Beim SC Wiedenbrück lief in der abgelaufenen Saison einiges schief Ende einer Männerfreundschaft

Rheda-Wiedenbrück (WB). Hausgemachte Unruhe hat beim Fußball-Regionalligisten SC Wiedenbrück den großen Erfolg des erneuten Klassenerhalts überlagert. Anstatt sich über ein achtes Jahr in der vierthöchsten Spielklasse zu freuen, herrschte nach Abpfiff der Saison 2016/17 so etwas wie Untergangsstimmung.

Von Dirk Heidemann
Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten. Zu Beginn der dreijährigen Amtszeit von Trainer Alfons Beckstedde (links) war das Verhältnis zu SCW-Klubboss Burckhard Kramer (rechts) noch intakt. Am Ende sprach man nicht mehr miteinander.
Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten. Zu Beginn der dreijährigen Amtszeit von Trainer Alfons Beckstedde (links) war das Verhältnis zu SCW-Klubboss Burckhard Kramer (rechts) noch intakt. Am Ende sprach man nicht mehr miteinander. Foto: Ralf Weber

Der Ursprung lag in der frühzeitigen Bekanntgabe, über diese Spielzeit hinaus nicht weiter mit Trainer Alfons Beckstedde zusammenarbeiten zu wollen. Ab diesem Zeitpunkt, Mitte Januar und somit mitten in der Vorbereitung auf den zweiten Saisonteil, ging beim SCW fast gar nichts mehr.

Dabei hatte im Spätsommer 2016 alles so gut begonnen. Zwar starteten die Wiedenbrücker mit einem 0:2 im heimischen Jahnstadion gegen RW Essen, doch bis zum zehnten Spieltag sammelte der SCW satte 17 Zähler und lag auf Rang fünf. In den folgenden neun Partien sprang indes nur noch ein dreifacher Punktgewinn heraus und es reifte offenbar der Entschluss, dass nach drei Jahren unter Beckstedde eine Veränderung auf der Kommandobrücke her musste. Vielleicht wäre im Nachhinein sogar eine Trennung in der Winterpause richtiger gewesen.

Der Antilauf verlängerte sich um drei weitere Partien, ehe der Bann gebrochen wurde. Der 2:1-Erfolg im März bei der U23 des FC Schalke 04 hatte wegweisenden Charakter für den späteren Klassenerhalt. Doch ausgerechnet in dieser Partie traten die schon länger schwelende atmosphärischen Störungen zwischen Klub-Boss Burckhard Kramer und Trainer Alfons Beckstedde öffentlich aus. Kramer mäkelte trotz 1:0-Pausenführung am Wiedenbrücker Auftritt in der ersten Halbzeit herum, obwohl die Mannschaft gemessen an der Bedeutung der Partie einen ordentlichen Auftritt hinlegte. Im Falle einer Niederlage wäre es wohl Becksteddes letztes Spiel als SCW-Coach gewesen. Nach zwei folgenden Pleiten sowie dem 1:1 in Siegen nahmen Kramer und sein Vorstandskollege Alexander Brentrup die Mannschaft aufs Korn. Die beiden anschließenden Heimsiege gegen Wattenscheid und Sprockhövel brachten zwar sportliche Ruhe, intern gärte es indes weiter. Eine Kommunikation zwischen Vorstand und Trainer fand nicht mehr statt. Auch die Mannschaft folgte zumindest in Teilen nicht mehr dem scheidenden Coach, der längst zur »lame duck« (lahme Ente) geworden war. In der gesamten Rückserie reichte es nur noch zu drei Siegen.

Wie gut, dass am letzten Juli-Wochenende alles wieder bei Null losgeht. Mit Björn Mehnert, der den Oberligisten Westfalia Rhynern völlig überraschend in die Regionalliga geführt hat, kommt ein erfolgshungriger neuer Trainer und mit ihm jede Menge neues kickendes Personal. Denn von zehn Spielern hat sich der SC Wiedenbrück getrennt. Fünf Neuzugänge sind bislang fix und wer die Personalplanungen in der Vergangenheit verfolgt hat, der weiß, dass der SCW besonders dann gerne noch einmal zuschlägt, wenn sich die heiße Phase auf dem Transfermarkt abgekühlt hat. Dann sind Spieler zu bekommen, die sich momentan noch bei ambitionierten Regionalligisten oder sogar in der 3. Liga sehen.

Vorgelegt hat der SC Wiedenbrück bereits im Winter durch die spektakuläre Verpflichtung von Daniel Brinkmann. Der Ex-Profi, Vertrag bis 2021, ist den Nachweis seiner Klasse bislang schuldig geblieben. Doch auch ihm bietet sich unter Björn Mehnert eine neue Chance.

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