Nationalspielerin Popp nimmt Team in die Pflicht – Jones ist strenger Popp: »Haben vieles kaputt gemacht«

Harsewinkel/Bielefeld (WB). Alexandra Popp spielt seit fast acht Jahren für die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft. Ein so wichtiges Testspiel wie Freitagabend (17.55 Uhr/ARD) in der Bielefelder Schüco-Arena gegen Frankreich hat die 26-Jährige aber in der ganzen Zeit noch nicht erlebt.

Von Jens Brinkmeier
Alexandra Popp im Gespräch mit Bundestrainerin Steffi Jones. Das Spiel morgen in Bielefeld sei »wegweisend«, so Popp.
Alexandra Popp im Gespräch mit Bundestrainerin Steffi Jones. Das Spiel morgen in Bielefeld sei »wegweisend«, so Popp. Foto: imago

Trainerin Steffi Jones ist nach dem Debakel bei der EM im Sommer in den Niederlanden (Aus im Viertelfinale) angezählt. Von einem Schicksalsspiel für die 44-Jährige ist die Rede, Jones könnte ihren Job verlieren. »Mitbekommen haben wir das natürlich auch. Die Leistungen zuletzt sind nicht unser Anspruch. Das ist uns absolut bewusst. Wir wollen als Mannschaft zeigen, dass es nur ein Hänger war. Uns ist bewusst, dass wir vieles gefühlt schon kaputt gemacht haben oder auf dem Weg waren, etwas kaputt zu machen. Das wollen wir ändern. Dieses Testspiel ist wegweisend für uns als Mannschaft, aber auch wichtig, um wiedergutzumachen, was in den letzten Monaten passiert ist. Das ist unser Ziel am Freitag«, sagt Popp im Teamquartier in Marienfeld im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

»Die Ampel steht auf rot!«

Nicht nur die EM war verkorkst, in der folgenden WM-Qualifikation leistete sich das DFB-Team einen peinlichen 2:3-Ausrutscher gegen Island. Nur der Gruppensieger qualifiziert sich direkt für die Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich. Nach dem Island-Spiel nahm Jones (»Die Ampel steht auf rot!«) erstmals die schützende Hand von ihrem Team. Popp: »Ich habe schon eine Veränderung bei ihr bemerkt. Sie ist strenger geworden. Vorher war es sehr viel Harmonie, vielleicht zu viel.«

Die Stürmerin gehört auch zum Mannschaftsrat, der das Gespräch mit Jones suchte. »Wir haben viel gesprochen und man hat gemerkt, dass sie sich das zu Herzen nimmt, was wir vom Mannschaftsrat weitergegeben haben. Dementsprechend sind wir da auf einem sehr guten Weg«, ist Popp überzeugt. Dass die Spielerinnen eine härtere Führung benötigen, bestätigt die 82-fache Nationalspielerin. »Aber es darf auch nicht zu viel Peitsche sein, das Mittelmaß ist entscheidend. Man kann mit Steffi Späße machen, was ich super finde. Aber natürlich müssen auch mal die Zügel angezogen werden. Ich finde, das ist jetzt sehr gut geworden.«

»Wir müssen bei Null starten«

Popp selbst war bei der EM verletzt, trug also keine Schuld am schwachen Abschneiden. Aber die Stürmerin des amtierenden Deutschen Meisters VfL Wolfsburg war vor Ort und litt mit. »Bei der EM zuzuschauen war hart. Ich war gegen Schweden (0:0) und gegen Dänemark (1:2) da. Ich wollte gerne helfen, aber ich konnte nicht. Mir tat die Mannschaft leid. Wir können es jetzt nicht mehr ändern, aber wir müssen daraus lernen«, schildert die Wolfsburgerin.

In den Partien nach dem EM-Aus habe sie »das Gefühl gehabt, dass jede Spielerin Angst hat, noch mehr Fehler zu machen. Da müssen wir als Mannschaft als Kollektiv wieder rauskommen und am besten gegen Frankreich damit anfangen. Da müssen wir bei Null starten.« Dass es im »Schicksalsspiel« für Jones gegen einen so starken Gegner geht, findet Popp gut. »Es ist wichtig, einen Gegner zu haben, der uns fordert. Jede Spielerin weiß, dass sie 100 Prozent geben muss.«

Auch Leupolz fehlt

Melanie Leupolz ist die vierte Spielerin, die für das Duell mit Frankreich verletzt absagen musste . Die 23-Jährige vom FC Bayern hat muskuläre Probleme im Oberschenkel. Zudem fehlen Leupolz’ Teamkollegin aus München, Simone Laudehr, sowie die beiden Freiburgerinnen Lina Magull und Hasret Kayikci verletzt.

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