Im Rentenalter ist für ehemalige Toppferde noch lange nicht Schluss „Alte Helden“ genießen den Unruhestand

Kreis Höxter  (WB). Was machen eigentlich die „Alten Helden“ des heimischen Reitsports wie „Paula Electra“, „Quidam“, „Arpeggia“ oder „Pearly Spencer“? Sie haben ihre Reiterinnen und Reiter aus dem Sportkreis Höxter von Erfolg zu Erfolg getragen. Einige der ausgewählten Vierbeiner sind bereits im Ruhestand, doch bei weitem noch nicht alle.

Von Lena Brinkmann
Zwei „Helden der Pferde” präsentiert die Brakelerin Mia Walter: Mit „Arpeggia” (links), dem einstigen Erfolgspferd von Mutter Ute, ritt die junge Brakelerin vor sechs Jahren ihre erste Jugendreiterprüfung. Heute sitzt das 13-jährige Talent im Sattel von „Lemon Park” (rechts), der mit Thomas Sagel bereits international erfolgreich war.
Zwei „Helden der Pferde” präsentiert die Brakelerin Mia Walter: Mit „Arpeggia” (links), dem einstigen Erfolgspferd von Mutter Ute, ritt die junge Brakelerin vor sechs Jahren ihre erste Jugendreiterprüfung. Heute sitzt das 13-jährige Talent im Sattel von „Lemon Park” (rechts), der mit Thomas Sagel bereits international erfolgreich war. Foto: Lena Brinkmann

Die „Herzenspferde“ stehen nicht nur aufgrund ihrer herausragenden Erfolge, sondern vielmehr als ganz besondere Pferdepersönlichkeiten bei den Lokalmatadoren des Reitsports im Fokus.  

Die Alhausenerin Anncatrin Redder gewinnt 2013 mit „Perly Spencer” die Westfalenmsieterschaft. Foto: Lena Brinkmann

Vollschwestern

So wie die Vollschwestern „Arpeggia“ (21) und „Aemicita“ (18) auf dem Flechtheimer Hof der Familien Berendes und Walter in Brakel. „Die beiden sind absolute Familienmitglieder. Beide sind auf unserem Hof geboren und sind zwei Ausnahmepferde für mich. Selbst eingeritten und ausgebildet, hatte ich mit Arpeggia und Aemicita meine größten Erfolge bis zur S**-Platzierung. Die Stuten haben immer alles für mich gegeben“, berichtet Ute Walter. Nun genießen „Arpeggia“ und „Amy“ immer noch topfit ihren Lebensabend als Zuchtstuten auf dem Flechtheimer Hof. Bevor es für „Arpeggia“ damals jedoch in Teilzeitrente als Zuchtpferd ging, ritt die damals sechsjährige Mia Walter, älteste Tochter von Ute, ihr erstes Turnier auf der zuverlässigen Schimmelstute. Heute hat die mittlerweile 13-jährige Mia mit „Lemon Park“ ein weiteren Helden des heimischen Reitsports unter dem Sattel. Der Brakeler Thomas Sagel hat dem großen Talent sein einstiges Erfolgspferd zur Verfügung gestellt.

Nach seiner erfolgreichen Zeit als Springpferd zog „Quidam“ auf dem Hof Drewes in Brakel ein Waisenfohlen groß. Foto: Lena Brinkmann

Der imposante Schimmelwallach war mit Sagel bis S-Springen erfolgreich und ist auf den großen internationalen Turnierplätzen wie Berlin, Balve, Wiesbaden oder Hamburg gelaufen. Auch Mia Walter schwärmt vom 18-jährigen „Lemon Park“ mit dem sie beim Brakeler Frühjahrsturnier bereits im A-Springen platziert war: „Er ist ein sehr gutes Lehrpferd und total nervenstark, aber trotzdem keine Schlaftablette. Wenn Corona vorbei ist, möchte ich im Herbst auf dem Turnier mein erstes L-Springen mit ihm reiten.“

Keine Schlaftabletten

Keine Schlaftabletten sind auch die folgenden „Rentner“. Auf den Wiesen des Reiter- und Ferienhofs Redder in Alhausen legt „Pearly Spencer“ immer noch fröhliche Bocksprünge hin. Anncatrin Redder und „Pearly Spencer“ zählten zu den

„Paula Electra“ hat mit dem Jakobsberger Michael Lutter einst für spektakuläre Runden im Stechparcours gesorgt. Foto: Lena Brinkmann

erfolgreichsten heimischen Duos in den 2010er Jahren. Doch fast wäre es zu dieser Traumkombination gar nicht gekommen. Die Eltern Sandra und Hubertus Redder hatten die im Springparcours nicht zu bändigende, nur 1,54 Meter große Stute nach dem Ausprobieren wieder zurückgegeben. Die damals 14-jährige Anncatrin stellte sich jedoch quer: „Ich war sofort vernarrt und wollte Pearly oder kein anderes Pferd.“ Die quirlige „Pearly Spencer“ kam nach Alhausen zurück und was folgte war eine märchenhafte Erfolgsserie mit Siegen und Top-Platzierungen bis zum S**-Springen. Im erfolgreichsten Jahr 2013 gewann Anncatrin mit „Pearly Spencer“ die Westfalenmeisterschaft der Junioren Springreiter und ritt in Budapest in ihrem ersten Nationenpreis für Deutschland „Doppel Null“.  „Dieses kleine Pferd hat sich immer für mich zerrissen und gekämpft. Sie ist alles für mich gelaufen und deshalb haben wir sie berechtigterweise früh in die reiterliche Rente geschickt“, betont Anncatrin Redder, die bereits zwei Fohlen von „Canturano“ und „Cristallo“ aus ihrem mittlerweile 16-jährigen Erfolgspferd gezogen hat.

Name ist Programm

Wild geht es weiter, denn bei „Paula Electra“, ist der Name Programm. Bereits als Fohlen kannte die selbst gezüchtete Fuchsstute von Lutters aus Jakobsberg keine Angst, war wild und eigensinnig. „Der Durchbruch gelang Paula mit sechs Jahren in den Fehler/Zeit-Springen. Gegen die Uhr war sie in 88 Prozent der Springprüfungen platziert und hatte beim Internetportal Rimondo zeitweilen mit die besten Quoten. Auch wenn man als Reiter ihr Temperament in den Griff bekommen muss, ist es die Einfachheit, sie im Parcours schnell zu reiten. Das zeichnet sie aus“, betont Michael Lutter, der mit der schnellen Stute bis ­S-Springen platziert war und 2016 die Süd-Ost-Westfalenmeisterschaft gewann. Nach einer verletzungsbedingten Pause, in der „Paula Electra“ ein Stutfohlen Namens „Quibelle Electra“ von „Quo Vados“ bekam, geht sie nun wieder erfolgreich mit Lutters jüngster Tochter Victoria im Springparcours. „Paula ist unser besonderes Herzens- und Familienpferd“, stellt Michael Lutter heraus.

Unglaubliche Geschichte

Der folgendende Pferdepensionär hat nach seiner hocherfolgreichen Sportkarriere im vergangenen Jahr für eine unglaubliche Geschichte gesorgt. Nachdem eine Zuchtstute bei Drewes in Brakel eingegangen war, stellte Frank Drewes sein 25-jähriges Erfolgspferd „Quidam“ als „Ziehpapa“ zum Fohlen. Dieser kümmerte sich wie eine Löwenmutter um das Waisenfohlen und zog es im ersten Lebensjahr groß. „Das war ein Traum“, blickt Frank Drewes zurück. Der Brakeler hatte den damals dreijährigen Hengst „Quidam“ in Schleswig-Holstein eingetauscht. Insgesamt gewann Frank Drewes mit dem schicken Braunen 45 M-Springen, holte 25 S-Platzierungen, davon zwei Siege. Zudem zählten zwei Gesamtsiege im ­Detmoler Pilsener-Cup und einmal der zweite Platz im eon-Finale auf dem Paderborner Schützenplatz zur Statistik. Anschließend brachte der zuverlässige „Quidam“ auch die Brakelerin Ina Pichel im Springsattel groß raus und gewann mit ihr weitere M-Springen sowie Rang drei im Sparkassen Cup 2013. „Quidam ist ein spezielles Pferd. Mit viel Saft ausgestattet, war er zu seiner aktiven Zeit im Training oft übereifrig“, erinnert sich Frank Drewes gerne an die gemeinsame Karriere. Quidam ist noch topfit und geht heute noch gerne mit seiner jetzigen Reiterin Ina Pichel ins Gelände oder springt wild über Hindernisse.

Einfach „funny“

2017 schaffte Ann-Cathrine von Kanne mit dem Erreichen des Goldenen Reitabzeichens ihren bisher größten sportlichen Erfolg. „Funny Fashion“ machte es schlussendlich für die Steinheimerin mit der noch fehlenden S***-Platzierung möglich. So geschehen bei den Bexter Open 2017 in Herford. Jenem Turnier bei dem „Funny Fashion“ 2012 im zarten Alter von sieben Jahren auch ihr erstes S-Springen gewonnen hatte. Viele weitere Siege folgten. Geboren und ausgebildet bei von Kannes auf Gut Breitenhaupt, ließ die braune Stute von „For Pleasure“ zunächst weniger von ihrem Talent aufblitzen. „Mit sechs Jahren hatte Funny dann ihren sportlichen Durchbruch und sprang kraftvoll, dynamisch und sehr vorsichtig. Insbesondere vor großer Kulisse trumpfte sie auf, wie zum Beispiel in der Halle Münsterland, wo sie zweimal gewann. Sie ist von meinen Pferden, das mit den wenigsten Ecken und Kanten“, stellt Ann-Cathrine von Kanne heraus. Ungefähr zeitgleich ging es für „Funny Fashion“ und ihre Reiterin im vergangenen Jahr in Babypause. Während Ann-Cathrine von Kanne nach der Geburt ihrer Tochter bereits wieder im Sattel sitzt, fühlt sich auch „Funny Fashion“ mit ihrer neuen Aufgabe als Mutter von einem „Comme il faut“-Hengstfohlen pudelwohl.

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