Brakeler Carsten Drilling und Barbara Drews durchqueren Wales Stärker als der Drache

Brakel (WB). Felsige Strecke, Nebel am Morgen, Sonnenbrand am Nachmittag und spektakuläre Aussichten. An fünf Tagen haben der Brakeler Carsten Drilling und seine Frau Barbara Drews Wales von Nord nach Süd durchquert. 315 Kilometer mit 15500 Höhenmetern in gut 60 Stunden!

Von Sylvia Rasche
315 Kilometer und 15500 Höhenmeter haben Carsten Drilling und Barbara Drews in Wales beim spektakulären Rennen bewältigt.
315 Kilometer und 15500 Höhenmeter haben Carsten Drilling und Barbara Drews in Wales beim spektakulären Rennen bewältigt.

»Das war das härteste Rennen, das wir beide zusammen gelaufen sind«, blickt der 44-Jährige auf eine ganz besondere Erfahrung zurück. Von Conwy Castle im Norden des Landes bis nach Llandelio im Süden war das Duo beim »Dragon´s Back Race« unterwegs und am Ende stärker als der Drache von Wales. Von den 223 Startern hielten nämlich nur 119 Athleten durch. Die anderen stiegen unterwegs aus. »Wir haben an den Etappenorten in großen Zelten mit je acht Personen übernachtet. Aus unserem Zelt sind nur Barbara und ich sowie ein Spanier im Ziel angekommen«, berichtet Carsten Drilling.

Der Brakeler Carsten Drilling und Barbara Drews gehören zu den 50 Prozent der Starter, die nach fünf Tagen das Ziel erreicht haben.

Schon der erste Tag des Etappenrennens hatte es in sich. »Wir mussten mehrere sehr felsige Passagen meistern. Einige waren wirklich gefährlich, zumal es zeitweise auch noch nebelig war«, erzählt Carsten Drilling. Um die zwölf Stunden war das Paar an allen fünf Tagen in den walisischen Bergen unterwegs. Dabei war die Strecke nicht ausgeschildert, sondern musste eigenständig navigiert werden. »Glücklicherweise gab es dieses Jahr erstmals einen GPS-Track für die Strecke. In den Jahren zuvor musste man sich mit Karte und Kompass den Weg suchen. Das wäre nicht so unsere Sache gewesen«, freut sich Drilling, der der Non-Stop-Ultra Brakel angehört, in Wales aber für das »Trail Magazin« startete, über technische Unterstützung.

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Um Gewicht zu sparen, haben wir jeweils nur 1,5 Liter Wasser eingepackt und unsere Flaschen unterwegs in Bächen aufgefüllt.

Carsten Drilling

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An verschiedenen Checkpoints mussten sich die Teilnehmer über den Tag verteilt einloggen. Verpflegungsstellen gab es allerdings nicht. Lediglich einen Stand pro Tag zum Auffüllen der Wasserflaschen. Proviant für zwölf Stunden und Getränke mussten Carsten Drilling und Barbara Drews im Rucksack mitnehmen, dazu war vom Veranstalter warme Kleidung und Regenschutz vorgeschrieben, um für einen möglichen Wetterumsturz gerüstet zu sein. »Um Gewicht zu sparen, haben wir jeweils nur 1,5 Liter Wasser eingepackt und unsere Flaschen unterwegs in Bächen aufgefüllt«, berichtet Carsten Drilling, der vor allem die Gemeinschaft unter den Läufern herausstellt. »Das ist das Schöne an Etappenrennen. Man lernt sich viel besser kennen und wächst zusammen. Da geht es nicht um Platzierungen, sondern um die Bewältigung der Strecke, zum das Erlebnis«, sagt der erfahrene Extremläufer, der im Vorjahr im Aostatal an einem 330-Kilometer-Non-Stop-Rennen mit 25000 Höhenmetern (»Tor de Geants«) teilgenommen hat.

In der Vorbereitungszeit umrundete das Paar, das in der Schweiz lebt, unter anderem in drei Etappen den Zürichsee, um die Dauerbelastung an aufeinanderfolgenden Tagen zu proben. Tiermedizinerin Barabara Drews (39) sicherte sich im April den Frauengesamtsieg der Harzquerung und lief am Tag darauf auch noch den Hermannslauf.

100 Kilometer um die Zugspitze

Carsten Drilling hat die nächste Herausforderung schon klar vor Augen. »In zwei Wochen nehme ich am 100-Kilometer-Lauf an der Zugspitze teil«, sagt der Software-Entwickler, der nach den 315 walisischen Kilometern schnell regeneriert hat.

»Muskelkater hatte ich gar nicht. Dafür schmerzten die Füße sehr. Da die Schuhe im Hochmoor oft nass geworden sind, waren die Füße am Ende des Rennens aufgeweicht und voller Blasen.« Nach fünf Tagen Pause begann er diese Woche wieder mit leichtem Jogging - um für die Zugspitze in Form zu bleiben.

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