sich erst mal einstellen«, sagt Gaby Daly. Allerdings verliere man als Frau sehr schnell Ranglistenpunkte, wenn man in der Herren-Mannschaft aushelfe. »Ich habe die Erfahrung gemacht, dass 1500 Punkte bei den Männern und Frauen nicht identisch sind, sondern die Männer mit gleicher Punktzahl in der Regel stärker spielen«, betont Daly. Sie ist gleichzeitig als Damenwartin im Kreisvorstand aktiv und sieht das Thema daher auch kritisch. »Auf lange Sicht ist eine solche Regelung der Untergang des Damen-Tischtennis«, blickt die Daseburgerin voraus. Ihr Verein ist seit Jahren führend im Damen-Tischtennis im Kreis Höxter-Warburg, hatte lange sogar fünf Mannschaften und geht aktuell als einziger heimischer Verein mit vier Frauenteams an den Start.

Im Jugendbereich dürfen Mädchen schon länger auch bei den Jungs mitmischen. Davon machen einige Vereine verstärkt Gebrauch. So sind die Ossendorfer Kreisliga-»Jungen« in der Hinrunden ausschließlich mit weiblichem Personal angetreten und belegen den starken zweiten Platz!

Beim SV Bergheim spielen Miriam Thiele, Amelie Pucker und Lina-Marie Engelmann regelmäßig in der Jungen-Bezirksklasse und halten sich zusammen mit Jonathan Thiele und Niklas Scholtysik im oberen Mittelfeld der Liga. »Die Mädchen mussten sich an die Mentalität und die härtete Spielweise bei den Jungs erst gewöhnen, meistern das aber sehr gut«, sagt Jugendwartin Tanja Pucker. Schon vor zwei Jahren haben Amelie Pucker und Miriam Thiele in der Schüler-Bezirksklasse gute Erfahrungen gesammelt »und sehr viel mehr gelernt, als hätten sie bei den Mädchen gespielt«, betont Pucker. Normalerweise ist das Trio zudem in der Damen-Bezirksklasse aktiv. Lina-Marie Engelmann (12 Jahre) hat sogar in der 2. Herren-Kreisklasse gepunktet!

Jugendwartin Tanja Pucker hat wie ihre Vereinskolleginnen Mona Hausmann und Biljana Langanke in den Herrenmannschaften des SV Bergheim ausgeholfen. »Das hat viel Spaß gemacht, weil wir auf andere Spielsysteme getroffen sind«, sagt Pucker. »Ich hätte gedacht, dass Männer mit ähnlichen Ranglistenpunkten deutlich stärker sind als Frauen. Das hat sich in der Praxis bei uns aber nicht so bewiesen«, schildert sie andere Erfahrungen als zum Beispiel in Daseburg gemacht worden sind.

Als positiv bewertet Daniel Holzmüller, Mannschaftsführer des TTC Borgentreich III, die Regeländerung. »Bei uns ist es für beide Seiten gut. Wir haben Personalprobleme und sind froh, wenn die Frauen aushelfen. Sie spielen in ihrer Kreisliga nur mit acht Mannschaften und freuen sich, wenn sie zusätzlich zum Einsatz kommen«, fasst der Teamchef zusammen. Außerdem hätten sich die Damen »trotz der für sie ungewohnten Spielweise bei uns sehr gut geschlagen.« Vereinskollege Manfred Friebe, seit Jahrzehnten beim TTC aktiv, sieht es ähnlich. »Gerade die jungen Mädchen sind im offenen Spiel sehr stark. Da muss man schon mit sehr viel Schnitt ans Werk gehen, wenn man das Match gewinnen will...«

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