Marius Müller ist bereits seit 2006 Coach und Spieler der Basketballer des TV Jahn Bad Driburg
Nur noch eine Saison

Bad Driburg -

Leicht dribbeln, kurz anvisieren und zack – versenkt. Marius Müller wirft direkt vor seinem Haus ein paar Körbe. Eigentlich geht der Spielertrainer des TV Jahn Bad Driburg seiner großen Leidenschaft Basketball auch in der Sporthalle nach. Doch die Coronavirus-Pandemie lässt den 42-Jährigen nur noch als Lehrer zurück in die geliebte Halle.

Montag, 07.12.2020, 04:31 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 07:26 Uhr
Marius Müller (Mitte) ist nur selten aufzuhalten. Als Spielertrainer des TV Jahn Bad Driburg sorgt der 42-Jährige bereits seit 2016 für viele Erfolge. Foto: René Wenzel

„Das ist aktuell super nervig. Da stellt man sich auch manchmal die Frage nach dem Sinn. Wir dürfen uns nicht mal im Kreis warmlaufen“, berichtet Müller, der am St. Xaver Bad Driburg die Fächer Latein, Physik, Pädagogik und eben Sport unterrichtet. Kontaktsportarten stehen aktuell nicht auf dem Unterrichtsplan. Was geht, ist beispielsweise Volleyball. Oder Badminton – alles natürlich mit Maske.

Marius Müller spielt vor seinem Haus.

Marius Müller spielt vor seinem Haus. Foto: privat

Ganz so oft muss der gebürtige Soester diese ungewohnten Maßnahmen aber nicht direkt mitverfolgen. Vor wenigen Wochen ist der 42-Jährige zum dritten Mal Vater geworden – ein Dreier, wie man beim Basketball sagen würde. Zwei Mädchen und ein Junge sind es jetzt. „Er hat es nicht so gefeiert“, schmunzelt Müller über die Reaktion seines Sohnes: „Es ist aber auch nach dem dritten Kind ein unbeschreibliches Gefühl.“

Der 42-Jährige befindet sich aktuell in Elternzeit, geht aber dennoch in der Woche für sieben Stunden in die Schule. Seine Frau ist als Ärztin im Einsatz. Drei Kinder im Alter von sechs, vier und fast einem Monat sorgen natürlich für ein straffes Programm im eigenen Haus in Bad Driburg. Wie würde da jetzt noch seine Aufgabe als Basketball-Spielertrainer reinpassen?

Basketballer machen Workouts via „Zoom“

„Eigentlich wollte ich nach der letzten Saison Schluss machen. Doch nach dem abrupten Ende wollte ich nicht aufhören. Wir waren schon fast sportlich Meister. Nach dem Abbruch waren wir es nur nach der Wertung. Das war richtig frustrierend. Es wäre ein so würdiger Abschluss gewesen. Doch so wie es jetzt gelaufen ist, kann ich mich nicht verabschieden“, erklärt Müller. Und so sitzt er weiter voll mit im Boot.

Eigentlich sollte die neue Bezirksliga-Saison im November starten. Das Training zuvor lief gut. Acht bis zwölf Spieler waren immer mit dabei. Müller mittendrin. Als es dann nicht mehr in die Halle ging, fanden Workouts via „Zoom“ statt. Immer dienstags und freitags wählten sich die Spieler inklusive Trainer in die Videoplattform ein. „Im ersten Lockdown hat das sehr gut geklappt. Aber inzwischen ist es etwas eingeschlafen. Ich bin jetzt nach der Geburt unserer dritten Kindes nicht mehr so flexible und kann sagen, dass ich es immer um acht Uhr abends schaffe“, sagt der 42-jährige Familienvater.

Müller ist seit über 14 Jahren Spielertrainer

Seit 2006 ist der Lehrer als Spielertrainer beim TV Jahn Bad Driburg aktiv. Also genausolange wie Joachim Löw als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Der feine Unterschied: Müller plante für 2020 seinen Abschied. „Ich hatte immer einen gewissen Anspruch an mich selbst und an das Team. Und diesem Anspruch kann ich jetzt nicht mehr gerecht werden. Aber aufhören ist schwieriger als man denkt. Wahrscheinlich werde ich die kommende Saison noch machen. Und dann ist Schluss“, sagt der gebürtige Soester.

Beim TV Jahn Bad Driburg beginnt somit wohl 2021 ein neues Kapitel in der Basketball-Abteilung. Für den 42-Jährigen ist dann etwas mehr Ruhe angesagt. „Die Kondition passt zwar noch, doch die Gelenke machen nicht mehr mit“, erklärt Müller. Für ein paar Würfe vor der eigenen Haustür reicht es aber noch einige Jahrzehnte.

 

Kurz gefragt

Kraft- oder Lauftraining: Es macht beides Spaß. Das Krafttraining zu Hause mache ich nur mit dem eigenen Körpergewicht und ganz ohne Geräte. Laufen tut dem Körper und den Knochen auch mal gut - mehr als Basketball.

Bringdienst oder selber kochen: Ganz klar selber kochen. Ich stehe auch mal selbst in der Küche am Herd. Mal kocht meine Frau, mal ich. Es kommt immer darauf an, wer gerade Zeit hat. Am liebsten esse ich Spaghetti Bolognese.

Playstation oder Netflix: Eigentlich eher Playstation. Aber dazu komme ich aktuell nicht so oft. Bei Netflix schaue ich mir aktuell die Serie „Star Trek Discovery“ an. Richtig gefeiert habe ich „The Last Dance“. Die Doku über Michael Jordan habe ich mit Tränen und Gänsehaut verfolgt.

Podcast oder Buch: Aufgrund des aktuellen Zeitfaktors eher ein Podcast. Da spiele ich dann „Got Nexxt – Der NBA und Basketball Podcast“ oder „Lirum Larum“ ab. Gelesen habe ich zuletzt das Buch „The Great Nowitzki“ von Thomas Pletzinger.

Spotify oder Radio: Bei mir läuft Spotify. Es gibt dabei aber keine spezielle Musikrichtung. Ich höre aber schon ganz gerne mal „Black Music“. Früher ganz oft Wu-Tang Clan und OutKast. Heute geht auch mal Moop Mama. Das ist eine coole Brassband.

Lieblingsseite im Internet: Auf nba.de schaue ich eigentlich jeden Tag. Ich informiere mich dann auch darüber, wie meine Spieler aus dem Managerspiel so gescored haben. Ansonsten gucke ich mir viele NBA-Spiele auf „DAZN“ im Re-Live an. Dann kann ich die nervigen Timeouts immer überspringen.

Sportlerbiografie: Biografien lese ich eher weniger.

Corona-Rituale: Ich habe mein zu Hause noch mehr schätzen gelernt. Wir sind auch in den letzten Monaten fast nur hier geblieben. Ich habe mich dann viel mit den Kids im Garten beschäftigt. Zuletzt habe ich fast nur noch Blätter ausgedruckt, ausgemalt, ausgeschnitten und einlaminiert. (schmunzelt)

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