Brockhagens Coach Lokman Direk: Talentförderer und Spezialist für Neuanfänge Spaßfaktor steigert das Selbstvertrauen

Steinhagen-Brockhagen  (WB). Lokman Direk ist erst 38 Jahre jung, hat aber schon 17 Jahre Trainer-Erfahrung auf dem Buckel – und in dieser Zeit beim TuS Brockhagen echte Akzente gesetzt: Landesliga-Aufstieg mit der »Zweiten« im ersten Seniorentrainer-Jahr, völliger Neuaufbau des Damen-Teams und der erfolgreiche personelle Umbruch der Männer-Mannschaft in der Landesliga. Jetzt macht Lokman Direk Handball-Pause und zieht im Gespräch mit WB-Redakteur Gunnar Feicht Bilanz.

Lokman Direk hat mit seiner Ansprache beim TuS Brockhagen meistens den richtigen Ton getroffen: bei den erfahreneren Spielern wie Timo Schäfer (links) und auch bei Talenten wie Felix Kröger (rechts), der schon als 17-Jähriger in der »Ersten« spielte.
Lokman Direk hat mit seiner Ansprache beim TuS Brockhagen meistens den richtigen Ton getroffen: bei den erfahreneren Spielern wie Timo Schäfer (links) und auch bei Talenten wie Felix Kröger (rechts), der schon als 17-Jähriger in der »Ersten« spielte. Foto: Sören Voss

Samstag, 19.15 Uhr, der TuS Brockhagen hat ein Heimspiel. Was wird Lokman Direk ab September an diesem Termin tun?

Lokman Direk: Ich werde sicher noch oft in der Halle sein und mir die Spiele anschauen. Aber das ›Muss‹ dahinter ist weg, und ich freue mich vor allem darauf, in der Phase der Saisonvorbereitung nicht mehr fünf-, sechsmal die Woche in Sachen Handball unterwegs zu sein. Jetzt habe ich endlich mehr Zeit für meine Frau und unsere beiden Töchter.

Sie haben als Spieler auf der Rückraum-Mitte-Position die Fäden gezogen und parallel dazu schon mit 20 Jahren als Trainer begonnen. Was hat Sie damals dazu motiviert?

Direk: Ich bin über Carsten Schukies, den Schwager meiner Frau Mareike, zum TuS gekommen und habe ihn damals als Co-Trainer bei der weiblichen C-Jugend unterstützt. So bin ich in die Rolle reingewachsen, habe dann zusammen mit Andrea Hein und Silke Wältermann erfolgreiche Jahrgänge betreut, aus denen Spielerinnen wie Linda Hillmer und Jana Pohlmann heute Leistungsträgerinnen der ersten Damen sind. Es hat mir immer Spaß gemacht, wenn Vorbereitung auf ein Training oder ein Spiel funktioniert, wenn ein Plan aufgeht und sich dadurch Erfolg einstellt.

Auch der Sprung in die Seniorentrainer-Laufbahn hat auf Anhieb geklappt: Sie wurden 2010 Nachfolger von Klaus Kronsbein als Trainer der »Zweiten« und sind auf Anhieb in die Landesliga aufgestiegen.

Direk: Ich war Spieler der Mannschaft und der ursprünglich vorgesehene Trainerkandidat ist bei einem Teamkollegen überhaupt nicht gut angekommen. Da bin ich quasi in die Bresche gesprungen. Das Jahr hat sich so gut entwickelt, dass wir vom Abstiegskandidaten sensationell zum Aufstieg durchmarschiert sind. Karl Baumhüter hatte eine Wette über 500 Liter Bier verloren und die dann zur Aufstiegsfeier auf einem Anhänger zur Sporthalle gekarrt. In dem Jahr habe ich festgestellt, dass man mit Emotionen am Spielfeldrand viel bewirken kann, wenn man die in die richtige Richtung lenkt.

Die »Zweite« ist dann mit zwei Punkten Rückstand knapp wieder abgestiegen, aber das nächste Projekt wartete schon: der Neuaufbau der Damenmannschaft.

Direk: Die Mannschaft des Vorjahres hatte sich nach der Entlassung von Ralph Diekmann in alle Winde zerstreut und keiner hätte einen Pfennig darauf gewettet, dass wir die Klasse halten. Aber wir haben alles mobilisiert, was für den TuS spielberechtigt war. Ein Treffen in unserem Garten hat den Grundstein gelegt, daraus ist eine verschworene Gemeinschaft geworden und wir haben sicher die Landesliga gehalten.

Im Verlauf der Verbandsliga-Saison 2012/13 haben Sie bei den Männern den glücklosen Lars Wunderlich als Trainer der Männer-Mannschaft abgelöst. Aber die »Erste« ist als Tabellenletzter abgestiegen. Ein Misserfolg?

Direk: In der Rückserie haben wir uns mit Siegen gegen Harsewinkel und im Derby gegen Steinhagen schon wieder die ersten Erfolgserlebnisse geholt, aber der Rückstand war zu groß. Die Stimmung hatte sich trotz des Abstiegs so gebessert, dass wir eine Mannschaft auf die Beine stellen konnten, die in den beiden Landesliga-Serien danach zweimal Zweiter geworden ist.

In der Landesliga-Saison 2013/14 wurde ihre Mannschaft im Kopf-an-Kopf-Rennen mit TuS 97 II Tabellenzweiter – punktgleich mit dem Aufsteiger aus Jöllenbeck. Der direkte Vergleich ging mit 20:29 und 22:32 zweimal deutlich verloren. Auch im Zweikampf mit Hörste hat es im Jahr darauf wegen des direkten Vergleichs nicht ganz gereicht. Reine Nervensache?

Direk: Gegen Jöllenbeck haben wir wohl zu viel gewollt, meine Person eingeschlossen. Da sind wir in den entscheidenden Momenten verkrampft. Ein Jahr später haben wir beim 30:26-Sieg im Rückspiel gegen Hörste gegen Ende die Zügel etwas schleifen lassen, aber die Elf-Tore-Niederlage aus dem Hinspiel war eh nicht wettzumachen. Den Ausschlag gab dann wohl der Punktverlust in Warendorf, wo wir eine Acht-Tore-Führung verspielt haben. Aber für uns stand danach ein weiterer echter Umbruch ohne die Routiniers Hermbecker, Höcker und Kölkebeck an. Da wäre die Verbandsliga wohl auch eine Stufe zu hoch gewesen.

Mehr Motivator oder Taktiker: Wie sieht sich Lokman Direk selbst als Trainer-Typ?

Direk: Schon eher als der Motivator, weil ich eine gute Menschenkenntnis habe und weiß, wie ich einzelne Spieler ansprechen muss: Der eine braucht eher einen Tritt in den Hintern, der andere muss mehr gestreichelt werden. Ich bin aber auch immer offen für Wünsche der Spieler und spreche viel mit dem Mannschaftsrat. Die Einstellung auf den Gegner und die Arbeit mit den eigenen Stärken darf nicht zu kurz kommen: Mit der »Zweiten« sind wir nicht zuletzt wegen unserer 5-1-Deckung aufgestiegen und spielerisch haben wir uns zum Beispiel in dieser Saison gut entwickelt.

Wie ist es gelungen, von anderen, teils zahlungskräftigen Vereinen umworbene Spieler wie Daniel Plum, Maurice Grabmeir, Felix Kröger oder Yannik Sonntag zum TuS zu holen?

Direk: Da spielt das Familiäre, das ich selbst beim TuS so wichtig finde, eine große Rolle: Dass man als Mannschaft viel miteinander unternimmt, dass der Verein auch andere Aktionen bietet und dass man offen und aufrichtig mitein­ander umgeht. Wenn der Spaßfaktor stimmt, steigt auch das Selbstvertrauen und damit stellen sich die Erfolg ein.

Wie fällt die Bilanz der letzten Saison unter Ihrer Regie mit Platz drei und 35:17 Punkten aus?

Direk: Mit der Rückserie bin ich sehr zufrieden – wobei von den sechs »Miesen« zwei Niederlagen eigentlich noch vermeidbar waren. In der Hinserie hat uns die völlig unnötige Schlappe in Spenge einen ziemlichen Dämpfer versetzt, sodass die nächsten Wochen ziemlich holprig waren. Viele haben sich selbst zu viel Druck gemacht, in der zweiten Saisonhälfte haben wir befreiter aufgespielt. Toll, wie sich Moritz Lünstroth und Christoph Motzkau entwickelt haben, weil man ihnen viel Vertrauen geschenkt hat, weil sie auch Fehler machen durften. Dass sich die Jungs so ins Zeug gelegt haben, obwohl schon früh fest stand, dass ich aufhören werde, werte ich als gutes Zeichen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.