Tennis-Bundesliga: BW Halle besiegt Schlusslicht TC Bruckmühl-Feldkirchen Zitterspiel statt Sonntagsspaziergang

Halle (WB). Der erste Blick auf die Mannschaftsaufstellungen lässt einen Sonntagsspaziergang für Tennis-Bundesligist TC Blau-Weiß Halle vermuten. Doch stattdessen muss das Gerry-Weber-Team beim 4:2 gegen Schlusslicht TC Bruckmühl-Feldkirchen bis zum letzten Ballwechsel um die volle Punkteausbeute zittern.

Von Stephan Arend
Johannes Härteis muss bei seinem Einzel-Debüt punkten, und der Neuzugang punktet. Nachdem er im zweiten Satz den Faden verloren hat, spielt der Linkshänder im Matchtiebreak wieder seine Überlegenheit aus.
Johannes Härteis muss bei seinem Einzel-Debüt punkten, und der Neuzugang punktet. Nachdem er im zweiten Satz den Faden verloren hat, spielt der Linkshänder im Matchtiebreak wieder seine Überlegenheit aus. Foto: Sören Voss

Sinnbild für eine überraschend spannende Partie ist das abschließende Doppel. Johannes Härteis/Lennart Zynga benötigen beim Stande von 6:3/6:5 fünf Matchbälle, um den Gesamtsieg perfekt zu machen. »Ich bin heute zehn Jahre älter geworden«, stöhnt Halles Coach Thomas Dappers. Teamchef Thorsten Liebich analysiert die Begegnung dagegen aus einer ganz anderen Perspektive: »Für die Zuschauer kann es doch nicht besser laufen.«

In der Tat bekommen die 2100 Besucher alles andere als den zu Beginn befürchteten Langweiler zu sehen. Der noch punktlose Tabellenletzte tritt mit den letzten vier Akteuren der Meldeliste an. Teamchef Ralf Roffmann gibt offen zu, sich beim amtierenden Deutschen Meister nichts auszurechnen und seinen Etat für die entscheidenden Partien zu schonen: »Der Gerald zum Beispiel spielt eigentlich bei den Herren 30 und kommt bei uns nur dann zum Einsatz, wenn wir keinen anderen aufbieten können.« In der Tat scheint Halles Johannes Härteis in einer anderen Liga zu spielen als der angesprochene Gerald Kamitz. Der 20-jähige Neuzugang der Blau-Weißen dominiert das Match bis zum 6:0/4:1/40:15 nach Belieben – ehe Teil eins des Zitterspiels beginnt. »Ich verliere einige Punkte, werde dann viel zu passiv und überlasse ihm das Spiel«, sagt Härteis, der Satz zwei noch im Tiebreak abgibt und offen zugibt: »Plötzlich ging mir die Düse. Ich bin hier in Halle super aufgenommen worden und wollte in meinem ersten Einzel nicht enttäuschen.« Im Matchtiebreak ist Härteis dann aber wieder Chef im Ring und siegt deutlich wie standesgemäß 10:2.

Halle - Kitzbühel - Halle - Rio

Auch Jan-Lennard Struff lässt im Spitzeneinzel wie erhofft nichts anbrennen. Er feuert noch kurz seine Teamkollegen an, um dann aufzubrechen und schon um 17 Uhr von Hannover aus zum Turnier nach Kitzbühel zu fliegen. Trotz seiner Olympia-Teilnahme wird Punktegarant Struffi vermutlich in den nächsten drei Partien den Blau-Weißen zur Verfügung stehen: »Ich freue mich auf Rio, auf das Leben im olympischen Dorf mit den anderen Sportlern, das wird bestimmt in­spirierend. Aber ich fliege erst am 2. August nach Brasilien.«

Während nach Struff auch Daniel Munoz-de la Nava seiner Favoritenrolle gerecht wird, verliert Tim Pütz nach durchwachsenem aber gewonnenem ersten Durchgang völlig den Faden und die beiden nächsten Sätze deutlich. In seinem ersten Einzel nach monatelanger Knieverletzung fehlen ihm deutlich Matchpraxis und Selbstvertrauen.

Comeback von Koderisch

Trotz einer 3:1-Führung hängt der fest eingeplante Heimsieg am seidenen Faden, weil neben Struff auch Munoz-de la Nava im Doppel nicht zur Verfügung steht. Der Spanier hat Ellenbogen-Probleme. So feiert Halles Regionalliga-Spieler Christopher Koderisch nach elf Jahren sein Comeback in der 1. Liga. Doch Toto und sein Partner Tim Pütz geraten schnell auf die Verlierer-Straße und können auch mit einer Leistungssteigerung am Ende des zweiten Satzes das Match nicht mehr drehen. Eitzinger/Kamitz verkürzen auf 2:3.

Zu diesem Zeitpunkt liegen Johannes Härteis und Lennart Zynga im zweiten Satz 4:5 zurück. Doch das Haller Duo zeigt eine starke Leistung, und behält beim Stande von 6:5 auch nach den vergebenen Matchbällen die Nerven.

Das Zitterspiel ist beendet und Teamchef Thorsten Liebich zieht Bilanz: »Mit 5:3 Punkten sind wir vor allem unten raus.« Ob Halle noch einmal ganz oben angreifen kann? Johannes Härteis beantwortet diese Frage mit einem überzeugten »Ja«. Liebich ist vorsichtiger, will die Saison weiter Schritt für Schritt planen und gibt zu: »Wir haben heute gegen eine gute Zweitliga-Mannschaft gewonnen.« Derweil trauert Gäste-Teamchef Ralf Roffmann einer unverhofften Chance nach: »Mit unserer Aufstellung zuletzt in Gladbach hätten wir heute hier was reißen können.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.