SVA-Trainer Jerome Flechsig und Schiedsrichter Dietrich nach virtuellem Spiel gesperrt Für ein Jahr zum Zuschauen verurteilt

Kreis Gütersloh (WB). Ein bislang einmaliger Vorfall im Fußballkreis Gütersloh ist in der vergangenen Woche vor der Kreisspruchkammer unter dem Vorsitz von Hans-Friedrich Strathoff verhandelt worden. Wegen Spielmanipulation durch einen vorsätzlich falsch erstellten Spielbericht dürfen Jerome Flechsig, Trainer des C-Ligisten SV Avenwedde III, sowie Schiedsrichter Heiko Dietrich vom SV Spexard für die Dauer von einem Jahr keine Funktion mehr innerhalb des Westdeutschen Fußball-Verbandes (WDFV) ausüben.

Von Dirk Heidemann
Während seine Mannschaft in der Fußball-Kreisliga C im Auswärtsspiel bei GW Varensell II um Punkte kämpft, muss Trainer Jerome Flechsig zuschauen. Die Kreisspruchkammer hat den Trainer des SV Avenwedde III für ein Jahr gesperrt.
Während seine Mannschaft in der Fußball-Kreisliga C im Auswärtsspiel bei GW Varensell II um Punkte kämpft, muss Trainer Jerome Flechsig zuschauen. Die Kreisspruchkammer hat den Trainer des SV Avenwedde III für ein Jahr gesperrt. Foto: Uwe Caspar

Was war geschehen? Im Vorfeld hatte der SV Avenwedde III um eine Spielverlegung der Kreisliga-C-Auswärtspartie am 26. März bei DITIB Verl gebeten, da ihm nicht genügend kickendes Personal zur Verfügung stehe. Diesem Gesuch musste Kreisliga-C-Staffelleiter Hans Voss allerdings eine Absage erteilen. »Nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei einer Grippewelle innerhalb der Mannschaft, ist das möglich«, klärt Hans-Friedrich Strathoff auf.

Am 26. März erschienen die Avenwedder dann nur mir sechs Spielern in Zivilkleidung. Jerome Flechsig klagte Schiedsrichter Heiko Dietrich sein Leid, dass bei Nichtantritt eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro fällig wäre. »Was hältst du davon, wenn wir das Spiel nur virtuell stattfinden lassen?«, fragte Flechsig daraufhin bei Dietrich nach. Der Referee hatte keine Einwände, auch DITIB-Trainer Memis Erdogmus entzog sich der Verantwortung: »Ist mir egal. Macht doch, was ihr wollt.« Im Spielbericht wurde ein Ergebnis von 5:0 für DITIB eingetragen. Zudem vermerkte Heiko Dietrich, dass er die Partie nach 21. Minuten abgebrochen habe, da sich der Avenwedder Torhüter verletzt hätte und nur noch sechs Avenwedder Spieler auf dem Platz gestanden hätten. Laut Regelwerk ist ein Abbruch dann möglich.

DITIB-Trainer Erdogmus konnte die Spruchkammer eine Mitschuld nicht nachweisen, obwohl Dietrich in der Verhandlung angab, die Namen der eingetragenen Torschützen von Erdogmus bekommen zu haben. Der DITIB-Coach bestritt dies allerdings. »Die letzte Bearbeitung des Spielberichts hat zweieinhalb Stunden nach dem Anpfiff stattgefunden. Herr Dietrich hat also von zu Hause aus noch einmal Veränderungen vorgenommen und kann die Namen auch nachträglich eingesetzt haben. Somit stand Aussage gegen Aussage«, erklärt Hans-Friedrich Strathoff. Memis Erdogmus wurde somit nur wegen unsportlichen Verhaltens zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Euro verurteilt. Kurios: Der Fall wurde erst durch einen Schiedsrichterkollegen von Heiko Dietrich publik, der die Partie im Anschluss an das DITIB-Avenwedde-Spiel leiten sollte. Er wurde also von einem Kollegen verpfiffen.

Sowohl Jerome Flechsig, als auch Heiko Dietrich haben die Möglichkeit, in Berufung zu gehen. Hans Strathoff hält dies allerdings für unwahrscheinlich. »Beide waren während der 90-minütigen Verhandlung voll geständig. Herr Flechsig hat sogar alle Schuld auf sich genommen«, so der Jurist aus Rheda-Wiedenbrück. Der Kreisschiedsrichter-Ausschuss (KSA) hat Heiko Dietrich bereits von seiner Liste gestrichen, und der SV Spexard den Referee aus dem Verein ausgeschlossen. Das allerdings sei ohne weiteres nicht möglich, so Strathoff: »Gemäß der Satzung des Vereins muss es zunächst eine Anhörung geben.« Durch das harte Strafmaß erhofft sich Hans-Friedrich Strathoff eine Signalwirkung. »Sonst kommen noch andere auf die gleiche Idee«, so der 66-Jährige.

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