Handball-Oberliga: SF Loxtens Vorsitzender Andy Evers setzt auf kleine Schritte nach oben Sprungbrett statt Sammelbecken

Versmold-Loxten  (WB). In der vergangenen Woche ist Andy Evers mit seiner Familie durch Thüringen gewandert – eine der wenigen Verschnaufpausen für den Vorsitzenden der Sportfreunde Loxten, in Personalunion Sportlicher Leiter der Oberliga-Mannschaft. Im Gespräch mit WB-Mitarbeiter Sören Voss blickt Evers auf die Handball-Saison der Frösche zurück und verrät, welche Zukunftsperspektiven ihm vorschweben.

Mit 93 Treffern war Timo Menger in der abgelaufenen Saison bester Feldtorschütze. Der Linksaußen steht für das erfolgreiche Tempospiel der Sportfreunde Loxten.
Mit 93 Treffern war Timo Menger in der abgelaufenen Saison bester Feldtorschütze. Der Linksaußen steht für das erfolgreiche Tempospiel der Sportfreunde Loxten. Foto: Sören Voss

Hat man als Vereinsvorsitzender überhaupt mal frei?

Andy Evers: Grundsätzlich nein. Britta Hagenbäumer nimmt mir als zweite Vorsitzende viel ab, aber weil ich gerade nach dem Abschied von Horst Grube schwerpunktmäßig für die erste Mannschaft tätig bin, kommt inklusive Gesprächen mit Spielern, Trainern oder Sponsoren eine Menge Arbeit zusammen. Andere Vereine haben hauptberufliche Geschäftsführer. Bei mir funktioniert das nur, weil ich beruflich selbstständig bin und mir die Zeit einteilen kann. Es gehen jeden Tag Stunden für den Verein drauf.

Wenn man dann samstags die volle Arena sieht, weiß man aber vielleicht, wofür man es macht. Die »Frösche« scheinen sich als Marke etabliert zu haben.

Evers: Das stimmt. Wir haben eine Zuschauerzahl von 450 im Schnitt, bei Derbys sogar 800. Fans kommen aus Werther, Borgholzhausen oder Steinhagen. Es kam beispielsweise eine Karten-Anfrage aus Herzebrock, weil die Jugendmannschaft sich ein Oberligaspiel angucken wollte und im Anschluss eine Weihnachtsfeier macht. Wir wollen den höherklassigen Handball im Kreis Gütersloh etablieren, weil die Region handballbegeistert ist.

Sehen Sie Platz vier in der Oberliga-Abschlusstabelle als eine Belohnung der Arbeit?

Evers: Wir haben uns immer kontinuierlich gesteigert, sind durch gute Jugendarbeit nach und nach in Bezirksliga, Landesliga, 2004 in die Verbandsliga und vor drei Jahren in die Oberliga aufgestiegen. Dabei hat uns einiges in die Karten gespielt, denn wir hatten das Glück, dass die besten Spieler aus dem Umkreis – wie Steinkühler, Hölmer, Bißmeier oder Wieck – zu uns gekommen sind. Wir waren im passenden Moment an der passenden Stelle.

Weshalb ist es gelungen, diese Spieler zu holen?

Evers: Wir sind ein kleiner Verein, wollen bodenständig sein und überzeugen mit einem klasse Umfeld. Ganz groß wird der mannschaftliche Zusammenhalt geschrieben. Das bestätigen auch die Jungs wie Hendrik Peters, der schon einige Vereine gesehen hat, oder Christian Kalms, der vom familiären TuS Brockhagen kommt. Selbst sie sagen, dass sie so ein Vereinsleben oder so eine Zusammenarbeit mit dem Vorstand noch nie erlebt haben.

War Platz vier in dieser Saison das Maximum?

Evers: Definitiv das absolute Maximum. Unsere Hinserie war durchwachsen. Dass wir dann trotz der vielen Verletzungen - wie von Selmanovic, Steinkühler oder den Kreuzbandrissen von Stockmann und Hölmer – trotzdem noch diesen Platz geholt haben, zeigt letztendlich die mannschaftliche Geschlossenheit. Kim Harting hat sich zurückgekämpft, Paul Blankert ist eingeschlagen, Malte Weigel hat in der Abwehr sofort einen starken Part gespielt und sich auch offensiv zuletzt gut entwickelt.

Menger, Harnacke, Blankert oder Weigel, egal woher sie kamen: Es war auffällig, dass die neuverpflichteten Talente unter Thomas Lay noch mal leistungsmäßig zugelegt haben.

Evers: Die Ansprache von jungen Spielern fällt uns jetzt natürlich leichter. Elvir Selmanovic, den wir nur holen und finanzieren konnten, weil er in Westbarthausen wohnt, war eine Ausnahme. Wir verfolgen die Philosophie, junge Leute und nicht fertige Spieler aus dem Umkreis von 20 oder 25 Kilometern dazu zu holen und ihnen eine Perspektive zu bieten, bevor sie tendenziell sogar noch höher spielen können.

Neuverpflichtung Pascal Welge, der aus Altenhagen kommt und sogar für Minden schon in der ersten Liga gespielt hat, fällt nicht in diese Kategorie. Für einen 30-Jährigen im besten Torwartalter wird nicht nur das bunte Vereinsleben im Vordergrund gestanden haben...

Evers: Bei Pascal spielte Geld eine untergeordnete Rolle, was daran liegt, dass wir mittlerweile auch in Bielefeld ein hohes Standing haben. Die Spieler kennen sich untereinander und es wird auch wahrgenommen, was wir aufgebaut haben. Calli sagt, er möchte mal Teil des Ganzen sein und ihn reizt die Philosophie dahinter. Thomas Lay und ich hatten mit ihm drei lange, tolle Gespräche. Und es reizt ihn, weil er glaubt, dass hier bei uns in Zukunft vielleicht noch eine ganze Menge passieren kann.

Besteht insgesamt die Gefahr von zu hohen Erwartungen?

Evers: Wir sind alle recht bodenständig. Altenhagen wird richtig aufrüsten, genauso Spenge – die werden ganz oben mitspielen. Ganz oben wollen wir erst mal nicht anklopfen. Wenn wir das obere Mittelfeld erreichen, ist das in Ordnung. Wir haben uns etabliert in der Oberliga und brauchen uns hinter keinem verstecken, gerade mit den Neuen, mit Max Schäper, Marlon Meyer oder Calli und Daniel Plum im Tor. Ich bin noch von keinem angesprochen worden, der gesagt hat, wir müssen jetzt unbedingt die 3. Liga angreifen. Ich glaube tendenziell, wenn wir uns so weiterentwickeln die nächsten drei, vier Jahre, sowohl sportlich als auch im Hinblick auf Sponsoren, dann ist das vielleicht mal ein Thema. Was unsere Planung angeht vorerst aber überhaupt nicht.

Sie gehen mit drei Torhütern und neun Rückraumspielern in die Saison. Ist da Unzufriedenheit programmiert?

Evers: Wir haben mit allen Torhütern offen gesprochen. Marco Possehl sieht die Verpflichtung von Welge positiv. Die drei respektieren sich so sehr, dass es überhaupt keine Probleme gibt. Auch eine Rotation ist denkbar, wobei Welge den Anspruch hat, die Nummer eins zu sein. Auch bei den Feldspielern habe ich keine Bedenken, weil es menschlich passt. Nach Verletzungspausen wird es auch Wiedereingliederungen über die zweite Mannschaft geben. Bei Marian Stockmann muss man den Heilungsverlauf abwarten. Sebastian Hölmer wird nächstes Jahr erst mal nicht spielen können. Er wollte erst seine Handballschule an den Nagel hängen, will es aber noch mal versuchen und hofft, dass er nicht wieder so lange braucht wie nach seinem ersten Kreuzbandriss seinerzeit im Riemke-Spiel.

Sie haben die zweite Mannschaft angesprochen. Ist es nicht gefährlich, wenn sich alles auf das Oberliga-Team fokussiert?

Evers: Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild, mit dem wir Sponsoren bedienen müssen. Aber wir müssen weiterdenken und dürfen die zweite Mannschaft genauso wenig wie die Jugendspielgemeinschaft Hesselteich-Loxten vernachlässigen.

Eine Oberligamannschaft muss eine Reserve in der Landesliga haben, was unser Ziel und tendenziell in zwei, drei Jahren auch machbar ist. Der Bezirksliga-Kader ist stark mit vielen erfahrenen Spielern wie Bißmeier, Kraak oder Redecker, dazu kommt die eine oder andere Aushilfe aus der ersten Mannschaft. Sie werden mit Olav Schomakers im oberen Mittelfeld mitspielen.

Welche Rolle spielt die Jugendarbeit und der Übergang zum Erwachsenenbereich?

Evers: Mit der JSG haben wir mit Hesselteich die richtige Entscheidung getroffen. Wir sind hier die einzige JSG, die weiter wächst. Wir haben einen starken B-Jugend-Jahrgang, der schon für die Verbandsliga qualifiziert ist und der in drei Jahren rauskommt. Mit Hesselteich ist alles eng zusammengewachsen. Wir sind uns einig, dass ein Spieler, der das Potenzial für die Oberliga hat, egal von welchem Stammverein, dann auch die Freigabe bekommt. Umgekehrt ist es so, dass wir auch mal Spielern raten, erst mal in Hesselteich in der Landesliga zu spielen – wie jetzt mit Jannik Fromme passiert.

Abschlussfrage: Was müsste passieren, damit die eben angesprochene »Vision 3. Liga« irgendwann für die Sportfreunde Loxten realisierbar wird.

Evers: Man müsste den Etat etwa verdoppeln. Wir liegen noch im fünfstelligen Bereich, was im Oberliga-Vergleich ganz unten angesiedelt ist. Andere arbeiten mit einer Viertelmillion pro Saison. Die Versmolder Industrie ist leider ein gebranntes Kind aus der Zeit Anfang der 90er Jahre. Es ist damals eine Menge Geld rund um das Projekt 2. Liga verbrannt worden. Deswegen ist es ganz, ganz schwer, die Unternehmen zu begeistern. Wir haben 70 bis 80 Kleinsponsoren, Klaus-Peter Reinert ist ein größerer Privatsponsor, unsere Dieckmann-Unternehmensgruppe gibt eine gewisse Summe. Ansonsten haben wir keinen großen Sponsor, der jedes Jahr eine fünfstellige Summe beisteuert.

Wenn ein Max Schäper oder Timo Menger sich super weiterentwickelt, dann müssen wir akzeptieren, dass einige talentierte Spieler wohl auf Dauer nicht zu halten sind – außer wir können finanziell beziehungsweise klassenmäßig nachrüsten.

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