Spezialsport: Herforder holen WM-Medaillen Auf Anhieb in die Weltspitze

Tata (WB). Die lange Anreise hat sich gelohnt: Ein Duo der TG  Herford hat bei  der Werfer-Weltmeisterschaft im Spezialsport im ungarischen Tata drei Medaillen geholt. Inge Löschner-Molls gewann Gold und Bronze, Dr. Horst Böhmert-Ottmann Silber.

Von Marc Schmedtlevin
Horst Böhmert und Inge Löschner-Molls haben bei der WM gute Leistungen gezeigt.
Horst Böhmert und Inge Löschner-Molls haben bei der WM gute Leistungen gezeigt.

Beide betreiben die Sportart erst seit etwa einem Jahr und gehören schon der Weltspitze an. »Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir Medaillen und sogar Gold gewinnen können«, sagt Inge Löschner-Molls. In ihrer Klasse W65 sicherte sie sich den Weltmeister-Titel im Steinstoßen. Dabei muss ein drei Kilogramm schweres Eisenquadrat einarmig mit Anlauf oder aus dem Stand gestoßen werden.

Ihre Konkurrentin aus Großbritannien kam auf die gleiche Weite, so dass über die Ränge eins und zwei die Weiten bei den anderen Versuchen entscheiden mussten – zugunsten der Herforderin. »Der Wettkampf war richtig gut. Horst Böhmert-Ottmann hat mich immer wieder gepusht, das hat mir sehr geholfen. Auch von den anderen deutschen Teilnehmern gab es Unterstützung«, sagt die Siegerin.

Starke Konkurrenz

Bronze gewann Löschner-Molls außerdem im Speerorama, einem Kugelwurf-Dreikampf. Dabei werden die verschieden schweren Kugeln wie beim Speerwurf über den Kopf geworfen. In ihren weiteren Disziplinen, dem Schockorama (Schock-Dreikampf mit verschiedenen Kugeln) und dem Diskus Griechisch (Wurf aus dem Stand), belegte sie jeweils Platz vier.

»In diesen Wettbewerben war die Konkurrenz zu stark. Vor allem die Ungarinnen waren nicht zu besiegen«, sagt die 67-Jährige. Sie verwies darauf, dass die Konkurrenz deutlich bessere Trainingsbedingungen vorfinde. Die Anlagen in Ungarn seien beispielsweise für den Spezialsport ausgelegt.

Starke Schmerzen

Mit starker Konkurrenz bekam es auch Horst Böhmert-Ottmann in seiner Klasse M70 zu tun. Zahlreiche ehemalige Leichtathleten, die an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilgenommen hatten, seien am Start gewesen. Außerdem bereitete der eigene Körper Böhmert-Ottmann zunächst Probleme. Beim Einwerfen schmerzte eine Sehne in der Schulter. Nicht alle geplanten Wettbewerbe konnte er daraufhin bestreiten. »Stoßen funktionierte noch, beim Werfen waren die Schmerzen stark«, erklärt der 73-Jährige.

Daher war es nicht überraschend, dass er sein bestes WM-Ergebnis im Ultra-Steinstoßen mit dem 12,5 Kilogramm schweren Stein und der Silbermedaille erzielte. Besser war nur Mannschaftskollege Günther Fähndrich. Sein gutes Abschneiden komplettierte Böhmert-Ottmann mit vierten Plätzen im Schockorama und Steinstoßen sowie Rang sechs im Diskus Griechisch. »Die Leistungsdichte war hoch. Deswegen bin ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden«, sagt der TGH-Sportler.

Einschneidendes Erlebnis

Für das Duo habe sich die Reise gelohnt. Sie sei ein Ansporn für die kommenden Monate. »Die WM war ein einschneidendes Erlebnis. Um die Ergebnisse zu halten, wird viel Training nötig sein. Aber jetzt möchte man sich natürlich weiterhin verbessern«, sagt Löschner-Molls. Sie hofft, dass Spezialsport in Deutschland noch etwas mehr publik gemacht wird.

Neue Ziele haben sich Löschner-Molls und Böhmert-Ottmann schon gesetzt: Die Teilnahme an der Europameisterschaft 2016 und der Weltmeisterschaft 2017. Bestenfalls dann wieder mit Medaillen im Gepäck.

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