Tennis-Weltranglistenturnier in Versmold: Haas wirft Schnyder raus Laufwunder gegen große Namen

Versmold  (WB). Am Super-Donnerstag der Reinert Open haben zwei Laufwunder die großen Namen aus dem Turnier gekegelt: Nach der Belgierin Kimberley Zimmermann, die die topgesetzte Richel Hogenkamp rauswarf, stoppte beim Tennis-Weltranglistenturnier auch Barbara Haas die ehemalige Nummer sieben der Welt, Patty Schnyder.

Von Gunnar Feicht und Hans Peter Tipp
Nach dem Sieg über Patty Schnyder im Viertelfinale: Blau-Weiß Halles Regionalliga-Spielerin Barbara Haas hat’s geschafft.
Nach dem Sieg über Patty Schnyder im Viertelfinale: Blau-Weiß Halles Regionalliga-Spielerin Barbara Haas hat’s geschafft. Foto: Gunnar Feicht

Haas, die vergangenen Sonntag noch dabei half, Blau-Weiß Halles Damenteam in der Regionalliga zu halten, bot im letzten Match des Tages auf dem Centre Court eine selbstbewusste Vorstellung: »Der zweite Satz war hart umkämpft, da kann so ein Match immer kippen. Aber ich habe an meine konditionellen Vorteile geglaubt«, sagte die 21-jährige Österreicherin, die trotz ihrer jahrelangen Verbindung zum Haller Klub zum ersten Mal im nahen Versmold aufschlägt. »Patty ist natürlich eine ausgefuchste Spielerin, aber ich habe mein Spiel auf ihre einzige Schwäche abgestellt«, so Haas. Sie erlief (fast) jeden Ball, während die 17 Jahre ältere Schweizerin mit sich selbst haderte. Im Viertelfinale trifft Haas Freitag auf Kimberley Zimmermann – das wird ein (Lauf-)Duell der besonderen Art. Denn bei der Hogenkamp-Bezwingerin liegt das Läufergen sogar in der Familie. Der Vater startete 1984 über 400 Meter Hürden bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, und auch die Mutter war Sprinterin.

Dass die Tochter der sportlichen Familie aus Brüssel davon einiges mitbekommen hat, bewies die 21-Jährige Donnerstag im Achtelfinale der Reinert Open. Mit ihrem 3:6, 6:3, 6:3 gegen die topgesetzte Niederländerin Richel Hogenkamp hatte die Weltranglisten-389. ein großes Plus gegenüber ihrer exakt 285 Plätze besser eingestuften Gegnerin – ihre schnellen Beine.

»Es ist unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass ich gegen Richel gewinnen könnte. Als wir zuletzt gegeneinander gespielt haben, habe ich noch 0:6, 1:6 verloren«, sagte Zimmermann in gutem Deutsch mit unüberhörbarem schwäbischen Einschlag. Die Erklärung dafür schob sie schnell nach: »Mein Freund, Tennisprofi Yannick Maden, kommt aus Stuttgart.« Etwas länger brauchte die Belgierin, um eine Erklärung für ihren Sieg gegen Hogenkamp zu finden: »Im zweiten Satz habe ich meinen Rhythmus gefunden und dann auch sehr gut gespielt.« Für Zimmermann war es – inklusive Qualifikation – in Versmold der fünfte Sieg im fünften Match. Und dabei schlägt sie bei den Reinert Open zum ersten Mal bei einem Turnier dieser Kategorie auf.

Für eine weitere Überraschung hat die einzige Deutsche gesorgt, die im Viertelfinale steht. Laura Schaeder, Bundesligaspielerin vom TEC Waldau Stuttgart, warf die gesetzte Türkin Ipek Soylu in drei Sätzen aus dem Rennen und trifft Freitag im Viertelfinale auf die Niederländerin Bibiane Schoofs. Schaeder, die am Vormittag das vom verregneten Mittwoch nachgeholte Erstrundenmatch gegen Vivian Heisen (BW Berlin) gewonnen hatte, brauchte am späten Nachmittag eine Anlaufzeit: »Den ersten Satz habe ich leider verschlafen, doch dann wurde es immer besser, während Ipek nachgelassen hat«, kommentierte die 24-Jährige ihren Vorstoß in die Runde der letzten Acht.

Nach Katharina Gerlachs Aus war Donnerstag für eine weitere junge Spielerin aus einem heimischen Klub Endstation. Franziska Kommer (Blau-Weiß Halle) hielt im nachgeholten Erstrundenmatch gegen Richel Hogenkamp zunächst gut dagegen und führte am Tag nach ihrem 18. Geburtstag sogar 3:2: »Mit dem ersten Satz bin ich top zufrieden, da habe ich noch einige Chancen auf mehr gehabt«, meinte sie nach dem 4:6/1:6 gegen die topgesetzte Niederländerin. Als vorletzte Deutsche schied im Achtelfinale die 20-jährige Saarländerin Katharina Hobgarski aus dem Porsche Talentteam gegen die an fünf gesetzte Schwedin Rebecca Peterson aus. Dagegen gab es an einem Tag mit beachtlicher Zuschauerresonanz (laut Turnierleitung 800) weitere Überraschungen: Qualifikantin Anastasia Zarycka (Tschechien) und die Rumänin Mihaela Buzarnescu besiegten gesetzte Spielerinnen. Im Doppel kommt es Freitag nach einem kampflosen überstandenen Viertelfinale für die »Lokalmatadorinnen« Katharina Gerlach/Julia Wachaczyk zum innerdeutschen Halbfinalduell gegen Romy Kölzer/Lena Rüffer (Stuttgart/Leverkusen).

So geht es am Freitag weiter – Centre Court: Schoofs - Schaeder 13 Uhr, Peterson - Buzarnescu (nicht vor 15 Uhr), Zimmermann - Haas (nicht vor 17.30 Uhr); Court Nr. 4: Zarycka - Sharipova 13 Uhr, Gerlach/Wachaczyk - Kölzer/Ryffer, Eguchi/Omae - Pirazhenka/Vogelsang.

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