Leichtathletik: Borgentreicher Lars Rolf hält vier westfälische Bestmarken im Gehen
Rekordhalter seit drei Jahrzehnten

Borgentreich (WB). Wenn Lars Rolf mit seinen Ski-Rollern unterwegs ist, macht er ordentlich Tempo. Schnell unterwegs war er auch zu Jugendzeiten: Damals gehörte der Borgentreicher zu den besten Gehern Deutschlands. Vier seiner Westfalenrekorde haben auch drei Jahrzehnte später noch Bestand.

Montag, 11.05.2020, 06:00 Uhr
Der Borgentreicher Lars Rolf (Startnummer 25273, hier beim Osterlauf) ist seit seinem Wechsel in die Ultra-Szene wieder Mitglied bei der Non-Stop-Ultra Brakel (links Vorsitzender Klaus Menne). Der ehemalige Top-Geher liebt inzwischen die langen Strecken und träumt von einer Teilnahme am Wasa-Skilanglauf in Schweden. Foto: Sylvia Rasche

„Ständig auf Achse“

„Das wusste ich gar nicht“, sagt Rolf, der inzwischen im thüringischen Mühlhausen lebt. Eigentlich kam er von der Mittel- und Langstrecke, nahm dann aber an einem Sichtungslehrgang der Geher teil, schaffte es in den Westfalenkader und hatte so seine Disziplin in der Leichtathletik gefunden. „Das war eine tolle Zeit. Wir waren damals ständig auf Achse“, erinnert sich der 45-Jährige. Mit dabei war auch seine drei Jahre jüngere Schwester Kirsten Rolf, die nach so langer Zeit ebenfalls noch drei westfälische Bestmarken hält.

Zweimal ist der Borgentreicher Lars Rolf Deutscher Meister geworden, hier 1990 in Bruchköbel.

Zweimal ist der Borgentreicher Lars Rolf Deutscher Meister geworden, hier 1990 in Bruchköbel. Foto: privat

Vier- bis fünfmal in der Woche, später auch sechs Einheiten, trainierten die Rolfs, zunächst im LV Bördeland Borgentreich, später viel mit Vater Norbert und wechselten dann zur Non-Stop-Ultra Brakel.

Deutscher Rekord in Bielefeld

Vor allem den Rekordlauf im Septeber 1989 in Bielefeld hat Lars Rolf noch genau im Kopf. „Den Wettkampf hatte unser Landestrainer organisiert, um einen neuen Rekord aufzustellen. Ältere Athleten mussten das Tempo vorgeben. Da passte alles. Es war damals sogar Deutscher Rekord, aber der hielt ja nicht lange“, blickt Rolf zurück. Mit der Wiedervereinigung übernahmen die schnelleren Geher aus der ehemaligen DDR die gesamtdeutschen Bestmarken. Die 13:18 Minuten des 15-Jährigen Lars Rolf hat in 31 Jahren in Westfalen aber noch kein Gleichaltriger je wieder auf die Bahn gebracht.

Neun Starts im Nationaltrikot

Neunmal durfte der Borgentreicher im Nationaltrikot bei Länderkämpfen für Deutschland an den Start gehen. Fünfmal im eigenen Land, zweimal in Frankreich, einmal in Spanien und einmal im weißrussischen Minsk beim Hallen-Länderkampf. „Ein Riesen-Erlebnis. Das war nicht nur ein reiner Geher-Wettkampf, sondern ein internationaler Vergleich aller Disziplinen. Jede Nation durfte nur zwei Athleten je Wettbewerb nominieren“, erinnert sich der zweifache Deutsche Meister, der in Minsk über 5000 Meter unter dem damaligen Deutschen Rekord blieb. „Allerdings hat mein Nationalmannschaftskollege das auch geschafft und das Rennen gewonnen“, lacht Rolf. Besonders schön sei der erste Länderkampf am Chiemsee gewesen. „Ich habe meine Zeit deutlich verbessert und Abends haben wir eine tolle Party gefeiert“, erinnert sich der 45-Jährige.

Neunmal ist Lars Rolf für Deutschland bei einem Länderkampf an den Start gegangen. Hier 1993 in Groß-Gerau.

Neunmal ist Lars Rolf für Deutschland bei einem Länderkampf an den Start gegangen. Hier 1993 in Groß-Gerau. Foto: privat

Nach den intensiven Jahren des Leistungssports kam jedoch das abrupte Sport-Aus. „Ich war mit der DhfK Leipzig noch mal Deutscher Mannschaftsmeister in Erfurt geworden und habe dann aufgehört“, berichtet der Verkehrsfachwirt. Aus dem durchtrainierten Sportler wurde ein Raucher, der aber den Weg zurück fand.

Nach Sportpause in der Ultra-Szene

„100 Meter laufen, 100 Meter gehen – wie ein Anfänger“, war sein Pensum beim ersten Training nach knapp 20 Jahren Pause. Nach drei Monaten schaffte er wieder fünf Kilometer am Stück, nach einem Jahr sogar den ersten Marathon. „Dann habe ich mich auch an längeren Distanzen versucht und die Ultra-Szene für mich entdeckt“, erzählt der Rekordhalter. Inzwischen hat er viermal die 73 Kilometer-Distanz beim wegen seiner zahlreichen Höhenmeter gefürchteten Rennsteigmarathon absolviert und ist auch wieder Mitglied der Non-Stop-Ultra Brakel. „Da habe ich tolle Tipps für die langen Läufe bekommen“, berichtet Lars Rolf.

So verbindet er einen Heimatbesuch bei er Familie in Borgentreich auch schon mal mit einem Halbmarathon beim Osterlauf in Paderborn.

Der Traum vom Wasalauf

Aktuell macht ihm aber eine Verletzung zu schaffen. „Ich dachte eigentlich, ich hätte die muskulären Probleme im Griff. Dann tauchten sie aber wieder auf“. Den Bewegungsdrang lindern die Ski-Roller, die er bei einem Urlaub mit seinem Vater und seinem Sohn in Schweden entdeckt hat. „Da habe ich erstmals vom Wasalauf gehört. Das sind 90 Kilometer Skilanglauf von Sälen nach Mora“, erzählt der Borgentreicher und war sofort begeistert. Allerdings: „Zum richtigen Training fehlte zuletzt im Winter immer der Schnee und auf Rollen ist es doch was anderes...“ So gehen immerhin die sportlichen Ziele auch drei Jahrzehnte nach den erfolgreichen Geher-Zeiten nicht aus.

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