Fußballkreis trauert um Trainer-Legende Dietlef Bitterberg Motivator und Meistermacher

Kreis Höxter (WB). Trauer und Betroffenheit im Fußballkreis Höxter: Dietlef Bitterberg, über Jahrzehnte einer der bekanntesten und erfolgreichsten Trainer in der Region, ist vor einer Woche auf Sylt verstorben. Der Meistercoach ist nur 74 Jahre alt geworden.

Von Jürgen Drüke
Stolz: Dietlef Bitterberg präsentierte vor fünf Jahren eine Aufnahme mit Fritz Walter. Den Weltmeister von 1954 und Ehrenkapitän der deutschen Nationalmannschaft hatte Bitterberg während eines Urlaubs auf Sylt getroffen.
Stolz: Dietlef Bitterberg präsentierte vor fünf Jahren eine Aufnahme mit Fritz Walter. Den Weltmeister von 1954 und Ehrenkapitän der deutschen Nationalmannschaft hatte Bitterberg während eines Urlaubs auf Sylt getroffen. Foto: Jürgen Drüke

Bis zuletzt hat der Holzmindener das Fußballgeschehen verfolgt. Beim SV Höxter und beim SV Bredenborn schaute er sich Spiele an. Seine Meinung wurde immer noch geschätzt. Dietlef Bitterberg liebte und lebte Fußball.

Magier, Motivator, Meistermacher. Der ehrgeizige Coach prägte über Jahrzehnte das Geschehen im heimischen Fußball. Als Meistertrainer ist er in die Geschichte eingegangen. Seine Spieler, egal bei welchen Vereinen Bitterberg trainierte, verehrten ihn. »Die Mannschaftssitzungen waren legendär. Danach wolltest Du nur noch auf den Platz und gewinnen.« Das sagte vor einigen Jahren Claus-Dieter »Pele« Wollitz. Bitterberg hat Wollitz, der später unter anderem bei Bayer Leverkusen, Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Kaiserslautern spielte, als ganz jungen Spieler trainiert und dessen Weg weiter verfolgt und begleitet. »Auf dem Betzenberg war ich sehr oft Zuschauer. Wenn Pele für die Roten Teufel des 1. FC Kaiserslautern auflief und die Gegenspieler wie Slalomstangen umkurvte, ist mir das Herz aufgegangen«, beschrieb Bitterberg, der für den Ex-Profi, TV-Fußballexperten und Trainer eine Vaterfigur war. Micky Wollitz und Thomas Sagel, später ebenfalls Profikicker, gehörten bei der SpVg. Brakel zudem zu den Schützlingen von Bitterberg. Mit einem jungen Team ist Bitterberg 1983 überraschend in die Landesliga aufgestiegen. »Alle Akteure der Meistermannschaft haben ihren Weg gemacht und dem Sport viel zurückgegeben«, hob der Trainerfuchs hervor.

Am Spielfeldrand wie ein Vulkan

Am Spielfeldrand war Bitterberg wie ein Vulkan – immer in Bewegung. Fußball bedeutete 90 Minuten Volldampf. Unvergessen bleiben seine Purzelbäume nach besonders wichtigen Toren und Siegen. »Den Spielern des SV Bredenborn habe ich in unserer zweiten Meistersaison für jeden Sieg eine Flasche Baccardi versprochen. Am Ende standen nach der Spielzeit 1987/88 über 28 Flaschen und die Meisterschaft«, erinnerte sich Bitterberg gerne an die tollen Jahre bei den Gelb-Schwarzen.

Im Juli 2011, kurz vor seinem 70. Geburtstag, blickte Bitterberg gegenüber der WESTFALEN-BLATT-Lokalsportredaktion zurück. Der Sportsmann ließ dabei keinen Moment seiner eindrucksvollen Laufbahn aus. »Ich war bei tollen Vereinen tätig und habe super Menschen, Persönlichkeiten und starke Kicker kennenlernen dürfen. Ja, für den Fußball lebe ich bis zur letzten Minute«, hob der Rentner hervor.

Seine Ehefrau Elona war bei den Spielen fast immer dabei gewesen und fieberte mit. »Auch mein Sohn Dietlef feuerte als Kind meine Mannschaften an. Die Bitterbergs sind eben eine Fußballfamilie«, wusste und lachte Dietlef Bitterberg (senior) im Juli 2011 und war so angetan von seinem Enkelkind Dietlef-Moritz, der damals im D-Jugendteam des SV Holzminden spielte. Sein Sohn Dietlef ist Rechtsanwalt in Höxter und seit vier Monaten erster Vorsitzender des SV Höxter. »Darauf bin ich stolz«, sagte Bitterberg senior noch vor wenigen Wochen bei einem Besuch in der WB-Sportredaktion in Höxter.

Erfolgreiche Stationen

Zu Lebzeiten war Dietlef Bitterberg bereits eine Legende. Von 1954 bis 1967 spielte er beim damaligen FC Höxter und danach beim VfL Höxter. Von 1967 bis 1971 trainierte er den TSV Elbrinxen und stieg mit seinem Team dreimal in Folge von der C- bis in die Bezirksliga auf. Den SV Bredenborn hat der Motivator 1976 zur Meisterschaft und 1988 in die Bezirksliga geführt. Nach dem sensationellen Landesliga-Aufstieg mit der SpVg. Brakel 1983 erhielt der Meistertrainer vom damaligen Vorsitzenden Gustl Pech die silberne Ehrennadel des Vereins. Den FC Stahle coachte Bitterberg von 1972 bis 1974. 1973 war der Aufstieg der Stahler in die Bezirksliga eine Überraschung. Beim VfL Eversen war der Trainerfuchs Mitte der 80-ziger Jahre erfolgreich tätig. »Demnächst fahren wir über die Autobahn zu den Auswärtsspielen und springen nicht mehr über die Wiesenzäune«, erlebte der Coach mit der goldenen Eversener Fußball-Generation um Manfred Freitag, Werner Üpping, Appo Köhne und Co. eine »wunderschöne Zeit«.

Urlaub haben Dietlef und Elona Bitterberg fast in jedem Sommer auf Sylt gemacht. Hier ist Dietlef Bitterberg am Montag, 4. Juli, in einem Sylter Krankenhaus an Hirnbluten verstorben. Der Fußballkreis Höxter trauert. Das Mitgefühl gilt seiner Familie.

Die Beerdigung findet am Donnerstag, 14. Juli, um 12.30 Uhr in Holzminden von der Altendorfer Friedhofskapelle aus statt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.