Abschied nach 26 Jahren: SF Loxtens Handball-Obmann Horst Grube zieht Bilanz »Anpacken, damit etwas passiert«

Versmold-Loxten  (WB). »Die Liebe zu Grün-Weiß wird sich nicht verändern. Aber die lebe ich in Zukunft eben anders aus.« Horst Grube hat sich fest vorgenommen loszulassen, ohne sich von seinem Verein abzuwenden. Nach 26 Jahren als Handball-Obmann der Sportfreunde Loxten wird er an diesem Samstag beim Oberliga-Heimspiel gegen Hamm verabschiedet.

Von Gunnar Feicht
Am Schreibtisch laufen die Fäden zusammen. Horst Grube hat Zugriff auf ein umfangreiches Archiv, das Loxtens Handball-Historie dokumentiert.
Am Schreibtisch laufen die Fäden zusammen. Horst Grube hat Zugriff auf ein umfangreiches Archiv, das Loxtens Handball-Historie dokumentiert. Foto: Gunnar Feicht

Kaum eine andere Sportpersönlichkeit im Altkreis hat seit 1990 die Erfolgsgeschichte eines Vereins so geprägt wie der 66-Jährige: 1991 wurde er in sein Amt gewählt, 1994 stiegen die Frösche in die Kreisliga ab, heute ist die erste Mannschaft aus dem 3100-Seelen-Dorf ein etablierter Oberligist. Jetzt zieht der Motor des grün-weißen Handball-Wunders Bilanz.

Antriebskraft

Für Horst Grube ist es Herzenssache, für seinen Verein etwas auf die Beine zu stellen. Aber vielleicht hat gerade der Tiefpunkt (Bezirksliga-Abstieg 1994) den Ehrgeiz des erfolgreichen Geschäftsmanns besonders angestachelt: »Ich habe mir gesagt: Das kann nicht wahr sein. Jetzt heißt es Ärmel hochkrempeln, anpacken und dafür sorgen, dass etwas passiert.« Mit dem unmittelbaren Wiederaufstieg 1995 (Trainer: Hartmut Westmeier) und dem erstmaligen Sprung in die Landesliga 1999 (Trainer: Lutz Gressel) schufen schon die 90er-Jahre die Basis für die heutige Hochphase.

Erfolg in Teamarbeit

»Ich hatte immer gute Mitstreiter. Ohne die hätten wir es nicht hingekriegt«, betont Grube. Und hat in der Zusammenstellung der Eckdaten seiner 26 Jahre als Obmann bewusst die Namen der Trainer, aller Mannschaftsbetreuer, ja sogar der Zeitnehmer bei der »Ersten« aufgezählt. Sein Weggefährte Manfred Wallat, vor mehr als 50 Jahren SFL-Mitbegründer und von 1991 bis 2009 Vorsitzender, war der wichtigste Ansprechpartner, seither ist es dessen Nachfolger Andy Evers.

Und Horst Grube hat auch eigene Ideen umgesetzt, um das Wir-Gefühl der Mannschaft zu stärken: »Da sind zum Beispiel unsere gemeinsamen Busfahrten zu den Auswärtsspielen ein wichtiger Faktor.« Schon zu Landesliga-Zeiten wurde ein alter Robur-Transporter aus DDR-Produktion restauriert, dann als grünweißes Frösche-Mobil hergerichtet – und Horst Grube sorgt seit vielen Jahren mit seiner Lebensgefährtin Gabi Schober für das reichhaltige »Catering« der gesamten Mannschaft: »Das kommt bei den Spielern gut an.« Sogar manche Sonderwünsche werden erfüllt.

Erfolgsrezepte

»Wir hatten nie eine ›Vision Oberliga‹, das ist alles Schritt für Schritt gewachsen. Nach dem Motto: ›Wenn wir so weit sind, nehmen wir unsere Chance wahr‹.« So beschreibt Horst Grube die Entwicklung seit 2000 – mit Platz zwei in der Landesliga 2003, dem Verbandsliga-Aufstieg 2004 (mit Trainer Hartmut Rittersberger) und schließlich zehn Jahre später dem Sprung in die Oberliga (mit Trainer Dirk Elschner). In diesen Jahren war der Obmann als »Manager« auch maßgeblich am Gesicht der Mannschaft beteiligt: »Mir ist es immer wichtig gewesen, dass wir eigene Leute und zudem Spieler aus der Region, der unmittelbaren Nachbarschaft dabei haben, die das Gesicht der Mannschaft prägen.«

Krisenmanagement

Als die gute Nachwuchsarbeit mit Trainern wie Thomas Lay, Dirk Brockmann und Ralf Stinhans zu greifen begann, waren die Top-Talente auf dem Papier noch zu jung, um dem damals kriselnden Verbandsliga-Team zu helfen. Grube heute: »Ich bin froh, dass ich im Vorstand damals durchgesetzt habe, Jan Patzelt und Kim Harting im Abstiegskampf als A-Jugendliche hochzuziehen. Das kam bei den Jugendtrainern nicht so gut an, aber es ging darum, die ›Erste‹ zu retten. Wer weiß, wie es aussähe, wenn wir damals abgeschmiert wären ...« In nervenaufreibenden Wochen mit Schützenhilfe von Nachbar TuS Brockhagen am letzten Spieltag hing der Verbleib dann am Ende sogar vom wochenlangen Tauziehen um Zweitligist TV Leichlingen ab.

»Da standen wir tatsächlich nah am Abgrund. Aber es gab eigentlich nie eine Situation, wo ich hinwerfen wollte. Zu 99 Prozent hat die Arbeit in den vielen Jahren Spaß gemacht«, sagt Horst Grube. Auch das verunglückte Trainer-Missverständnis mit Ex-Bundesliga-Spieler Milan Djekic zu Beginn von Grubes Amtszeit endete glimpflich: »Den Vorschuss, den er schon kassierte hatte, haben wir uns doch noch wiedergeholt.«

Sponsoren

In der Sponsorenbetreuung wird Horst Grube auch über seine Amtszeit hinaus am Ball bleiben. Als früherer Geschäftsführer eines Versmolder Betriebes für Kamin- und Kachelofenbau ist der 66-Jährige im Altkreis bestens vernetzt: »Wir haben immer Wert auf viele kleine Sponsoren gelegt, die uns zumeist seit Jahren treu sind. Aber Gönner wie Klaus-Peter Reinert sind natürlich auch eminent wichtig. Gerade in den ersten Oberliga-Jahren hat seine Unterstützung sehr dabei geholfen, uns zu etablieren.«

In Feierlaune

Wer ihn als Versmolder Schützenkönig (1995 bis 1997/mit vielen Handballern im Throngefolge) und als Kegelbruder bei den »Holzfällern« erlebt hat, der weiß: Horst Grube kann nicht nur hart arbeiten, sondern auch richtig feiern.

Seine Erinnerungen an die schönsten Meisterfeten: »Den Landesliga-Aufstieg haben wir in Lage perfekt gemacht. 200 Fans in drei Bussen haben die Mannschaft begleitet, anschließend wurde an der Loxtener Schule gefeiert. Beim Verbandsliga-Aufstieg war der Vorraum der Hauptschulhalle grün-weiß geschmückt. Wir hatten den Zweikampf mit TV Verl nach Protest und Wiederholungsspiel für uns entschieden. Die Oberliga haben wir mit einem Granatenspiel bei unserem Angstgegner Hüllhorst perfekt gemacht. Danach haben uns schon die Versmolder Honoratioren in der Parkvilla erwartet.«

Familienmensch

Auch was die regelmäßigen Treffen des Grube-Clans mit mehr als 50 Personen angeht, beweist Horst Grube Organisationstalent. In der eigenen Familie hat Handball immer eine große Rolle gespielt: »Meine Tochter Andrea hat schon mit sieben Jahren bei den Spielen die Statistik notiert, Tina hat in Steinhagen Oberliga gespielt.« Der eine Schwiegersohn, Andreas Popke, trainiert die Loxtener Reserve, der andere, André Hagemann, übernimmt die Nachfolge des Seniors beim »Aufbau« vor den Heimspielen, wobei auch Enkelin Nele schon mithilft. Andreas Töchter Luisa und Jule spielen ebenfalls Handball und sind im lautstarken Fanclub dabei, der bei jedem Spiel Stimmung macht.

Im Fanclub scheint sich Begeisterung weiterzuvererben. Horst Grube macht bei den Jugendlichen unterschiedliche Talente für Loxtens Handball-Zukunft aus: »Einige haben das Potenzial für die ›Erste‹ – und vier Jugendliche machen jetzt den Schiedsrichter-Schein.« Ein weiterer Grund, warum er sich darauf freut, Heimspiele künftig als Fan von der Tribüne aus zu verfolgen. Wenn die Mannschaft auf Auswärtsfahrt geht, wird er künftig den Rasen mähen, den Garten herrichten, mit Gabi Einladungen wahrnehmen – »aber wenn Anwurfzeit ist, dann bin ich ja doch wieder am Liveticker dabei...«

SF Loxtens Heimspiel gegen Hamm

Mit 27:21 Zählern hat SF Loxten bereits die höchste Punktzahl seit dem Oberliga-Aufstieg erreicht. »Aber 30 am Saisonende wären schon toll«, sagt Trainer Thomas Lay. Dazu soll am Samstag ein Heimsieg gegen SG Handball Hamm II (9./22:26) beitragen. »Das wird aber nicht einfach. Hamm ist für meine Begriffe unter Wert platziert. Die kommen mit sehr beweglichen, spielerisch starken und hervorragend ausgebildeten Rückraumspielern«, sagt Lay.

Die Zuschauer in Versmold erleben Teil zwei des Wiencek-Tages im Altkreis Halle: Während Nationalspieler Patrick um 16.05 Uhr für das Nationalteam im Gerry-Weber-Stadion aufläuft, ist um 18 Uhr sein jüngerer Bruder David an der Reihe. Der Mittelmann ist Dreh- und Angelpunkt der Hammer Zweitliga-Reserve, traf beim 36:31 gegen LIT zuletzt 12/3 Mal.

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