Tennis-Bundesliga: 4:2 gegen Mannheim – BW Halle plant pünktlich zum Jubiläum die Meisterfeier Fünfter Titel ist das schönste Geschenk

Halle (WB). An alle jungen Leser, die selber Tennis spielen: Bitte die nächsten Zeilen überspringen. TC Blau-Weiß Halle ist auf dem Weg zur fünften Deutschen Meisterschaft nicht mehr zu stoppen. Beim entscheidenden 4:2 des Spitzenreiters gegen Verfolger GW Mannheim sind zwei zerhackte Schläger ein Schlüssel zum Erfolg.

Von Stephan Arend
15.53 Uhr: »Pützi on fire«: Tim Pütz hat einen Matchball gegen Daniel Brands abgewehrt und Halle soeben vorentscheidend mit 3:1 in Führung gebracht
15.53 Uhr: »Pützi on fire«: Tim Pütz hat einen Matchball gegen Daniel Brands abgewehrt und Halle soeben vorentscheidend mit 3:1 in Führung gebracht Foto: Sören Voss

Beim Gesamtstand von 1:1 hat Jan-Lennard Struff im Spitzeneinzel Satz eins 4:6 verloren und im zweiten Durchgang bei 5:4-Führung und Satzball Pech, dass Gegner Peter Gojowczyk diesen per Netzroller abwehrt und zum 5:5 ausgleicht.

Struffi, eigentlich die Ruhe in Person, wird zum Vulkan. Er schmettert sein Racket immer wieder auf den Boden und zerlegt es in mehrere Teile. Eine Aktion, die sich nicht zum Nachahmen eignet. Der Publikumsliebling der Haller Fans kassiert neben einer Verwarnung auch erstmals bei einem Heimspiel einige Buh-Rufe.

Doch dieser Wutausbruch zahlt sich aus. Struff steigert sich, dreht das Match und bringt sein Team mit 2:1 in Führung. »Puh, das ist eine riesige Erleichterung, dass ich diesen Punkt für die Mannschaft nach zuvor schwachen Leistungen und drei Niederlagen noch gewonnen habe«, fallen Halles Nummer eins einige Steine vom Herzen. Und er gibt entschuldigend zu: »In diesem Fall hat es mir wirklich geholfen, den Schläger zu zerstören. Das war eine Befreiung, danach ging es viel besser.«

Auf dem Nebenplatz muss bei Tim Pütz ebenfalls der Frust raus. Halles Bundesliga-Spieler mit der besten Saison-Bilanz (11:1 vor der Partie) verliert gegen Daniel Brands den ersten Satz im Tiebreak nach 5:3-Führung und kassiert in Durchgang zwei das Break zum 2:4.

Auch Pütz zerhackt seinen Schläger, auch er dreht danach ein dramatisches Match mit vielen Aufs und Abs. Im Matchtiebreak führt der Haller schon 8:5, muss nach vier Punkten von Brands in Folge einen Matchball abwehren, um mit 11:9 zu triumphieren. Um genau 15.53 Uhr führt Halle 3:1, hat das angepeilte Remis sicher und den mehr als vorentscheidenden Schritt im Titelrennen bereits gemacht.

Selbst wenn Mannheim beide Doppel gewinnt, halten die Blau-Weißen am letzten Spieltag gegen Düsseldorf alle Trumpfkarten in der Hand. Da lässt es sich auch Vereinsboss Gerhard Weber nicht nehmen, Pütz und dessen Teamkollege Daniel Munoz-de la Nava auf dem Platz persönlich zu gratulieren.

Der Spanier hat zuvor nach der Auftaktniederlage von Thiemo de Bakker einen Fehlstart der Blau-Weißen verhindert. Wie Struff und Pütz schafft auch Munoz-de la Nava gegen Tobias Kamke nach verlorenem ersten Durchgang die Wende und dominiert den Matchtiebreak wie im Rausch mit sage und schreibe 10:1.

In den Doppeln haben die Gäste aus Mannheim zunächst die Nase vorne. Daniel Brands/Robin Kern gewinnen gegen Thiemo de Bakker/Jeremy Jahn glatt in zwei Sätzen, verkürzen auf 2:3. Und Struff/Pütz liegen gegen Kamke/Beck 5:7/0:2 hinten.

Doch die beiden Blau-Weißen wenden erneut noch das Blatt. Tim Pütz macht Halles 4:2-Gesamtsieg mit einem Ass im Matchtiebreak perfekt. Um genau 18.33 Uhr gibt es keinen Zweifel mehr: TC Blau-Weiß Halle wird kommenden Sonntag die fünfte Deutsche Meisterschaft feiern und macht sich im Jahr des 60-jährigen Vereinjubiläums selbst das schönste Geschenk.

Auf einen Blick

Jan-Lennard Struff – Peter Gojowczyk4:6/7:5/10:6

Daniel Munoz-de la Nava – Tobias Kamke3:6/6:3/10:1

Tim Pütz – Daniel Brands6:7(5)/7:6(1)/11:9

Thiemo de Bakker – Andreas Beck 3:6/5:7

Struff/Pütz – Kamke/Beck5:7/6:3/10:5

de Bakker/Jahn – Brands/Robin Kern 4:6/3:6

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