FC Stahle steigt mit einem Rekordergebnis von 38 Punkten ab Ein Fußball-Drama

Stahle (WB). Der Trainer steht 20 Minuten allein weit ab von seinen Spielern und telefoniert mit dem Smartphone fast in Minutenabständen. »Wie steht es in Barntrup?» Das Team wartet unterdessen am Mittelkreis und hofft auf ein weiteres Tor. Das müssen unbedingt die Warburger Sportfreund gegen Barntrup machen.

Von Jürgen Drüke
Kurz vor Schluss in Stahle: Trainer Norbert Dölitzsch lässt sich über den aktuellen Stand aus Barntrup informieren. Nur ein Sieg der Warburger bei den Lippern hätte den Schwarz-Weißen noch geholfen und den Klassenerhalt bedeutet.
Kurz vor Schluss in Stahle: Trainer Norbert Dölitzsch lässt sich über den aktuellen Stand aus Barntrup informieren. Nur ein Sieg der Warburger bei den Lippern hätte den Schwarz-Weißen noch geholfen und den Klassenerhalt bedeutet. Foto: Jürgen Drüke

Die Zuschauer fieberten am Spielfeldrand. Es sind 20 denkwürdige Minuten in Stahle. Der FCS hatte seine Pflicht längst erfüllt und gewonnen. Trotzdem, nur noch Warburg konnte nun den Abstieg des FCS aus der Bezirksliga verhindern.

Als in Stahle der Schlusspfiff ertönte und ein mühsamer 5:3-Erfolg gegen den SV Höxter amtlich war, lagen die Warburger 0:1 zurück. 20 Minuten waren in Barntrup noch zu spielen. 20 Minuten, die mit einem Happy End abschließen sollten. Um kurz vor 17 Uhr ertönte Jubel im weiten Rund in Stahle: Christian Rasche hatte für Warburg ausgeglichen – 1:1 in Barntrup.

Etwa fünf Minuten waren in der letzten Partie der Bezirksliga, Staffel drei, in der Saison 2016/17 nun noch zu spielen. Vier Minuten später dann Entsetzen und Köpfe, die sich bei allen Stahler Protagonisten nach unten senkten. Es flossen auch Tränen. Der unmittelbare Abstiegskonkurrent RSV Barntrup hatte 60 Sekunden vor Schluss das 2:1 erzielt und alle FCS-Hoffnungen zunichte gemacht. Ende und vorbei! Abstieg! Wenig später schritt FCS-Trainer Norbert Dölitzsch, sichtlich angeschlagen, zur Mannschaft und überbrachte die Nachricht, die so niemand hören wollte und eigentlich bereits wusste: »Wir sind abgestiegen. Das ist die bittere Realität nach einer insbesondere starken Rückrunde.«

Dölitzsch überbringt die Nachricht

Zurück zum Beginn des Abstiegs-Dramas am Sonntag, 28. Mai, in der Fußball-Bezirksliga, Staffel drei: Der Vorhang wurde eigentlich so recht erst geöffnet, als in Stahle abgepfiffen worden war. Und das obwohl das Derby gegen den SV Höxter verrückte Akte geboten hatte. Der FCS hatte zur Halbzeit mit 1:3-Toren hinten gelegen. In den zweiten 45 Minuten warfen sie ihre letzten Reserven in die Waagschale. Der sichere Absteiger SV Höxter wollte das letzte Saisonspiel gewinnen und holte sich in dieser Partie voller Emotionen noch drei Platzverweise ab. Aufsteiger Stahle drehte die Partie und verbuchte den Dreier. »Das war ein Nervenspiel.

Lob für das Team

Die Mannschaft hat letztlich große Moral gezeigt. So wie fast über die gesamte Saison«, resümierte und lobte Norbert Dölitzsch nach dem Schlusspfiff, um sich dann vollends auf die Geschehnisse zwischen dem RSV Barntrup und Warburg zu konzentrieren.

In Barntrup war die Partie am Sonntagnachmittag erst um 15.20 Uhr angepfiffen worden. Während Aufsteiger Stahle auf eigenem Platz gegen den bereits sicheren Absteiger SV Höxter bereits mit 0:2 im Hintertreffen lag, starteten die Lipper aus Barntrup erst in das »Unternehmen Klassenerhalt« am letzten und 32. Spieltag. Der Grund dafür: Die Warburger Sportfreund hatten ihre Trikots vergessen. Bis die Ausweichtrikots in Barntrup so kurzfristig gestellt worden waren, lagen die Stahler schon hinten.

Akt folgte auf Akt. Ein Krimi, ein Nervenspiel und ein bittres Ende für den Aufsteiger FC Stahle: »Wir behalten uns vor, ob wir einen Protest und damit sportrechtliche Schritte einleiten«, stellte Norbert Dölitzsch fest. Der FC Stahle steigt mit dem Rekordergebnis von 38 Punkten ab.

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar am Dienstag, 30. Mai, im WESTFALEN-BLATT, Lokalsport Höxter.

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