Tennis-Bundesliga: BW Halle nach 4:2 mit glänzender Perspektive Haase-Gala – »wie ein Top 10-Spieler«

Halle (WB). Es droht ein Fehlstart. Doch nach 0:2-Rückstand dreht Tennis-Bundesligist TC Blau-Weiß Halle das erste Heimspiel der Saison gegen Mitfavorit Blau-Weiß Krefeld. Das 4:2 eröffnet glänzende Perspektiven.

Von Stephan Arend
Robin Haase begeistert im Spitzeneinzel gegen Paolo Lorenzi und lässt der Nummer 33 der Welt nicht den Hauch einer Chance. Haase leitet so die Wende ein.
Robin Haase begeistert im Spitzeneinzel gegen Paolo Lorenzi und lässt der Nummer 33 der Welt nicht den Hauch einer Chance. Haase leitet so die Wende ein. Foto: Sören Voss

»Wenn wir Sonntag auch bei Blau-Weiß Aachen gewinnen, gehen wir am 23. Juli mit 5:1 Punkten ins Spitzenspiel gegen Kurhaus Aachen. Dann ist ganz sicher die Hütte voll«, blickt Halles Teamchef Thorsten Liebich in eine vielversprechende Zukunft.

Mit einer 2:0-Führung im Rücken spielt es sich leichter. So oder ähnlich sieht der Plan der Blau-Weißen vor 1700 Zuschauern gegen Krefeld aus. Jan-Lennard Struff (ATP 53) und Joao Sousa (ATP 62) sollen es zunächst richten. Doch es kommt alles ganz anders. Neuzugang Sousa wird bis zum 4:2 zwar seiner Favoritenrolle gerecht. Doch danach spielt sich Ruben Ramirez-Hidalgo in einen Rausch. Der Ex-Haller, von 2003 bis 2015 für die Blau-Weiß im Einsatz und einer der Publikumslieblinge, hat an der Weststraße viele umjubelte Siege gefeiert. Doch der mittlerweile 39-Jährige (ATP 172) überrascht an alter Wirkungsstätte alle. »So aufschlagstark und so druckvoll habe ich Ruben noch nie gesehen. Er allein hat das Match gewonnen und nicht Joao verloren«, zieht Halles Coach Thomas Dappers den Hut. Der Sieger wird auf den Weg in die Kabine mit Gratulationen und Komplimenten überhäuft: »Keine Ahnung, ob es mein bestes Spiel war. Auf jeden Fall ist es heute traumhaft für mich gelaufen. Ich habe tolle Jahre hier gehabt – deshalb sorry Halle.«

»Sorry Halle«

Auf dem Nachbarplatz ein ähnliches Bild. Halles Mister Bundesliga Jan-Lennard Struff hat gegen Marco Cecchinato bis zum 4:3 im Tiebreak des ersten Satzes Vorteile. Der Italiener (ATP 102) spielt im entscheidenden Moment zwei Asse in Folge und macht danach beim 7:6/6:4 gefühlt überhaupt keinen Fehler mehr. Struff beißt zwar bis zum letzten Ball, aber er kann seine erst vierte Einzelniederlage im Dress der Blau-Weißen seit 2011 nicht abwenden. »Struffi war heute besser als bei seinem Sieg Sonntag in Köln gegen Seppi«, unterstreicht Halles Thorsten Liebich die Top-Leistung des

Italieners.

0:2 nach Halles eigentlich stark eingestufter erster Runde – vieles spricht für eine Niederlage und 1:3 Punkte nach zwei Spieltagen. Doch allen voran Robin Haase (ATP 38) dreht den Spieß um. Im Spitzeneinzel gegen Paolo Lorenzi (ATP 33) begeistert der Niederländer mit fast fehlerlosem und variablem Hochgeschwindigkeitstennis, mischt Netzangriffe, Winner von der Grundlinie und Stoppbälle. »Ich spiele eine richtig gute Saison. Doch das Match heute war eine meiner besten Partien«, sagt Haase nach dem 6:3/6:2 und seinem ersten Auftritt auf Asche nach der Rasensaison überhaupt. Für Teamchef Liebich eine glatte Untertreibung: »Ein Megaauftritt, wie der eines Top 10-Spielers.« Als wenig später auch Tim Pütz sein druckvolles Tennis gegen Maximo Gonzales durchsetzt und 6:4/6:4 gewinnt, ist Halle wieder im Rennen.

Pütz mit Selbstvertrauen

»Mir gefällt die Mannschaft und das ganze Drumherum. Ich hoffe, ich kann schon bald etwas zurückgeben«, hat ein zerknirschter Joao Sousa nach seiner überraschenden Einzelniederlage gesagt. Im Doppel steigert er sich nach Anlaufschwierigkeiten gerade noch rechtzeitig und bringt an der Seite von Haase sein neues Team mit 3:2 in Führung. Als wenig später auch Struff und Pütz nach einem abgewehrten Satzball ihr Doppel gewinnen, ist die Partie endgültig gedreht. »Wahnsinn damit habe ich nach dem 0:2 nicht mehr gerechnet«, strahlt Liebich. Dass seine Neuzugänge nach zwei Spieltagen in den Einzeln noch sieglos sind, das ist ihm egal: »Es zählt das Team. Und dafür hat jetzt ein Tim Pütz viel Selbstvertrauen.«

Robin Haase - Paolo Lorenzi 6:3/6:2

Jan-Lennard Struff - Marco Cecchinato 6:7(4)/4:6

Joao Sousa - Ruben Ramirez Hidalgo 4:6/2:6

Tim Pütz - Maximo Gonzalez6:4/6:4

Haase/Sousa - Lorenzi/Cecchinato3:6/6:0/10:7

Struff/Pütz - Gonzales/Federico Gaio 6:2/7:6(4)

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