Regionalliga: Bökendorf verliert gegen Spitzenreiter Borussia Bocholt unglücklich 1:2 Tor oder nicht Tor in der Nebelküche?

Bökendorf   (WB). Wütende Proteste der Bökendorfer Fans in der 90 Minute: Der Ball ist aus ihrer Sicht hinter der Torlinie gewesen. In der Nebelküche war die Situation für die meisten Zuschauer im weiten Rund eindeutig: Tor zum 2:2 für den SV Bökendorf gegen Borussia Bocholt. Wenige Sekunden später fragte der Unparteiische seinen Assistenten: „Es war kein Tor“, blieb der Mann an der Seitenlinie bei seiner Entscheidung. Der SV Bökendorf verliert nach aufopferungsvollem Kampf und den deutlich besseren Chancen sehr unglücklich 1:2 gegen den Primus.

Von Jürgen Drüke
Kampf pur: SVB-Spielertrainerin Tina Drewitz (links) setzt sich gegen die Bocholterin Alessandra Vogel durch. Mittelfeldspielerin Ina Wilm ist auf Höhe des Geschehens.
Kampf pur: SVB-Spielertrainerin Tina Drewitz (links) setzt sich gegen die Bocholterin Alessandra Vogel durch. Mittelfeldspielerin Ina Wilm ist auf Höhe des Geschehens. Foto: Jürgen Drüke

„Das war ein eindeutiges Tor“, sagt Tina Drewitz nach dem Schlusspfiff. Die SVB-Spielertrainerin musste es wissen, denn sie war unmittelbar beteiligt, da Drewitz den Ball nach Freistoßvorlage von Abwehrchefin Rike Tolckmitt mit dem Knie über die Kreidemarkierung gedrückt hatte. Die Bocholter Abwehrspielerinnen waren beim Klärungsversuch einfach zu spät dran gewesen. „Dem Schiedsrichterassistenten war wahrscheinlich die Sicht verdeckt oder besser formuliert vernebelt“, mutmaßte Heiko Bonan. Der Ex-Profi und Lebensgefährte von Tina Drewitz hatte nicht nur wegen der Minustemperaturen mit dem SV Bökendorf gezittert und wie die meisten Anhänger mit dem Vorletzten der Regionalliga gelitten.

Couragiert

Bökendorf zeigte eine couragierte Leistung und spielte im zweiten Durchgang ausschließlich auf das Bocholter Tor. Wer war hier eigentlich Spitzenreiter und wer Vorletzter? In der 31. Minute vergab Sarah Mönnekes die große Chance zum 1:0, als die SVB-Torjägerin völlig frei und unbedrängt nicht erfolgreich war. Die Bocholter Nummer eins Inge Tijnk hatte den Ball vorher nach Schuss von Marina Heidebrecht aus den Händen gleiten lassen. Der unmittelbare Gegenangriff des Tabellenführers war bereits abgefangen, doch die in den vergangenen Wochen so starke SVB-Torhüterin Chantal Woznitza vertändelte das Spielobjekt unbedrängt. Gästeangreiferin Michelle Büning sagte Danke und traf mühelos zum 1:0 (36.). Es sollte in der bis dato ausgeglichenen Partie noch dicker für das Kellerkind kommen: Per Flachschuss traf Jolina Opladen (40.) zum 0:2. Sarah Mönnekes vergab kurz vor dem Halbzeitpfiff aus kurzer Distanz die Möglichkeit zum 1:2.

Nur der SVB spielt

Nach der Pause spielte und drückte nur noch der SVB. Klasse Moral, starke Einstellung und auf schwer zu bespielbarem Rasen gekonnt vorgetragene Angriffe. Borussia Bocholt reagierte nur noch. Jana Leuchtmann scheiterte am glänzenden Reflex der Bocholter Nummer eins (48.) Bökendorf ließ nicht nach und belohnte sich: Leuchtmanns setzte sich durch und erzielte in der 63. Minute das längst überfällige 1:2. Druck und Kampf total vom Vorletzten gegen den Ersten der Regionalliga. Carla Oelmann verfehlte das Bocholter Tor in der 85. Minute um Zentimeter. Dann die bereits beschriebene Szene in der 90. Minute. Der vermeintliche Treffer wurde nicht gegeben. „Das ist bitter. Trotzdem war unsere Leistung gut“, sagte die enttäuschte Tina Drewitz später.

SV Bökendorf: Woznitza – Brecker (78. Henkenius), Schulte (83. Hoffmann), Drewitz, Heidebrecht, Lessmann (57. Oelmann), Mönnekes, Tolckmitt, Leuchtmann, I. Wilm, Dammeier

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Seit Wochen zeigen die Akteurinnen des SV Bökendorf starke Leistungen. Seit Wochen liefern sie kämpferisch überzeugende Auftritte ab. Seit Wochen belohnen sich die Rot-Weißen nur mäßig. Seit Wochen fehlt dem Drittligisten das Spielglück.

Das sind die Gründe für den vorletzten Platz. Der Mannschaft kann kein Vorwurf gemacht werden. Von Rückständen lassen sie sich beim SVB nicht beeindrucken. Die Mannschaft ist intakt.

Wer ist gestern eigentlich der Spitzenreiter gewesen? Und welches Team ist abstiegsgefährdet? Außenstehende hätten angesichts des Chancenplus für die Schützlinge von Tina Drewitz sehr wahrscheinlich den SVB eher als Bocholt oben eingeordnet.

Die ranghöchste Fußballmannschaft aus dem Kreis Höxter spielt mit den Spitzenteams der Regionalliga auf Augenhöhe. Ein wesentlicher Grund für den vorletzten Platz sind sieben Unentschieden in den bisherigen 13 Spielen. Fünf Partien hätte der Vorletzte dabei auch zu seinen Gunsten entscheiden können. Sieben Punkte aus 13 Partien sind wenig. Das Gute an der bedrohlichen Lage ist der geringe Abstand zum rettenden Ufer: Sechs Zähler sind es jeweils bis zum Elften SV Menden und zum Zehnten SV Budberg. Bökendorf hat noch ein Spiel weniger als Menden und Budberg. Den Sieg im letzten Spiel des Jahres hätte der SVB in Bochum aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs eigentlich verdient.

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