Bundesliga-Quali: Jugendhandballteams aus Werther/Borgholzhausen und Hörste können Großes schaffen Freundschaft fordert »Profis« heraus

Altkreis  (WB). Die weibliche C-Jugend des Spvg. Hesselteich um Lena Flottmann und Sina Speckmann gewann 2001 den Westdeutschen Meistertitel – aber in der Nachwuchs-Bundesliga hat noch nie eine Handballmannschaft aus dem Altkreis gespielt. An diesem Wochenende greifen zwei A-Jugend-Teams nach den Sternen und könnten einen historischen Erfolg perfekt machen.

Von Gunnar Feicht
Fynn Schäperkötter trifft mit der JSG-A-Jugend in Ahlen auf starke Konkurrenz.
Fynn Schäperkötter trifft mit der JSG-A-Jugend in Ahlen auf starke Konkurrenz. Foto: Gunnar Feicht

JSG Werther/Borgholzhsn.

»In der männlichen D-Jugend wächst beim TV Werther ein goldener Handball-Jahrgang heran« – so würdigte das WESTFALEN-BLATT im März 2012 den Gewinn der Kreismeisterschaft mit 34:2 Punkten. Unter dem Mannschaftsfoto stehen Namen wie Sebastian Schlingmann, Erik Sommer, Jannik Nebelung, Lasse Murken, Fynn Schäperkötter, Fynn Huxohl, Julian Hoffmann, Nick Borgstedt und Jacob Schröder – allesamt Spieler, die auch jetzt in der A-Jugend am Ball sind und sich am Wochenende in Ahlen einen Traum erfüllen wollen.

»Unser vorrangiges Ziel ›Oberliga‹ haben wir schon erreicht, die aktuelle Chance ist ein Bonus. In dieser Runde sind wir Außenseiter, aber jetzt wollen es die Jungs auch packen«, gibt Trainer Sven-Hendrik Janson die Stimmung im Team wieder. Der 25-Jährige hat schon reichlich Erfahrung als Jugendtrainer: »Wenn wir es schaffen sollten, wäre es natürlich das Größte, was man erreichen kann. Vor allem aber auch für einen Verein dieser Größenordnung.« Janson, der zweite Coach Rainer Borgstedt und JSG-Leiter Thomas Bartling hoffen, dass möglichst viele Fans das Turnier in Ahlen zum Heimspiel machen. Bartling: »Für unseren Verein ist es der Zielsprint am Ende einer langen Reise. Gestartet als Projekt ›Fynn Huxohl und Freunde‹, haben wir im Grunde keinen Jungen bis heute an einen höherklassigen Verein verloren.« Er hebt die vorbildliche Einstellung der ehrgeizigen Jungs hervor, die seit dem zweiten D-Jugend-Jahr unter der Regie von Rainer Borgstedt und Rolf Uhlemeier regelmäßig dreimal pro Woche trainiert haben, seit geraumer Zeit unter Leitung von »Henne« Janson sogar viermal.

»Wir fiebern dem Wochenende entgegen. Mit dem letzten Gruppenspiel am Sonntag haben Trainer und Team dann die 19. Partie innerhalb von sieben Wochen bestritten«, sagt Bartling mit Hinweis auf das extreme Pensum im Aufstiegsmarathon. Leider sind nicht alle Leistungsträger topfit: Kreisläufer Moritz Topp fällt nach erneuten Knieproblemen aus, Fynn Schäperkötter ist im Training umgeknickt – Einsatz fraglich.

In Ahlen trifft das JSG-Team zunächst auf den VfL Günzburg (Ex-Bundesligist und DHB-Pokalfinalist 1981), dessen erste Mannschaft zwar nur noch Bayernligist ist, dessen A-Jugend aber 2013 bis 2015 in der Bundesliga spielte. Zweiter Gegner ist TSV Sieverstedt (bei Flensburg), der in der Nord-Quali nur 16:17 gegen THW Kiel unterlag. Sonntag früh folgt das Duell mit TG Osthofen aus der Nähe von Worms.

Die JSG spielt in Ahlen (Friedrich-Ebert-Halle, Dolberger Straße) in einer Vierer-Gruppe, aus der der Tabellenerste und -zweite den Sprung in die Bundesliga schaffen. Die Gruppendritten spielen anschließend noch eine Rangfolge für eventuelle Nachrücker aus (falls qualifizierte Teams ihren Bundesliga-Platz nicht wahrnehmen). Der Fahrplan für die JSG-Jungs:Sa. 15 Uhr VfL GünzburgSa. 18 Uhr TG OsthofenSo. 9 Uhr TSV Sieverstedt

TG Hörste

Trainer Dustin Lohde bleibt dabei: »Die Chance ist gering, aber bei jeweils zweimal 15 Minuten sind Überraschungen möglich.« Ohne Erwartungsdruck geht die weibliche A-Jugend das Turnier an, das im Idealfall den größten Erfolg der Vereinsgeschichte bringen könnte. Eine 25-köpfige Reisegruppe startet Samstag in aller Frühe gen Magdeburg. Wenn dann um 13.05 Uhr der erste Anpfiff ertönt, werden hoffentlich noch viele weitere Unterstützer angereist sein. Hörste stellt sich mit einer gewachsenen Mannschaft zwei Leistungszentren mit ihrer professionellen Infrastruktur entgegen: Die Füchse Berlin, die ebenfalls von der durch DHB-Vizepräsident Bob Hanning vorangetriebenen Nachwuchsarbeit der Jungen profitieren, und der Rostocker HC arbeiten extrem leistungsorientiert und haben viele Talente aus der Umgebung zusammengezogen.

Der dritte Gegner HSG Nienburg aus Niedersachsen stand in der abgelaufenen Saison mit seiner B-Jugend in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Doch Dustin Lohde ist vor diesen Herausforderungen nicht bange: »Unser Stamm spielt schon seit Jahren zusammen, bis auf leichte Blessuren sind alle topfit. Diese Woche haben wir bewusst nur zweimal dosiert trainiert, denn die Mädels stehen jetzt seit sechs Wochen mit 15 Spielen unter einer hohen Belastung.« Der Coach, der vor Jahren schon TSG Harsewinkels A-Mädchen in der Bundesliga-Quali betreut hat, setzt auf Trümpfe, die Hörstes Erfolgsgeheimnis ausmachen: »Die Abläufe passen, mit unserer offensiven Deckung kommen wir hoffentlich oft ins Tempospiel.« Bei der Vorbereitung auf das wichtigste Wochenende in der Geschichte des Hörster Jugendhandballs haben alle mit angepackt: neben Co-Trainerin Julia Gerdes und Michael »Keller« Kerschkowski auch viele Eltern. Vielleicht schlägt die Handball-Familie Hörste ja dem Profibetrieb ein Schnippchen.

Die TG spielt in Magdeburg (Sporthalle Einstein-Gymnasium) und muss sich ebenfalls in einer Vierer-Gruppe behaupten: Der Tabellenerste steigt direkt auf, die Plätze zwei und drei spielen am Sonntag gegen zwei Teams der Parallelgruppe zwei weitere Aufsteiger aus.

Hörstes Programm in der Gruppe 2:Sa. 13.05 Uhr Rostocker HCSa. 15.35 Uhr Füchse BerlinSa. 18.05 Uhr HSG Nienburg

Die Gruppe 1 besteht aus HSV Magdeburg, JSG HLZ Ahlen, Union Halle-Neustadt und SV GW Schwerin.

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