SC Wiedenbrück schafft in den letzten zehn Minuten 3:0-Überraschungssieg bei Titelfavorit Rot-Weiss Essen Starker Endspurt in Überzahl

Essen (WB). Welch ein Paukenschlag zum Saison-Auftakt: Fußball-Regionalligist SC Wiedenbrück gewinnt beim Titelfavoriten Rot-Weiss Essen mit 3:0 (0:0) und sorgt für eine faustdicke Überraschung. Doch nach dem ersten Auswärtssieg seit zehn Monaten flippt niemand aus. Vielmehr üben sich die Emsstädter in vornehmer Zurückhaltung.

Von Dirk Heidemann
Der Türöffner für den SC Wiedenbrück in Essen: Kamil Bednarski ist an Niclas Heimann vorbei und schießt zum 1:0 ein.
Der Türöffner für den SC Wiedenbrück in Essen: Kamil Bednarski ist an Niclas Heimann vorbei und schießt zum 1:0 ein. Foto: Ralf Weber

Alle Beteiligten können das Resultat richtig einordnen. »Es war erst das erste Spiel, 35 folgen noch. Daher sollten wir auf dem Teppich bleiben. Wenn jetzt einer meint, wir eilen durch die Regionalliga und landen am Ende auf Platz vier oder fünf, der irrt«, sagte Doppeltorschütze Kamil Bednarski.

Denn die Hafenstraße wurde am Samstag keineswegs im Sturm erobert. Vielmehr hatte der SCW einige knifflige Situationen zu überstehen. Zum nötigen Glück gesellte sich zudem eine Dummheit von Jeffrey Obst. Nach einer Tätlichkeit des Essener Rechtsverteidigers an Julian Loose (45., versuchter Kopfstoß) musste RWE die komplette zweite Halbzeit in Unterzahl bestreiten.

Schlüsselszene: Schiri Mitja Stegemann zeigt Jeffrey Obst »Rot«. Foto: Ralf Weber

Essen übernimmt Kommando

Im ersten Durchgang gaben die Hausherren erwartungsgemäß den Takt vor, wurden aber nur dann gefährlich, wenn der starke Sechser Kasim Rabihic und der Ex-Wiedenbrücker Marwin Studtrucker beteiligt waren. »Studti« setzte eine Hereingabe von Kevin Behrens knapp neben das Tor (21.) und stand bei seinem korrekterweise nicht gegebenen Treffer (27.) knapp im Abseits.

Rot-Weiss Essen - SC Wiedenbrück 0:3

Rot-Weiss Essen: Heimann - Obst, Zeiger, Weber, Cokkosan - Fritz, Rabihic -  Studtrucker (46. Arenz), Jesic (62. Cekic), Grund - Behrens (68. Platzek).
SC Wiedenbrück: Hölscher - Volkmer, Twyrdy (76. Chato), Spinrath, Rogowski - Batarilo, Zech - Loose (86. Hüsing), Wassey, Bednarski - Bockhorn (53. Kotuljac).
Schiedsrichter: Mitja Stegemann (Bonn)
Zuschauer: 9107.
Rote Karte: Jeffrey Obst wegen einer versuchten Tätlichkeit (Kopfstoß)  an Julian Loose (45.) nach einem Gerangel an der Außenlinie.
Gelbe Karte: Batarilo (25.).
Ecken: 4:5 (3:3).

Wenig später setzte Kevin Grund einen Schuss über den Wiedenbrücker Kasten (33.). Der SCW hatte  seine Mannschaft notgedrungen umbauen müssen, da Babacar M’Bengue nach dem Abschlusstraining mit einer Bauchmuskelzerrung passen musste. Für ihn spielte Sebastian Spinrath in der Innenverteidigung und lieferte eine ebenso tadellose Vorstellung ab wie sein Nebenmann Robin Twyrdy.

Beide harmonierten prächtig miteinander, obwohl sie noch nie gemeinsam als Manndecker agiert hatten. Im Angriff bot SCW-Trainer Alfons »Ali« Beckstedde überraschenderweise Herbert Bockhorn als Stoßstürmer auf. Mit dieser Rolle war der Neuzugang allerdings komplett überfordert und musste nach 53 Minuten Aleksandar Kotuljac weichen.

Wassey vergibt erste Chance

Die Wiedenbrücker bekamen die Partie erst nach einer guten halben Stunde besser in den Griff und hatten durch Massih Wassey (34.) sowie Kamil Bednarski (35.) ihre ersten gelungenen Abschlüsse. Mit einem Mann mehr auf dem Platz tat sich der SCW hingegen zunächst schwer. Obwohl in Unterzahl agierend, hatten neun Essener Feldspieler (Studtrucker musste zur Pause in der Kabine bleiben, für ihn kam der defensivere Lucas Arenz) plötzlich mehr Räume und hätten auch durchaus in Führung gehen können.

Rabihic feuerte einen Distanzschuss direkt auf die Fäuste von Marcel Hölscher ab (52.), ein von Vojno Jesic geschossener Freistoß aus 18 Metern landete in der Mauer (58.). »Wenn der  reingeht, dann holen wir gar nichts«, sagte Beckstedde.  Nur eine Minute später rettete Hölscher bei einem Schuss von Grund mit einer Glanztat  das 0:0.

Bednarski lässt Heimann stehen

Als Bednarski in der 77. Minute RWE-Schlussmann Niclas Heimann prüfte, war das das Signal zu einer furiosen Wiedenbrücker Schlussphase. Angetrieben vom starken Stipe Batarilo wurden die nun intensiver werdenden  Angriffsbemühungen der Gäste in der 81. Minute durch einen sehenswerten Treffer von Bednarski mit dem 1:0 belohnt.

Die Tore Nummer zwei (Kotuljac/89.) und drei (Bednarski/90.+2) ließen den Erfolg des SCW am Ende allerdings eindeutig zu hoch ausfallen. »Das Ergebnis ist für uns angenehm heftig, das Spiel kann auch anders ausgehen«, resümierte Beckstedde: »Wenn man drei Punkte in Essen holt, dann ist das für uns ein besonderer Tag und ich kann mich vielleicht bis Montag freuen.

Aber am Samstag gegen die U23 von Fortuna Düsseldorf müssen wir viele Sachen besser machen. Wir waren nicht in der Lage, konstruktiv etwas aufzubauen, um Essen in Bedrängnis zu bringen.« Da ist also  noch reichlich Luft nach oben.

Sebastian Spinrath überzeugt als Innenverteidiger und harmoniert prächtig mit seinem Nebenmann Robin Twyrdy. Foto: Ralf Weber

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