Tennis-Bundesliga: Halle fegt Favorit Aachen mit 5:1 vom Platz Jetzt ist alles drin

Halle (WB). Florian Mayer steht am Sonntagabend vor der Club-Anlage des TC Blau-Weiß Halle und tippt auf seinem Handy herum. Der Tennis-Profi erinnert an einen Schuljungen, der gerade den Bus verpasst hat und seiner Mutter noch die Fünf in Mathe beichten muss – ähnlich ist es den Aachenern auch ergangen: Halle hat den bisherigen Bundesliga-Spitzenreiter TK Kurhaus mit 5:1 (3:1) besiegt.

Von Sören Voss
Gut gebrüllt, Haase: Spitzenspieler Robin Haase schreit seine Freude über den Coup gegen den bisherigen Spitzenreiter Kurhaus Aachen heraus.
Gut gebrüllt, Haase: Spitzenspieler Robin Haase schreit seine Freude über den Coup gegen den bisherigen Spitzenreiter Kurhaus Aachen heraus. Foto: Sören Voss

Seit nunmehr 14 Jahren ist Philipp Petzschner als Tennis-Profi unterwegs. Er hat Doppel-Konkurrenzen wie in Wimbledon oder bei den US Open gewonnen – und trotzdem wird auch Petzschner diesen Tennis-Tag im Aachener Dress so schnell nicht vergessen. »Fünf Spiele im Matchtiebreak verloren – das habe ich so auch noch nie erlebt. Heute war von 5:1 bis 1:5 alles drin, aber wir hatten in der Lotterie kein Glück.«

Für die Haller Anhänger unter den 4200 Zuschauern ist es hingegen ein gelungener letzter Heimspieltag. Da ist der kämpferische Auftritt von Altmeister Jarkko Nieminen, der Aljaz Bedene mit 10:7 niederkämpft. Da ist ein ebenfalls überzeugender Robin Haase, der nach souveränem ersten Satz beim 0:6 im zweiten kurz aus dem Tritt kommt, Florian Mayer dann aber im Champions-Tiebreak mit 10:4 keine Chance lässt.

Und da ist Jan-Lennard Struff, der nach sieben Erstrunden-Pleiten in Folge auf der ATP-Tour von den Siegen der Teamkollegen beflügelt wird und Steve Darcis aus dem Weg räumt. »Als ich im zweiten Satz gehört habe, dass Robin gewonnen hat, hat mich das noch mal richtig gepusht«, verrät »Struffi« nach seinem Sieg. Tim Pütz hat sogar den vierten Einzelpunkt vor Augen: Er ist gegen Carlos Berloq phasenweise der bessere Spieler, muss sich aber mit 2:6/5:7 geschlagen geben. »Beim 3:0 im Zweiten hätte ich die Chance zum 4:0 nutzen müssen«, ärgert sich Pütz nach seinem Einzelauftritt.

Das beste Spiel mit der besten Kulisse: 4200 Zuschauer bedeuten Saisonrekord in Halle. Ein würdiger Rahmen für dramatischen Sport.

Die Haller Doppelaufstellung ist in wenigen Sekunden entschieden. Wie schon zuletzt treten Jarkko Nieminen und Tim Pütz gemeinsam an und legen ein 6:0 vor. Prof. Dr. Hermann Bühlbecker pendelt ungläubig zwischen den Courts hin und her. Der Multimillionär ist Besitzer der Lambertz-Gruppe und hat als Mäzen die Aachener Tennis-Mannschaft nach Ostwestfalen begleitet. Doch seine Unterstützung hilft genauso wenig wie die der Busladung mitgereister Gäste-Fans, die längst verstummt sind.

Beim 1:1-Satzausgleich werden sie kurz lauter, aber im Matchtiebreak behält Halle souverän die Oberhand. Als die beiden Sieger nebenan auf den Centre-Court kommen, werden sie mit Applaus empfangen. Das Duo Haase/Struff kann jede Unterstützung gebrauchen, denn auch hier geht es in den Entscheidungs-Tiebreak. Das gesamte Haller Team springt auf den Platz, als der Ball im Aus landet und Halles 5:1 perfekt ist. »Das war heute wie im Davis-Cup, wie auch die Zuschauer hinter uns standen«, jubelt Jarkko Nieminen.

Die Blau-Weißen können sich feiern lassen und haben am letzten Spieltag eine realistische Chance auf den Titel. »Wir sind jetzt voll in der Verlosung«, findet Teamchef Thorsten Liebich.

Beide Kontrahenten haben jetzt dieselbe Punktzahl, und dieselbe Matchbilanz. Weil Aachen im bisherigen Saisonverlauf mehr Sätze gewonnen hat, müssen die Ostwestfalen für den Titel in Neuss höher gewinnen, als parallel Aachen gegen Köln, um wie im Vorjahr Deutscher Mannschafsmeister zu werden.

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